Montag , 19. Oktober 2020
Neue Entwicklungen in der Pleite: Während das Lüneburger Werk Geschichte ist, geht es Schwesternwerk im ostfriesischen Riepe weiter. Foto: A/t&w

Pickenpack: Lüneburg stirbt, Riepe überlebt

ca Lüneburg. An der Lüner Rennbahn läutet die Totenglocke für den Tiefkühlfischproduzenten Pickenpack, im Schwesterwerk im ostfriesischen Riepe hingegen läuft der Betrieb weiter. Gestern wurde bekannt, dass die US-amerikanische Firma Trident Seafoods den Standort Riepe und die Pickenpack-Vertriebs-Gesellschaft übernimmt. Trident-Chef Joe Bundrant erklärt: „Das erworbene Unternehmen ist seit langem ein wichtiger Abnehmer und Vertreiber von einmal gefrorenem Alaska-Seelachs und passt damit sehr gut zu uns. Trident kann zu einem Zeitpunkt die volle Kontrolle über die Lieferkette bieten, wo Transparenz immer wichtiger wird.“
Trident gehört zu den größten fischverarbeitenden Betrieben in den USA mit Sitz in Seattle. Laut Internet-Lexikon Wikipedia ist der Konzern in den vergangenen Jahrzehnten durch Zukäufe und Kooperationen gewachsen. Bundrant sagt, der vor Alaska gefangene Seelachs sei besonders geeignet für Produkte wie das Schlemmerfilet oder Fischstäbchen, eben das Angebot von Pickenpack.

Wie berichtet, hatte Pickenpack im Dezember für mehrere Gesellschaften Insolvenz angemeldet. Betroffen waren beide Werke. Zunächst hatte Verwalter Friedrich von Kaltenborn-Stachau verkündet, dass er glaube, dass die Pleite ohne Entlassungen abgehen würde. Ende März wurde dann doch das Aus für Lüneburg mit mehr als 400 Arbeitsplätzen für Ende Juni verkündet.

NGG-Sekretärin Silke Kettner sagt, es gehe nun darum, für die Lüneburger Beschäftigten einen Interessenausgleich und Sozialplan auszuhandeln. In der Belegschaft wird gemunkelt, dass Maschinen aus Lüneburg nach Riepe gehen könnten. Dazu erklärt die Gewerkschafterin: „Ich kenne die Pläne nicht, aber der Insolvenz­verwalter wird verkaufen, was er kann. Vielleicht auch nach Riepe.“

In der Branche ist man nicht traurig über das Ende in Lüneburg. In der Fachpresse war zu lesen, dass so Kapazitäten von mehr als 60 000 Tonnen Fisch pro Jahr von einem übervollen Markt genommen werden. Mancher wundert sich zudem, dass Riepe weiterbesteht. Denn anders als in Lüneburg könne ein Werk dort kaum wachsen, Verwaltung und Verkauf seien dort nicht angesiedelt. Und ob die Produktion tatsächlich so viel moderner ist als an der Lüner Rennbahn, halten Kenner der Lebensmittelbranche für fraglich.