Freitag , 18. September 2020
Der Projektbeireat "Alpha" hat sich konstituiert, allerdings ohne Beteiligung der direkt Betroffenen. Foto: A./t&w

Alpha-Variante E: „Deutsch Evern wieder ausgesperrt“

kre Deutsch Evern/Verden. Michael Hansen ist sauer: „Deutsch Evern ist erneut die Tür vor der Nase zugeschlagen worden“, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative Deutsch Evern 21, die sich gegen den Bau des dritten Bahngleises quer durch ihre Gemeinde wehrt. Das tut sie nach wie vor – „und das ist auch der Grund, warum uns jetzt die Mitarbeit im Projektbeirat verwehrt wird“, vermutet Hansen. Bereits bei der Besetzung des Dialogforums Schiene Nord in Celle waren die Deutsch Everner nicht zugelassen worden, konnten ergo auch am Abschlussdokument nicht mitwirken, mit dem sich die Bürgerinitiativen auf die Alpha-Variante E verständigt hatten.
Der Projektbeirat, so hatten es die Mitglieder des Dialogforums damals in Celle beschlossen, soll darüber wachen, dass die im Abschlussdokument formulierten Bedingungen von der Bahn auch umgesetzt werden. Dass Deutsch Evern diesem Gremium nicht angehören soll, ist für Friedrich-Karl Bodin, Sprecher der Bürgerinitiative Ostheide, kein Widerspruch: „Im Abschlussdokument ist definiert, dass nur Teilnehmer aus dem Kreis des Dialogforums Schiene-Nord im Projektbeirat vertreten sein können.“

Das klang vor wenigen Wochen allerdings noch deutlich anders: „Wir hatten nach der Abschlusssitzung in Celle als Bürgerinitiative eine Einladung bekommen, im Projektbeirat mitzuarbeiten“, berichtet BI-Sprecher Hansen. Allerdings unter Auflagen: Deutsch Evern müsse den Kampf gegen das dritte Gleis aufgeben und die Alpha-Variante E im vollen Umfang akzeptieren.

Das Begleitgremium ist kein Ort, um Alpha E zu diskutieren, egal wie man diese Variante bewertet!
Michael Hansen, Sprecher der BI Deutsch Evern

„Das können wir als eine von der Alpha-Variante E so intensiv betroffene Bürgerinitiative nicht akzeptieren“, sagt Hansen, zeigte sich aber dennoch grundsätzlich bereit, im Projektbeirat konstruktiv mitzuarbeiten – ohne den Kampf gegen das dritte Gleis aufzugeben. Für den Deutsch Everner ist das auch kein Widerspruch: „Das Begleitgremium ist kein Ort, um Alpha E zu diskutieren. egal, wie man diese Variante bewertet!“ Denn sollte das dritte Gleis gebaut werden, ist dieses Gremium dazu da, die Interessen der Bahnanwohner zu vertreten. „Und das ist klar die Aufgabe der Betroffenen selbst, darauf zu achten, dass das Bestmögliche auch tatsächlich umgesetzt wird“, erinnert BI-Sprecher Hansen.

Bereits am Montag hatte sich der Projektbeirat – ohne Deutsch Evern – konstituiert. Am heutigen Freitag werden sich die Mitglieder bei einer Veranstaltung der Bahn vorstellen, die in Verden nach dem Aus für die Y-Trasse die weiteren Pläne zum Ausbau bestehender Bahnstrecken in Niedersachsen vorstellen will. Teilnehmer dieses Treffens sind die Kommunen und Institutionen, die an der Trassenwahl im Dialogforum im vergangenen Jahr beteiligt waren. „Wir wollen uns das Heft des Handelns nicht aus der Hand nehmen lassen“, sagt Friedrich-Karl Bodin auf LZ-Anfrage. „Eingeladen wurde zu dieser Veranstaltung natürlich auch die Gemeinde Deutsch Evern“, sagte gestern Abend eine Sprecherin des Wirtschaftsminsteriums und fügte hinzu: Minister Olaf Lies hat ein großes Interesse an einem offenen Verfahren.“

Voraussichtlich als erstes soll der zweigleisige Ausbau der Strecke von Rotenburg nach Verden angegangen werden. Die 27 Kilometer lange Strecke ist bislang ein Nadelöhr für Güterzüge auf der Fahrt von Hamburg in Richtung Hannover und Ruhrgebiet. Der Ausbau dieser und anderer Strecken soll mehr Platz für den wachsenden Güterzugverkehr aus den norddeutschen Seehäfen ins Hinterland schaffen. Der dafür jahrelang vorgesehene Neubau der Y-Trasse von Hannover in Richtung Bremen und Hamburg war vom Dialogforum im November verworfen worden.

Vorgesehen ist ferner der Ausbau der Strecke Nienburg-Minden sowie der sogenannten Amerika-Linie von Bremen nach Uelzen, über die Züge in Richtung Ost- und Süddeutschland fahren sollen. Und zwischen Lüneburg und Uelzen ist ein drittes Gleis geplant. Die sogenannte Alpha-Variante E. Für die Bahn-Planer ein „ganz wichtiger“ Abschnitt: „Da gibt es eine fünfstellige Anzahl betroffener Bürger und sicher auch hohen Diskussionsbedarf. Dem werden wir uns aber stellen“, sagt Großprojektleiter Matthias Hudaff von der Deutschen Bahn, der sich auch zur Realisierung des Projektes äußert: „Es muss der politische Wille da sein, das mit Nachdruck durchzusetzen. Das politische Commitment zum Ausbau ist wichtig.“

Und Deutsch Evern? Selbstverständlich könne sich auch die dortige BI einbringen, sagt Bodin. Nicht im Projektbeirat, wohl aber in den regionalen Gremien vor Ort.
Was die Politik von denen hält, hatte aber jüngst die SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann kundgetan. Sie bezeichnete solche Treffen als „Blabla-Veranstaltungen“.