Donnerstag , 22. Oktober 2020
Um die genähte Wunde am Bein nicht wieder aufzureißen, muss Kater Miro die Halskrause tragen. Besitzerin Martina Arste kann noch immer nicht fassen, dass jemand mit einem Luftgewehr auf ihn geschossen hat. Foto: t&w

Tierquälerei: Schüsse auf Kater Miro

ap Lüneburg. Miro sitzt mit einer großen Halskrause vor der Terrassentür im Wohnzimmer und jault fürchterlich. Das rechte Bein des Katers ist von der Pfote bis zum Schultergelenk rasiert, die rund sieben Zentimeter lange Wunde wurde mit mehreren Stichen genäht. „Auf ihn wurde mit einem Luftgewehr geschossen“, erzählt Besitzerin Martina Arste und hält eine kleine Dose mit einem schwarzen Projektil hoch.

Der weiß-orange-gestreifte Kater hatte Glück im Unglück: Hätte das Geschoss den Kopf getroffen, hätte es noch schlimmer enden können. „Die Katze von Bekannten hat ein Auge verloren durch einen solchen Angriff“, sagt die 41-Jährige, die 18 Jahre lang als Polizistin in Hamburg gearbeitet hat. Sie weiß, dass jemand geübt sein muss, wenn er ein bewegliches Objekt mit einem Luftgewehr gezielt trifft. Wer dafür verantwortlich ist, habe bewusst in Kauf genommen, die Katze auch zu töten.

Kater Miro erholt sich gerade von einem schrecklichen Erlebnis: Auf ihn wurde mit einem Luftgewehr geschossen. Glücklicherweise traf das Projektil ihn nur am rechten Bein. Foto: t&w
Kater Miro erholt sich gerade von einem schrecklichen Erlebnis: Auf ihn wurde mit einem Luftgewehr geschossen. Glücklicherweise traf das Projektil ihn nur am rechten Bein. Foto: t&w

Drei Tage lang fehlte jede Spur von Miro. Dann tauchte er wieder auf, „mit dickem Gesicht, geschwollenem Bein, und er humpelte fürchterlich“. Der Tierarzt sei zunächst von einem Streit zwischen Katzen ausgegangen, habe Antibiotika und Schmerzmittel verschrieben. „Dann hat es sich verschlimmert, Miro regte sich kaum noch“, erzählt die dreifache Mutter. Röntgenaufnahmen brachten Gewissheit: Das Projektil aus einem Luftgewehr steckte im Bein.

Den möglichen Unfallort einzugrenzen, sei schwer, ein unkastrierter Kater habe einen Radius von etwa zehn Kilometern. Dass ein Katzenhasser in ihrer Nachbarschaft in Ochtmissen lebe, kann sie sich nicht vorstellen: „Hier sind alle sehr tierlieb. Einige gehen sogar mitten in der Nacht mit ihren Katzen spazieren, aus Angst, dass sie überfahren werden könnten.“ Miro streunt dagegen stets unbegleitet herum. Dass er bei seinen Ausflügen auch mal über fremde Grundstücke läuft, bleibt nicht aus. Nicht jeder Eigentümer sieht das gern. „Aber eine Katze mit Wasser nass zu spritzen, ist etwas anderes, als auf sie zu schießen“, findet Martina Arste.

Mittlerweile ist Miro wieder auf dem Weg der Besserung, eine Woche lang muss er noch das Haus hüten, da sich die Wunde entzünden könnte. „Das ist das Schlimmste für ihn, eigentlich kommt er nur zum Kuscheln, Schlafen und Essen nach Hause“, erzählt seine Besitzerin. Auf die vollständige Genesung freuen sich vor allem die drei Kinder. Jeden Morgen läuft der Kater mit ihnen zur Bushaltestelle. „Manchmal bleibt er so lange im Busch, bis sie mittags wieder aussteigen“, weiß die Mutter. „Für meine Kleinste ist es unvorstellbar, dass es Menschen gibt, die Tieren so etwas antun.“ Sie will nun Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei erstatten. Um den Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, ihm die Rechnung über die Behandlungskosten in Höhe von 725 Euro vorzulegen und ihm somit einen „ordentlichen Denkzettel zu verpassen“.