Sonntag , 27. September 2020
Der Radfahrstreifen entlang einer Teilstrecke der Dahlenburger Landstraße stößt bei vielen Radlern auf Kritik. Die Stadt überlegt nun, den Radweg wieder zurück aufs Hochbord zu verlegen. Foto: A/be

Stadt Lüneburg stellt Alternativen zur umstrittenen Radwegeführung an der Dahlenburger Landstraße vor

us Lüneburg. Die Empörung war groß, als vor gut einem Jahr im Verkehrsausschuss der Stadt beschlossen wurde, Fahrradfahrer an der Dahlenburger Landstraße künftig streckenweise auf der Straße und nicht mehr auf dem bestehenden Radweg fahren zu lassen. Viele äußerten sich besorgt, befürchteten, auf der von Autos und Schwerlastverkehr vielbefahrenen Straße nicht sicher zu sein, nutzten lieber weiterhin den Gehweg als den neu angelegten Radfahrstreifen. Da die Kritik nicht abebben wollte, signalisiert die Stadt nun ein Einlenken.

„Wir haben uns ein paar blaue Augen geholt. Die Kritik ist zum Teil berechtigt, deshalb wollen wir jetzt auf die Stopp-Taste drücken“, erklärte Lüneburgs Verkehrsdezernent Markus Moßmann am Mittwochabend in der Igelschule. Dorthin hatte die Stadt zu einer Bürgerversammlung eingeladen, um Alternativen zur bestehenden Variante vorzustellen. Nur rund ein Dutzend Interessierte waren der Einladung gefolgt. Drei Varianten präsentierten Moßmann und Radverkehrsplaner Michael Thöring, sie nannten Vor- und Nachteile.

Variante 1
Sie stellt den aktuellen Stand und die ursprüngliche Planung dar. Diese sieht vor, den bereits bestehenden Radfahrstreifen auf der südlichen Straßenseite bis zum Ortsausgang Höhe Einmündung Toter Weg fortzusetzen. Vorteil: Der Radfahrstreifen hätte durchgängig die erforderliche Breite, der Gehweg auf dem Hochbord könnte verbreitert werden, der Baumbestand bliebe erhalten. Nachteil: Viele Radfahrer fühlten sich auf der Straße nicht sicher, würden weiterhin den Gehweg zum Fahren nutzen. Letzteres werde aktuell zwar noch von der Stadt toleriert, widerspreche aber der Straßenverkehrsordnung und sei nur als Übergangslösung gedacht, betonte Moßmann.

Variante 2
Dabei soll der Radweg wieder zurück auf das Hochbord verlegt und parallel zum Gehweg geführt werden. Nachteil: Die Baumreihe von Höhe Ahornweg bis zur Richard-Brauer-Straße müsste weichen, um die erforderliche Breite von 1,60 Meter für den Radweg zu erhalten. Außerdem würden Kosten für Rückverlegung und Ausbau anfallen.

Variante 3
Sie sieht ebenfalls die Verlagerung des Radwegs zurück auf das Hochbord vor. Anders als in Variante 2 aber soll die Baumreihe erhalten bleiben, dazu soll das Hochbord zu Lasten der Fahrbahn verbreitert werden. Diese würde dann von jetzt 8,70 Meter auf eine Breite von 6,50 Meter schrumpfen, was aber laut Stadt immer noch der Regelgröße entspreche. Vorteil: Geh- und Radweg hätten ausreichende Breite, die Baumallee bliebe erhalten und könnte sogar noch durch weitere Bäume ergänzt werden. Nachteil: Aufgrund der Verbreiterung des Hochbords müssten Bordsteine und Kanalisation verlegt werden, die Kosten dafür lägen im sechsstelligen Bereich, wofür aber Fördermittel in Höhe von 600000 Euro abgerufen werden könnten. Die Umsetzung wäre wegen anderer anstehender Verkehrsprojekte in der Stadt allerdings nur in Etappen möglich, Moßmann nannte ein Zeitfenster von etwa fünf Jahren.

Auch den Radfahrweg auf der Nordseite der Dahlenburger Landstraße hat die Stadt in den Blick genommen, hier soll das Hochbord verbreitert werden, um Geh- und Radweg durchgängig getrennt führen zu können.

Bei den Teilnehmern stießen die Pläne auf unterschiedliches Echo. Während eine Teilnehmerin der Sicherheit Vorrang vor dem Erhalt von Bäumen einräumte, sprachen sich andere für deren Erhalt aus, sahen aber auch das Problem der hohen Kosten. Generell überwog aber bei den Teilnehmern das „Gefühl nach subjektiver Sicherheit“, wie Moßmann den geäußerten Wunsch nach Rückverlegung des Radwegs auf das Hochbord bezeichnete. Denn objektiv sei der Radfahrstreifen auf der Straße sicher, „das haben Untersuchungen ergeben“, ergänzte Thöring.

Ebenfalls für Variante 3 sprach sich Leo Demuth vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) aus. Er hob dabei vor allem die Verkleinerung der Fahrbahnbreite hervor, die aus seiner Sicht den positiven Nebeneffekt der Verlangsamung des Verkehrs mit sich bringe. Tobias Neumann vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) zog am Ende das Fazit, dem sich der Großteil der Teilnehmer anschloss: Variante 1 sei zwar sicher, die dritte Variante aber vorzuziehen, sofern das Geld dafür bereitstehe.

Mit welcher Variante künftig geradelt werden kann, liegt in der Entscheidung der Politik. Am 4. November will sich der Verkehrsausschuss mit dem Thema beschäftigen.