Mittwoch , 21. Oktober 2020
IHK-Präsident Olaf Kahle (l.) und Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert laden anlässlich des 150-jährigen Bestehens zu zwölf Veranstaltungen der Reihe GedankenGut ein. Foto: ihk/wege

IHK Lüneburg: Mit der Wirtschaft für die Wirtschaft

rast Lüneburg. Eine Verordnung des Königlichen Innenministeriums in Hannover vom 26. Mai 1866 war Grundlage für die konstituierende Sitzung der Lüneburger Industrie- und Handelskammer am 28. Dezember 1866 im Traubensaal des Lüneburger Rathauses. Der Staat hatte den IHKs eine Vielzahl hoheitlicher Aufgaben übertragen, die diese als Organisation der Unternehmer schneller, besser und preiswerter erbringen können als staatliche Behörden. „Das ist auch heute noch der Grundgedanke, der die Kammer ausmacht“, sagt Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg. Diese hoheitlichen Aufgaben umfassen beispielsweise Prüfungen in der beruflichen Bildung sowie das Ausfertigen von Dokumenten in der Außenwirtschaft. Einen großen Festakt zum 150-jährigen Bestehen gibt es 2016 nicht, dafür aber die mit hochkarätigen Referenten wie dem ehemaligen Handball-Bundestrainer Heiner Brand besetzte öffentliche Netzwerkabend-Reihe „GedankenGut“ und das Sommerfest mit Ministerpräsident Stephan Weil am Stichtag 26. Mai auf dem Leuphana-Gelände.

Die IHK ist laut ihrem Präsidenten Olaf Kahle zeitgemäß: „Mehr denn je. Denn das Konzept von Teilhabe und Mitbestimmung, von jeher Basis der IHK-Organisation, erhält in vielen anderen Bereichen erst in den letzten Jahren Einzug. Mit der Wirtschaft für die Wirtschaft dieser Ansatz ist bei uns gelebte Wirklichkeit.“ Der Austausch mit den 65000 Mitgliedern sei elementar für die Arbeit der IHK, daher auch kein großer Festakt, sondern die zwölf Netzwerkabende, die in allen sieben Landkreisen des IHK-Bezirks und in der Stadt Wolfsburg stattfinden.

Nicht nur vor dem Hintergrund der VW-Krise erwartet die IHK Lüneburg-Wolfsburg ein spannendes Jahr 2016, nachdem sie laut ihrem Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert 2015 bereits ein „ereignisreiches Jahr, gespickt mit vielen Unsicherheiten“, erlebte. Zeinert nennt für das ablaufende Jahr die Stichworte Ukraine-Krise, Euro-Schuldenkrise, Flüchtlinge und die wachsende Terrorgefahr: „Die Investitionszurückhaltung der Unternehmen spüren wir deutlich, obwohl die Rahmenbedingen wie etwa das Konsumverhalten der Verbraucher, die Auslandsgeschäfte und die niedrigen Zinsen positiv sind.“ Noch bei einer Umfrage im dritten Quartal hätten sich die Betriebe „bärenstark“ präsentiert: „Dann brach die VW-Krise aus, die sich stimmungsmäßig auswirkt.“ Finanziell allerdings habe die Krise beispielsweise auf Zulieferer in der Region noch keine Auswirkungen gehabt.

Welche finanziellen Auswirkungen der Wolfsburger Abgas-Skandal auf die IHK selbst hat, ist laut Zeinert noch nicht absehbar: „Wir gehen davon aus, in den nächsten drei Jahren nur den Grundbeitrag von VW zu erhalten. Die Einbußen sind erheblich, aber unsere IHK ist gut aufgestellt und kann einen Großteil durch Rücklagen ausgleichen. Außerdem haben wir im Haushalt 2016 erheblich eingespart.“

Hintergründe dafür seien neben dem VW-Skandal auch die Absatzkrise bei der Erdöl- und Erdgasindustrie im Kreis Celle und die derzeitige Niedrigzinsphase: „Diese sorgt für ein schwaches Finanzergebnis und dafür, dass unsere IHK deutlich mehr Geld für Pensionsrückstellungen aufbringen muss.“ Vor diesem Hintergrund rechne er bis 2018 mit negativen Jahresergebnissen.

Als eine der größten He­rausforderungen nicht nur im nächsten Jahr sieht die IHK die Fachkräftesicherung und Werbung um neue Fachkräfte, hatte dazu in diesem Jahr beispielsweise über ihre Zukunfts­initiative „hierjetztmorgen“ 20 Projekte an den Start gebracht. Durch die weiter strömenden Flüchtlinge ist das Thema Fachkräftemangel laut Zeinert längst nicht erledigt: „Das gibt nur eine neue Facette.“ Denn die Flüchtlinge würden größtenteils ohne Qualifizierung hier ankommen, müssten erst qualifiziert werden. Und darin wie auch in der späteren Etablierung auf dem Arbeitsmarkt sieht die IHK, die bereits mit der Arbeitsagentur Projekte gestartet hat, eine ihrer künftig größten Aufgaben.

Netzwerkabende vermitteln „GedankenGut“

Die Netzwerkabende zum 150. Geburtstag der IHK sind für alle Interessierten offen, finden im monatlichen Wechsel in allen sieben Landkreisen des Bezirks und in Wolfsburg statt. Ausführliche Informationen dazu gibt es auf ihklw/gedankengut.de, auf dieser Internetseite sind ab sofort auch Anmeldungen möglich. Die Lüneburger Termine:

3. März: Im Kloster Lüne ist die „Moderne Hirnforschung“ das Thema des Hirnforschers, Journalisten und Führungskräftetrainers Sebastian Purps-Pardigol.

26. Mai: Beim IHK-Sommerfest mit Ministerpräsident Stephan Weil auf dem Areal der Universität Lüneburg stehen die Ehrenamtlichen im Mittelpunkt.

18. August: Der Ex-Bundesliga-Profi Benjamin Adrion (FC St. Pauli) berichtet im Kunstsaal Lüneburg über die „Geschichte des Vereins Viva con Agua“. Der von ihm mitgegründete Verein setzt sich u.a. ein für einen menschenwürdigen Zugang zu sauberem Grundwasser.

November (genauer Tag steht noch nicht fest): Bergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner erzählt im Filmpalast unter dem Motto „Passion 8000er Visionen leben“, was sie zu ihren Gipfelstürmen inspirierte.