Montag , 26. Oktober 2020
Ende Dezember hatten die Herderschüler deutlich gemacht: Sie wünschen sich, dass der bisherige Stellvertreter Hans-Christian Höhne zum neuen Chef wird. Foto: t&w

Herderschule: „Hausbewerber“ im Nachteil

ahe Lüneburg. Es war eine große Runde, die am Mittwoch in der Landesschulbehörde zusammenkam. Und die Unzufriedenen waren in der Mehrzahl: Dem kompletten Schulvorstand der Lüneburger Herderschule und Vertretern des Personalrats auf der einen Seite saßen drei Mitarbeiter des Kultusministeriums und ein Dezernent der Schulbehörde auf der anderen Seite gegenüber. Die 20-köpfige Delegation des Gymnasiums setzte sich dafür ein, dass Hans-Christian Höhne neuer Schulleiter der Herderschule werden soll. Das Quartett auf der Gegenseite erläuterte, warum Mitbewerber Thorsten Schnell von der Wilhelm-Raabe-Schule derzeit der Favorit der Kultusministerin ist. Rund zwei Stunden lang tagte die Runde, die flankiert wurde von Pia Steinrücke und Thomas Wiebe von der Stadt als Vertretern des Schulträgers sowie Holger Nowak vom Schulausschuss des Rates.

Der Erörterungstermin war zustande gekommen, weil sich im Besetzungsverfahren um die seit November 2014 vakante Stelle des Direktors der Herderschule unterschiedliche Positionen herauskristallisiert hatten. Schulvorstand und Schulausschuss der Stadt hatten sich für Hans-Christian Höhne, aktuell stellvertretender und seit dem Abschied von Michaela Thauffenbach zugleich kommissarischer Leiter des Gymnasiums am Ochtmisser Kirchsteig, ausgesprochen, das Kultusministerium möchte jedoch Thorsten Schnell, momentan stellvertretender Leiter der Lüneburger Wilhelm-Raabe-Schule, mit dem Posten betrauen. Lehrer, Eltern und Schüler der Herderschule fühlen sich übergangen und legen sich weiter für ihren Favoriten ins Zeug.

Nach dem Gespräch bilanziert Jörg Kohlstedt, stellvertretender Vorsitzender des Schul­elternrates und Mitglied im Schulvorstand: „Beide Seiten haben ihre Sichtweisen dargelegt. Wir sind uns am Ende nicht einig geworden, das war aber auch nicht zu erwarten.“

Das Ministerium sehe beide Kandidaten etwa gleichauf, den Ausschlag für Schnell gebe, dass Höhne ein „Hausbewerber“ sei. Im Schulgesetz ist verankert, dass ein Lehrer, der der Schule angehört, nur dann dort Leiter werden soll, „wenn besondere Gründe das rechtfertigen“. Kohlstedt stellt klar: „Für uns liegen diese besonderen Gründe vor, wenn jemand seit 18 Jahren stellvertretender Leiter ist und seit mehr als einem Jahr die Schule kommissarisch leitet. Wir als Schulvorstand haben deutlich gemacht, dass wir Herrn Höhne für den Richtigen halten – nicht etwa für den Besseren. Das Urteil können wir uns nicht anmaßen, da wir Herrn Schnell nicht so gut kennen, dass wir seine Arbeit beurteilen können.“
Nun werden die Ministeriumsvertreter der Kultusministerin vom Verlauf des Gesprächs berichten. Kohlstedt sagt: „Ich hatte den Eindruck, dass die Gegenseite schon beeindruckt war von der Art und Weise, wie wir unser Anliegen vorgebracht haben, aber sie hat auch auf das formale Verfahren verwiesen, an das sie sich zu halten habe. Uns wurde mitgeteilt, dass es uns unbenommen bleibe, einen eigenen Bericht an die Ministerin zu schicken. Sie können davon ausgehen, dass wir das auch tun werden.“ Zum Thema soll es nun auch eine weitere außerordentliche Sitzung des Schulelternrates geben.

Für die Stadt sagt Dezernentin Pia Steinrücke: „Wir haben uns im Gespräch zurückgehalten, haben aber natürlich eine Position, weil sich der Schulausschuss ja einstimmig für einen Kandidaten ausgesprochen hat. Wir werden uns nun zusammensetzen und unsere Position noch einmal formulieren.“

Kohlstedt hegt durchaus noch Optimismus, dass das Engagement Wirkung zeigt: „Sonst würden wir es ja nicht machen. Die Ministerin hat noch nicht endgültig entschieden, sondern nur eine Empfehlung ausgesprochen. Deshalb habe ich die klare Hoffnung, dass unsere Schule weiter in bewährter Manier – wie schon jetzt kommissarisch – von Herrn Höhne geleitet wird.“