Helga Meyer-Seydel kurz vor Dienstbeginn: Sie startet auf dem Wendeplatz Rosenkamp in Oedeme – ihre letzte Möglichkeit, sich zu erleichtern. Und dafür muss sich die Busfahrerin in die Büsche schlagen. Foto: phs

WC für KVG: Wenn das Geschäft zum Problem wird

ap Lüneburg. Helga Meyer-Seydel hat Bedürfnisse wie jeder andere Mensch auch. Nur ist der Gang zur Toilette für sie bei der Arbeit kein leichtes Unterfangen. Denn sie ist Busfahrerin, kann ihren Bus ja nicht einfach am Straßenrand abstellen und ihre Fahrgäste allein lassen. Das Geschäft ist in ihrem Geschäft ein Problem.

„Fast jeder Busfahrer kennt irgendwo einen Busch“, sagt die 57-Jährige, die sich aber eigentlich „richtige Toilettenhäuser und Waschbecken“ an den Endstationen und Wendeplätzen wünscht. „Wir müssen teilweise bis zu viereinhalb Stunden ohne eine Toilette auskommen“, erzählt Meyer-Seydel, die seit 22 Jahren bei der KVG in Lüneburg angestellt ist. Ihre Devise: Wenig trinken, anders gehe es nicht. „Ich habe nicht selten Kopfschmerzen wegen des Flüssigkeitsmangels.“

Die wenigen Pausenzeiten am Tag nutzt Helga Meyer-Seydel, um zu stricken. Noch lieber wäre ihr, ein "richtiges Toilettenhaus mit Waschbecken". Momentan biete der Busch den einzigen Ausweg, um sich zu erleichtern. Foto: phs
Die wenigen Pausenzeiten am Tag nutzt Helga Meyer-Seydel, um zu stricken. Noch lieber wäre ihr, ein "richtiges Toilettenhaus mit Waschbecken". Momentan biete der Busch den einzigen Ausweg, um sich zu erleichtern. Foto: phs

André Knispel, Vorsitzender des KVG-Betriebrates, kämpft seit vielen Jahren für die Toilettenhäuser. „Ein Dienst dauert regulär acht Stunden, eigentlich soll jeder Fahrer in dieser Zeit mindestens ein Mal die Gelegenheit haben, eine Toilette aufzusuchen“, erklärt er. Häufig werde der Bahnhof oder der KVG-Betriebshof angesteuert. Während der restlichen Zeit müsse der Fahrer durchhalten. „Keine schöne Lösung“, findet Knispel.

Nicht jeder Busfahrer schafft es während seiner Tour, eine Toilettenpause einzulegen, er hat einen eng getakteten Fahrplan einzuhalten. Viele nutzen ihre Pause auf den Wendeplätzen oder Endstationen, um sich zu erleichtern. Die Grünfläche hinter dem Wendeplatz Rosenkamp in Oedeme ist ein Zeugnis fehlender Toiletten, dort seien immer wieder Hinterlassenschaften zu sehen, hat Anwohnerin Antje Rößner festgestellt. Seit einem Jahr entfernt sie dort zusammen mit ihrem Mann mit „Exkrementen beschmierte Feuchttüchter“ und Müllansammlungen. „Da werden ganze Eimer voll mit Haushaltsmüll ausgekippt“, erzählt Rößner. Ein Busfahrer habe ihr gesagt, dass das mit dem Frust einiger Kollegen zu tun habe, die seit sechs Jahren für ein Toilettenhaus in Oedeme kämpfen. „Es muss doch möglich sein, dass die Fahrer unter vernünftigen Bedingungen ihre Notdurft verrichten können“, findet sie. Der Arbeitgeber habe ja auch eine Fürsorgepflicht.

Nils Hasselmann, stellvertretender Betriebsleiter der KVG, entgegnet: „Uns ist bekannt, dass es gerade an den Endpunkten Probleme gibt.“ Derzeit befinde man sich in „relativ zielführenden Gesprächen“ mit der Stadt. In der Diskussion stehen Toilettenhäuser für die Endhaltestellen am Bülows Kamp, an der William-Watt-Straße in Jüttkenmoor und im Rosenkamp in Oedeme. „Dort passt die Einrichtung von den Fahrplänen und vom Platz her, wir möchten sie niemandem vor die Tür stellen“, erklärt Hasselmann, der hofft, festinstallierte und keine mobilen Toiletten von der Stadt bewilligt zu bekommen. „Wir hoffen auf eine Umsetzung in diesem Jahr.“

Zum Thema Müll sagt Hasselmann: „Im Rosenkamp ist uns das Problem seit längerem bekannt, der Müll kommt teilweise auch von uns. Es hat bereits Gespräche mit möglichen verantwortlichen Fahrern gegeben.“ Viel Unrat komme aber auch durch die Anlieferung an den Altpapier- und Altglascontainern, die sich auf dem Wendeplatz befinden.

Das wöchentliche Aufräumen übernimmt die Abwasser, Grün & Lüneburger Service GmbH, kurz AGL. „Übermäßig viel Müll“ finde das Team in der Grünanlage zwar nicht vor, dafür aber Hinweise darauf, dass dort Toiletten fehlen. „Dass dort jemand seine Notdurft verrichtet, sehen wir durchaus“, sagt Frank Stanowski, stellvertretender Betriebshofleiter der AGL. „Wir beobachten ganz allgemein im Stadtgebiet, dass Wendehammer dafür genutzt werden.“