Sonntag , 27. September 2020
Der Verkehr nimmt immer weiter zu – die Politiker wünschen sich weiterhin ein Tempolimit auf der Ostumgehung. Foto: A/be

Tempolimit auf der Ostumgehung

ca Lüneburg. 15 000 Autos pro Tag sollten es laut Prognose von 1981 heute sein. Die Planer haben sich verschätzt: 39 000 Fahrzeuge rollen nun täglich über die Ostumgehung, nach einer neuen Vorhersage steigt die Zahl bis 2030 auf 50 000. Wobei offen ist, ob sich die Wirklichkeit an die Zukunftsschau der Behörden hält. Die Gruppe SPD/Grüne stellte am Donnerstag bei der Ratssitzung die Anfrage: „Welche Lärmschutzmaßnahmen erfolgen noch an der Ostumgehung?“

Da sich die Verkehrszahlen dramatisch erhöht haben, ist schon vor Jahren ein ergänzendes Planfeststellungsverfahren nötig geworden, erklärte Verkehrsdezernent Markus Moßmann. Für eine Aktualisierung hat die Stadt eine Stellungnahme an den Landkreis abgegeben. Sie moniert beispielsweise, dass in den Erhebungen der Schwerlastverkehr nicht ausreichend berücksichtigt werde. Es fehlten Aussagen über die Wirkung von Lärmschutzwänden, auch ein gefordertes Tempolimit finde keine Beachtung.

Politiker wünschen sich weiterhin Tempolimit auf der Ostumgehung

Rückenwind kam aus allen Fraktionen. Für die SPD sagte Heiko Dörbaum, bislang sei immer der Bau der A 39 ins Feld geführt worden, komme die Autobahn, komme Lärmschutz. Doch die Debatte müsse man trennen. Ähnlich argumentierte Dr. Gerhard Scharf für die CDU, der wie Dörbaum in einem der vom Lärm betroffenen Stadtteile zu Hause ist. Es sei fraglich, ob die A 39 gebaut werde. Zudem hätten Bürger angesichts der veränderten Situation einen Rechtsanspruch auf Maßnahmen gegen den Krach.

Einig waren sich beide, dass die Geschwindigkeitbegrenzung von ursprünglich 100 auf jetzt 70 km/h viel gebracht habe. Das hatte die Polizei aus Sicherheitsgründen empfohlen, da Flüchtlinge an der Schnellstraße gesichtet wurden. So ein Tempolimit hatte auch die Stadt erreichen wollen. Vor Jahren hatte sie deshalb Tempo 80 für Autos und 60 km/h für Lkw angeordnet. Das aber war durch die Straßenbaubehörde des Landes gekippt worden. Selbst Initiativen über den Landtag liefen ins Leere. Auch Birte Schellmann (FDP) und Ulrich Löb (Grüne) priesen die Folgen der 70-km/h-Regelung.

Allerdings goß Oberbürgermeister Ulrich Mädge Wasser in den Wein: Die jetzige Regelung werde aufgehoben, wenn die Polizei keine Gefahr mehr sehe. Die Verwaltung könne nicht gegen die Entscheidung der Behörde klagen, das müssten Bürger tun, aber bislang sei niemand vor Gericht gezogen.