Dienstag , 20. Oktober 2020
Geschäftsführer Klaus Hoppe (l.) und Vereinsvorsitzender Paul Reichwaldt sind die Köpfe von Campus. In Rettmer haben sie die ehemalige Ziegelei übernommen. Dort wird das Holz für die eigenen Heizkraftwerke in den Wohnheimen vorbereitet. Foto: ca

Campus: Der Wohn- und Kultur-Konzern

ca Lüneburg. Wenn es um die Veranstaltungshalle Vamos geht, fällt immer wieder der Name Campus als Betreiber. Das Vamos ist allerdings nur ein Baustein in einem kleinen Konzern, der seit Anfang der 90er-Jahre langsam aber stetig im Zusammenhang mit der Uni wuchs. Am Anfang in enger Verbindung mit der damaligen Hochschulleitung, inzwischen befindet man sich in großer Distanz. Das lässt sich auch daran ablesen, dass die Führungsriege der Leuphana dem Vamos keine Zukunft geben möchte — ein Pachtvertrag soll auf Dauer nicht verlängert werden. Doch was ist Campus, wer steckt dahinter?

Ein Blick auf die Organisationsstruktur: Hinter allen Aktivitäten steht der Verein Campus. Der hat sich 1992 aus einer studentischen Initiative heraus gegründet. Damals wurde aus der Scharnhorst-Kaserne langsam die Universität. Es mangelte an Wohnraum für Studenten, Aktivisten besetzten — letztlich geduldet — einen Block auf dem Gelände und zogen ein. Heute ist das Gebäude eines der Wohnheime, die Campus gehören. Wohnen zählt noch heute quasi zum Kerngeschäft von Campus.

Dem Verein gehören fünf Wohnheime mit 310 Zimmern, ein sechstes ist in Planung. Er macht nach eigenen Angaben einen Umsatz von 1,2 Millionen Euro. 800.000 Euro im Bereich Wohnen, 400000 bei der Kultur. Gewinne darf er als Verein nicht erwirtschaften. Den Überschuss steckt er in das eigene Vermögen, also in Wohnheime.

In der Satzung heißt es, der Zweck des Vereins ist gemeinnützig, er soll Kultur, Volks- und Berufsbildung fördern. Eng zusammenarbeiten will man mit Stadt, Kreis, lokalen Bildungsträgern, der heimischen Wirtschaft und natürlich der Universität. Neben dem Vorstand, den Vorsitz hat aktuell Paul Reichwaldt inne, besteht ein Beirat, in dem sich der Ansatz widerspiegelt. Vertreten sind beispielsweise der ehemalige Uni-Präsident Prof. Dr. Hartwig Donner (zu seiner Zeit arbeitete man hervorragend zusammen) und Stadtbaurätin Heike Gundermann.

Der Verein hat sich durch seine Satzung eine Höchstmitgliederzahl von 25 gegeben, darüber hinaus können sich Fördermitglieder engagieren. Neben Beiträgen will Campus Einnahmen erzielen, um seine Anliegen zu finanzieren. Dafür zuständig ist die Campus Management GmbH, die sich vielfältig aufgestellt hat.

Das Gesicht von Campus ist Klaus Hoppe, er ist Geschäftsführer der Campus Management GmbH. Seine Gegner behaupten, er mache bei dem Konstrukt reichlich Kasse. Die LZ durfte einen Blick in seine Gehaltsabrechnung werfen, ohne eine Zahl zu nennen: Das Einkommen ist für den Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens mit 80 festen und rund 120 geringfügig beschäftigten Mitarbeitern eher bescheiden.

Der Umsatz der GmbH lag im Jahr 2015 bei rund 7,5 Millionen Euro. Was hier am Ende übrigbleibt, wird zur Förderung von verschiedenen Projekten verwandt. So flossen 2014 in Kulturvorhaben gut 85.000 Euro, 62.500 Euro erhielten die Volleyballer der SVG. Campus ist einer der wichtigsten Geldgeber.

Hoppe und Reichwaldt sind sich einig: „Was wir am besten können, ist alles rund ums Wohnen.“ Neben der Verwaltung der eigenen Wohnblocks (siehe Infobox) sorgt Campus über eine eigene holzbefeuerte Energieanlage für Wärme in den Immobilien. Nachschub kommt aus dem Bereich Amelinghausen und wird in der alten Ziegelei in Rettmer aufgearbeitet und getrocknet. Auf dem Kreideberg verwaltet Campus im Auftrag zusätzlich 100 Wohnungen einer Eigentümerfamilie. Auch eine eigene Bauabteilung, ebenfalls in Rettmer angesiedelt, betreibt die GmbH.

Allerdings beruht das Prinzip auf einer Mischfinanzierung. Denn nicht alles, was die Gesellschaft anpackt, fährt sofort Gewinn ein. Selbst das Vamos habe die ersten fünf Jahre Minus gemacht, sagt Hoppe. Das habe sich gewandelt: Heute fließt aus dem Erlös von Partys Geld in kulturelle Veranstaltungen, die sich nicht selber tragen und in das zweite Veranstaltungszentrum in Bleckede, das sich noch im Aufbau befindet. Die First Class Sessions in der Ritterakademie wären ohne Zuschüsse aus anderen Bereichen nicht zu finanzieren.

Auf dem Campus der Universität ist Campus ein wichtiger Unternehmer. Er betreibt in einem eigenen Komplex einen Copy Shop, ein Café und eben das Vamos. Dazu ein Carsharing-Angebot, das aber auch von vielen Lüneburgern genutzt wird. 1200 Kunden machen mit. Über das Tafelwerk-Catering werden beispielsweise auch Schul-Mittagstische beliefert.

Hoppe und Reichwaldt erklären, Campus sei über die Jahre immer wieder in Lücken geschlüpft oder habe Projekte und Immobilien übernommen, die andere nicht wollten oder erfolgreich bewirtschaftet haben. Ein Beispiel ist das ehemalige Anna-Vogeley-Seniorenheim der Stadt. Die GmbH hat dort Büros für verschiedene Institutionen eingerichtet, das Schulbiologie- und Umweltbildungszentrum hat dort seine Heimat, auch 50 Flüchtlinge und 60 Studenten haben dort eine Bleibe gefunden.

Ein Dreh- und Angelpunkt bleibt aus Sicht der Campus-Leute das Vamos. Was hier erwirtschaftet wird, kommt anderen Vorhaben zugute. Das Führungs-Duo trommelt bei der lokalen Politik, die möge direkt und über das Land auf die Uni einwirken, dass Campus die Immobilie weiter nutzen könne. Doch was ist, wenn die Uni-Leitung Campus trotzdem die kalte Schulter zeigt? „Es gibt keinen Plan B“, sagt Hoppe. Das kann, muss man aber nicht glauben. Denn Hoppe hat sich seit gut zwei Jahrzehnten immer wieder als kluger und strategischer Kopf gezeigt. Er sagt auch: „Ohne Vamos geht Campus nicht unter.“ Dafür sei man zu breit aufgestellt.

Doch werde es Einschnitte bei der Kultur geben. Ein neues Betätigungsfeld hat Campus im Blick: die neue Veranstaltungs- und Sporthalle mit mehr als 3500 Plätzen, die Stadt und Kreis gemeinsam bauen wollen, unter anderem um den SVG-Bundesliga-Volleyballern eine Arena zu bieten. Da möchte die GmbH die Bewirtschaftung übernehmen. Der Plan: So kann der Unterhalt der Halle finanziert werden, ohne dass Stadt und Landkreis dafür aufkommen müssen.

Der Besitz und wie er sich finanziert

Wohnheime
Studierendenwohnheim Campus 1, Scharnhorststr. 1a, Umbau und Kauf finanziert über Kredite, die noch immer bedient werden.

Studierendenwohnheim Campus 2, Wichernstr. 5, Umbau und Kauf finanziert über Kredite, die bedient werden, sowie 12.500 DM Landeszuschuss x 84 Zimmer — 1.050.000 DM. Das Studentenwerk Braunschweig hat zur selben Zeit einen Zuschuss von 25.000 DM je Zimmer erhalten.

Studierendenwohnheim Campus 3, Wichernstr. 27, Umbau und Kauf finanziert über Kredite, die noch immer bedient werden. Zuschuss vom Land — 12.500 DM x 8 Zimmer — 100.000 DM.

Studierendenwohnheim Campus 4/ 5, Uelzener Str. 112, Kauf und Umbau der Gebäude mit Hilfe von Krediten, die noch immer bedient werden. 12.500 DM Landeszuschuss x 102 Zimmer — 1.275.000 DM, Grundstück Erbaurecht.

Immobilien Campus Management GmbH:

Ladenzeile auf dem Universitätscampus, Kauf und Umbau mit Hilfe von Krediten. Expozuschuss für von der Universität genutzte Flächen, der über Mietfreiheit von der Universität genutzte Räume an diese zurückfließt.

Ritterakademie, Renovierung und Kauf mit Hilfe von Krediten, die noch bedient werden, Grundstück Erbbaurecht.

Insilva Innovations- und Bildungszentrum/ehemaliges Anna-Vogeley-Seniorenwohnheim, Mietvertrag über die Dauer von 20 Jahren. Finanzierung der Umbauten aus Barvermögen und mit Hilfe von Krediten, die noch bedient werden.

Wohnhaus und Ziegelei in Rettmer, aus Barvermögen und Krediten, die noch bedient werden.