Samstag , 19. September 2020
Zusätzlich zu Kartrennen sollen auf dem Areal des ADAC in Embsen auch Slalom-Wettbewerbe stattfinden. Das sorgt für Streit zwischen der Bürgerinitiative Blauer Himmel über Ilmenau und Teilen des Gemeinderats. Nun will die Kommune mit dem ADAC nachverhandeln. Foto: A/t&w

Slalom-Wettbewerbe: Viel Lärm um zu viel Lärm

kre Embsen. Der Gemeinderat Embsen ist nicht bekannt für deftige Wortgefechte. Wenn, dann finden diese zumeist hinter verschlossenen Türen statt — so wie am vergangenen Donnerstag. Da trafen sich die Kommunalpolitiker zur nichtöffentlichen interfraktionellen Sitzung. Einziges Thema: der Wunsch des ADAC, künftig auch Slalom-Sport für Pkw auf dem Gelände durchzuführen.

Dass sich die Ratspolitiker noch einmal abstimmen wollten, hatte einen einfachen Grund. Das Ansinnen der Motorsportler ist inzwischen zu einem Politikum geworden. Nicht zuletzt angefacht vom Umweltschutzverband „Blauer Himmel über Ilmenau“, der sich vehement gegen die ADAC-Pläne stemmt und ordentlich Stimmung gegen das Projekt macht — unter anderen mit einem Flugblatt, auf dem das Foto eines Formel-1-Boliden zu sehen ist. Darüber die Überschrift: „Hansaring in Embsen geplant“ (LZ berichtete).

Mehr als 50 Einwendungen von Bürgern aus Embsen, aber auch aus Melbeck und Lüneburg sind bei der Gemeinde Embsen seitdem eingegangen. Und bis auf zwei sprechen sich alle gegen die ADAC-Pläne aus. Manche mit dem klaren Hinweis, „die Entscheidung des Rates in dieser Frage bei der nächsten Kommunalwahl“ mit einfließen zu lassen. Das lässt kein Ratsmitglied kalt — schon gar nicht ein Jahr vor den Kommunalwahlen. Auch wenn viele Einwendungen an Formblätter erinnerten. „Die Atmosphäre während der Sitzung war emotional“, sagt ein Teilnehmer der interfraktionellen Sitzung zur LZ und fährt fort: „Auf der einen Seite gibt es die, die den Bebauungsplan so wie er ausgelegt wurde, durchwinken wollen. Auf der anderen haben sich die formiert, die mit dem ADAC nachverhandeln wollen.“

Und darum geht es: Unabhängig vom Betrieb des Fahrsicherheitszentrums möchte der Automobilclub Ilmenau (ACI) auf der Kartbahn künftig auch Slalom-Wettbewerbe durchführen. Dazu muss der gültige Bebauungsplan „Heidkamp“ ergänzt werden. Nur textlich, trotzdem ist jede Änderung eines Bebauungsplans ein großer formaler Akt. Mit öffentlicher Auslegung, mit Beteiligung der Bürger und der Träger öffentlicher Belange, mit der Abwägung der Einwendungen und schließlich mit einem Ratsbeschluss. Schon im Vorfeld hatte es lange Diskussionen gegeben. Es geht um sechs Slalom-Veranstaltungen, die jeweils an den Wochenenden stattfinden sollen. Festgeschrieben werden sollen künftig zudem elf Trainingstage für Pkw, drei Renncart-Wochenenden, 33 Trainingstage sowie drei „Youngster-Trainings“. Weiter steht im Entwurf zur 1. Änderung des Bebauungsplans, dass der ADAC verpflichtet werden soll, der Gemeinde Embsen jährlich eine Liste mit den geplanten Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen.

Die Verwaltung sieht dieses Reglement sogar als Vorteil: ,,Die Schallemissionen werden sich voraussichtlich verringern (…), da bei Slalom-Sport maximal zwei Fahrzeuge gleichzeitig auf dem Kurs unterwegs sind, während bei Kartsport-Rennen bis zu 16 Fahrzeuge gleichzeitig unterwegs sein können“, heißt es im Änderungs-Entwurf.

Das sieht der Umweltverband Blauer Himmel über Ilmenau“ anders. In ihrer Stellungnahme schreiben die Umweltschützer: „Der ADAC hat jahrelang auf dem Gelände ungenehmigt Pkw-Rennen und eine zu große Zahl an Kartrennen durchgeführt. Der Landkreis (…) hat klar gestellt, dass diese Aktivitäten unzulässig sind.“ Mit dem vorliegenden Antrag auf Planänderung, so die Mutmaßung der Kritiker, „soll die Rücksichtslosigkeit des ADAC in Zukunft legalisiert werden“.

Außerdem bemängelt der Verband, dass die Planänderung im sogenannten vereinfachten Verfahren ohne Umweltprüfung durchgeführt werde. Dies aber sei nicht zulässig. Deshalb könne der Rat nur eins entscheiden: „Nämlich, das Verfahren ersatzlos einzustellen!“

So weit wollen die Ratsmitglieder dann doch nicht gehen, aber: Nach hitziger Debatte in interfraktioneller Runde einigten sie sich darauf, mit dem ADAC erneut Gespräche zu führen. Seitens der Gemeinde wird Dr. Thomas Wieckhorst (UWI), zweiter Bürgermeister und Bauausschussvorsitzender, daran nicht mehr teilnehmen: Wieckhorst hatte klargemacht, dass er mit dem kritisierten Kompromiss gut leben könne. Das Thema sei für ihn „ausverhandelt“. Für andere ist es das nicht. Statt auf der Kartbahn treffen sich Vertreter des Rates und des ADAC nun also erneut am Verhandlungstisch.