Um die Vermarktung von Veranstaltungsflächen im neuen Zentralgebäude soll sich eine Tochtergesellschaft der jetzt gegründeten Leuphana GmbH kümmern. Foto: t&w

Stiftungsrat der Leuphana beschließt Gründung eines Unternehmens

mm Lüneburg. Die Lüneburger Universität erweitert ihre Geschäftsbereiche -- um ein eigenes Unternehmen: die Leuphana GmbH. Das hat der Stiftungsrat der Hochschule in seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Eine Tochtergesellschaft soll das Zentralgebäude vermarkten.

Der Stiftungsrat, das siebenköpfige Entscheidergremium der Universität, tagt stets im Geheimen. Lange geheim halten ließ sich der Beschluss, ein eigenes Unternehmen zu gründen, jedoch nicht. Am Freitag, 18. Dezember, einen Tag nach der Sitzung, gibt sich der Stiftungsratsvorsitzende Dr. Volker Meyer-Guckel am Telefon dennoch wortkarg. Zum operativen Geschäft könne er "nichts sagen". Am liebsten würde Dr. Meyer-Guckel gar nichts sagen, verweist zunächst an das Uni-Präsidium. Erst auf die eingehende Bitte, als Stiftungsratsvorsitzender die Gründe für die Unternehmensgründung näher zu erläutern, antwortet er etwas verschwiemelt. Die Leuphana GmbH sei "eine Hülle für Transferaktivitäten" und "nichts Ungewöhnliches", viele andere deutsche Hochschulen hätten ihren unternehmerischen Zweig längst ausgegliedert, für Niedersachsen nennt er jedoch kein Beispiel. Weiter sagt Dr. Meyer-Guckel, der in Berlin beim Stifterverband der Deutschen Wissenschaft tätig ist, die Leuphana müsse "vielmehr am Markt arbeiten und eine Einheit schaffen, die sich aktiv um Transferprojekte bemüht und diese dementsprechend im Privatumfeld abwickelt".

Transferprojekte. Das können beispielsweise Auftragsforschungen von Unternehmen sein. In einer Pressemitteilung, die von der Universität auf LZ-Nachfrage verschickt wird, heißt es dann auch: "Zu den Aufgaben der Leuphana GmbH sollen unter anderem Akquisition und Abwicklung von Forschungs- und Entwicklungsleistungen gehören, genau wie die Vermittlung von Coaching-, Beratungs- und Trainingsleistungen insbesondere in den Bereichen Existenzgründung und Innovationsmanagement."

Die Universität soll Alleingesellschafterin der neuen GmbH werden, Ziel sei es, "eine rechtlich und wirtschaftlich selbstständige Einrichtung für Aufgaben mit unternehmerischen Schwerpunkten" aufzubauen. Uni-Präsident Sascha Spoun sagt dazu: "Solche Strukturen zu bilden und damit die hoheitlich-gemeinnützigen von neuen unternehmerischen Aufgaben der Stiftung zu trennen, geschieht aus Gründen der Transparenz, der Haftungsbegrenzung und aus steuerrechtlicher Perspektive". Er sieht den Beginn "einer langfristigen Entwicklung". Doch dass das Unternehmen Gewinne abwerfe, sei am Anfang nicht zu erwarten. Später schon. Die Uni nennt das Beispiel der Technischen Universität in Harburg. Die Hochschule hatte sich vor zwei Jahrzehnten entschlossen, eine Transfergesellschaft zu gründen, die heute einen Jahresumsatz von mehr als 17 Millionen Euro erwirtschafte.

Umsätze generieren soll auch das neue Zentralgebäude der Leuphana an der Uelzener Straße -- wenn es denn mal fertig gebaut ist. Geld könnte dann etwa durch die Vermietung von Veranstaltungsflächen wie den Hörsaal im neuen Audimax verdient werden. Um dafür zu werben, haben die Mitglieder des Stiftungsrates auch die Gründung einer Tochtergesellschaft, die "Leuphana Veranstaltungs- und Vermietungsgesellschaft mbH", oder kurz LVV GmbH, abgenickt.
Unterdessen möchte sich das niedersächsische Wissenschaftsministerium, das auch einen Vertreter in den Stiftungsrat entsendet, nicht zu den Neugründungen äußern.