Donnerstag , 22. Oktober 2020
Nach hoher Forderung der Anklägerin fordern die Anwälte vier Jahre Haft für einen, eine Bewährungsstrafe für den zweiten Hasch-Bauern. Foto: phs

Drogen-Prozess: Hasch-Bauern lange in Haft

rast Lüneburg. Die Gesellschaft denke aktuell über die Legalisierung weicher Drogen nach, sagte Axel Knaack, Vorsitzender der 3. Großen Hilfsstrafkammer am Landgericht Lüneburg: „Dabei geht es allerdings nicht um die indus­trielle Produktion von Drogen, um so exorbitante Gewinne einzufahren.“ Und das hätten die beiden Angeklagten im Hasch-Bauern-Prozess getan. Die Kammer verurteilte fast genau ein Jahr nach den Festnahmen den 54 Jahre alten Ralph T. wegen gemeinschaftlichen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten, seinen Hamburger Komplizen Florian G. (34) zu sieben Jahren und sechs Monaten. Zudem werden die bei T. sichergestellten 52 935,59 Euro und die bei G. gefundenen 41 879,50 Euro einbehalten, sie unterliegen dem sogenannten Werteverfall.

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Donnerstag, 25. Februar, 12-55 Uhr.

Verteidiger sind „sehr, sehr, sehr schockiert“

Nach hoher Forderung der Anklägerin fordern die Anwälte vier Jahre Haft für einen, eine Bewährungsstrafe für den zweiten Hasch-Bauern

rast Lüneburg. Die Urteile für die beiden Hasch-Bauern, die von Oktober 2011 an bis zu ihrer Festnahme am 26. Februar in einer Halle an der Goseburg eine Indoor-Plantage betrieben und über den Verkauf von Marihuana etwa 8,2 Millionen erwirtschaftet haben sollen, verkündet das Landgericht Lüneburg am späten Nachmittag. Bereits am Vormittag kamen die Verteidiger zu Wort, die auf das Plädoyer von Oberstaatsanwältin Heike Lalla reagierten. Sie hatte für den 54 Jahre alten Angeklagten aus Buchholz wegen des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln elf Jahre und sechs Monate Haft gefordert, für den 34-jährigen Mitangeklagten aus Hamburg sogar zwölfeinhalb Jahre.

Rechtsanwalt Moritz Klay hält die Forderung der Anklägerin für deutlich überzogen, fordert für seinen Mandanten Ralph T. (54) lediglich vier Jahre und die Aufhebung des Haftbefehls. Während die Anklage davon ausgeht, dass T. vor den Lüneburger Deals in einer Mühle in Dassendorf eine Indoor-Plantage betrieben hat, sei dies „nicht sicher feststellbar“. Die Anklage stütze sich ausschließlich auf Aussagen, die T. bei der Polizei und dem Haftrichter machte. Im Prozess selbst hatte er geschwiegen und am vergangenen Montag alle vor dem Hauptverfahren gemachte Aussagen widerrufen. Zuvor hatte T. auch erklärt, dass er nach dem Diebstahl einer kompletten Marihuana-Ernte die Mühle mit einer Waffe, einer Pumpgun, bewacht habe. Auch das ist laut Klay nicht nachweisbar, also entfalle der Vorwurf des Handeltreibens mit einer Waffe, was die Strafe drastisch mildere. Die Staatsanwältin geht davon aus, dass die Lüneburger Indoor-Plantage bereits ab Oktober 2011, dem Zeitpunkt der Anmietung, betrieben worden sei: „Das Equipment musste aber erst nach und nach eingebaut werden, die Anlage war erst im Mai/Juni 2012 fertig.“ Alles in allem blieben von den ihm vorgeworfenen 25 Taten nur sieben Taten übrig.

Klay verwies auch darauf, dass die Anklage mit „Superlativen“ gearbeitet habe: „Die umfangreiche Ausstattung der Plantage ist aber kein Einzelfall in Deutschland“, es gebe fast 800 Plantagen. Auch habe T. nicht „in Saus und Braus“ gelebt. Das von der Anklägerin als „Villen-ähnliches Haus“ beschriebene Gebäude, das er in Buchholz bewohnte, sei nur ein Mietshaus mit 160 Quadratmetern gewesen – und Buchholz sei schließlich nicht „der Hotspot in Deutschland“. Der Verteidiger wies auch darauf hin, dass Marihuana als „weiche Droge“ gelte und zwei weitere Verfahren gegen seinen Mandanten laufen – eines in Solingen, weil er einst auch dort eine Plantage betrieben haben soll, und eines vom Finanzamt.

Rechtsanwalt Sven Rathjens verteidigt den 34-jährigen Florian G., argumentierte in einigen Punkten ähnlich wie Klay: „Ich war sehr, sehr, sehr schockiert nach dem Plädoyer der Oberstaatsanwältin.“ Für eine Tatbeteiligung von G. in der Dassendorfer Mühle habe es keinen objektiven Beweis gegeben. Sein Mandant sei „völlig unbescholten, er hat keine Vorstrafen“. G. sei glaubwürdig, ihn und seinen Mandanten, den er über die Vermittlung von Autos kennengelernt habe, verbinde eine Freundschaft und die gleiche „Leidenschaft für exotische Autos“. Sein Mandant lebe nicht im Überfluss, er wohne in einer kleinen Hamburger Wohnung und die „Luxusfahrzeuge“, die er sich gekauft und dann weiterverkauft habe, seien Gebrauchtwagen gewesen: „Warum soll er Gebrauchte fahren, wenn er laut Anklage über drei Millionen Euro gemacht haben soll?“ Sein Mandant hatte bereits vor dem Haftrichter zwei Taten gestanden und dies Geständnis im Prozess wiederholt: „Er hat in der Halle an Autos geschraubt“ und sei lediglich in zwei Fällen als „Ernte­helfer“ aktiv gewesen. Die G. belastenden Aussagen von T. seien unglaubwürdig. Rathjens plädierte für seinen Mandanten auf eine Bewährungsstrafe wegen Beihilfe zum Handeltreiben und forderte die Aufhebung des Haftbefehls.

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