Mittwoch , 28. Oktober 2020
1000 Bewohner ab 18 Jahren wurden in den Landkreisen Lüneburg, Uelzen, Gifhorn und der Stadt Wolfsburg vom Forsa-Institut zum A39-Ausbau befragt. Insgesamt 70 Prozent sind dafür. Die IHK veröffentlicht die weiteren Umfrage-Ergebnisse unter www.unsere-a39.de Grafik: Forsa-Umfrage

A39: Umfrage verleiht schweigender Mehrheit eine Stimme + + + Mit Videos

dth Lüneburg. Sieben von zehn der Befragten sind für den Ausbau der A39 und acht von zehn sind der Ansicht, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen würden. Das sind nur zwei Ergebnisse der Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa, die die Industrie-und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg für 16000 Euro in Auftrag gegeben hat. Seit Wochen wirbt die IHK mit ihrer Pro-A39-Kampagne für den Autobahnausbau zwischen Lüneburg und Wolfsburg. IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert sprach beständig „von der schweigenden Mehrheit für die A39“. Nach der Präsentation der Umfrageergebnisse sagte er auf LZ-Nachfrage: „Recht hatte ich schon immer, aber jetzt kann ich das belegen!“

Anfang September hat Forsa 1000 Menschen in den Landkreisen Lüneburg, Uelzen und Gifhorn sowie der Stadt Wolfsburg befragt. „Eine Mehrheit für den Ausbau der A39 findet sich in allen Alters- und Wählergruppen mit Ausnahme der Grünen-Anhänger“, fasst Dr. Peter Matuschek vom Forsa-Institut in Berlin die Ergebnisse zusammen. Vor allem die Grünen-Anhänger zeigten sich mit 44 Prozent Befürwortern und 45 Prozent Gegnern besonders gespalten. Während die Haltung bei CDU- und SPD-Anhängern mit 80 beziehungsweise 76 Prozent wesentlich deutlicher ausfällt.

Wichtigste Gründe für den Ausbau aus Sicht der Befürworter (70 Prozent) sind nach einer offenen Abfrage (Mehrfachnennungen waren möglich) vor allem kürzere Wege (39 Prozent), der Anschluss der Region an das Autobahnnetz (29) und die Entlastung anderer Strecken (32) und Dörfer (11), heißt es.

Die wichtigsten Gründe gegen den Ausbau aus Sicht der Gegner (18 Prozent) seien vor allem Umweltaspekte (49 Prozent), Zweifel an der Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit (31), höheres Verkehrsaufkommen (14) oder Lärmbelastung (12).

17 Prozent der Gegner nannten die Trassenführung als Ablehnungsgrund und ebenfalls 17 Prozent der Gegner sprachen sich für einen alternativen Ausbau der Bundesstraße 4 aus.

Unabhängig von der eigenen Einstellung zum Ausbau erwartet die große Mehrheit der Befragten (79 Prozent) für die Region durch einen Lückenschluss eher Vor- als Nachteile, nur zwölf Prozent sehen eher Nachteile, so Matuschek.

Die Meinungsforscher fragten unter anderem auch, wie die Bürger selbst die öffentliche Meinung zur A39 einschätzten. Dort gibt es im Ergebnis eine deutliche Diskrepanz zwischen vermuteter und der in der Umfrage festgestellten Mehrheits-Meinung: Demnach nahmen nur 46 Prozent an, dass es eine Mehrheit für den Autobahnausbau gebe. Laut Umfrage sind es aber 70 Prozent. Diese Zustimmung sei für ein Großprojekt „außergewöhnlich hoch“, sagte Matuschek. Und weiter: „Wer etwas verhindern will, ist oft stärker motiviert, sich öffentlich zu äußern. So entsteht eine verfälschte Wahrnehmung der öffentlichen Meinung.“

Zum Thema „schweigende Mehrheit“ sagte Matuschek auf LZ-Nachfrage: „Das ist kein Klischee.“ Und: „In vielen Teilen hat sich bei der Umfrage ein Muster gezeigt, das wir auch bei anderen Großprojekten sehen: Dass die Gegner relativ gut organisiert sind und die Mehrheit, die dafür ist, überhaupt keine Notwendigkeit sieht, sich zu artikulieren, aber in so einer Umfrage ihre Meinung erstmals abgibt.“ Also gilt das Prinzip: Wer am lautesten schreit, werde auch eher gehört.

Kurz nach der IHK-Pressekonferenz meldete sich bereits Eckehard Niemann zu Wort, Sprecher der Regionalgruppe Ostheide im Landesverband der Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen e.V. (LBU). Der LBU-Sprecher sieht in der präsentierten Meinungs-Umfrage „Das letzte Aufbäumen der IHK gegen das absehbare Ende der unsinnigen A 39“. Der LBU zweifele die Ergebnisse an, zumal nach einem Aus- und nicht nach einem Neubau der A39 gefragt worden sei. Zudem verweist Niemann auf gegensätzliche Internet-Abstimmungen lokaler Tageszeitungen in der Region sowie eine Bürgerbefragung in Bienenbüttel, wo sich die Bürger „mit Zweidrittel-Mehrheit klar gegen eine Auf- und Abfahrt der A39 bei Bienenbüttel“ ausgesprochen haben. Zudem setzt der LBU darauf, dass die A39 bei der Berechnung des Nutzen-Kosten-Verhältnisses für den Bundesverkehrswegeplan als „grottenschlecht“ durchfiele und der Widerstand anhalte.

IHK-Geschäftsführer Zeinert sieht in den Umfrage-Ergebnissen hingegen Rückenwind für die Pro-A-39-Kampagne und will nicht nur den Lückenschluss der Autobahn erreichen, sondern auch „zwischen gefühlter und tatsächlicher Zustimmung“. Zeinert: „Wir wollen die Mehrheit der Menschen in der Region, die für die A39 sind, ermutigen, sich auch für die A39 zu bekennen.“

Zustimmung ist im Kreis Uelzen am größten

Zur Qualität der A39-Umfrage sagt Dr. Peter Matuschek vom Forsa-Institut: „Die Umfrageergebnisse sind repräsentativ.“ Das sei auch durch die regionale Gleichverteilung der Befragten auf die verschiedenen Gebiete gegeben, wenngleich die Anzahl der Befragten pro Landkreis recht klein erscheint. So wurden, proportional zur Bevölkerung, in Stadt und Landkreis Lüneburg 310 Personen am Telefon befragt, im Kreis Gifhorn 301, in der Stadt Wolfsburg 220 und im Kreis Uelzen 169. Die persönliche Betroffenheit der Umfrage-Teilnehmer durch die A39-Trasse wurde nicht abgefragt.

Verteilt auf die Befragungsgebiete, kommt Forsa zu folgenden Ergebnissen: Im Landkreis Uelzen mit den zahlenmäßig wenigsten Befragten ist die Zustimmung mit 82 Prozent am höchsten und die Ablehnung mit acht Prozent Gegnern am geringsten, im Landkreis Lüneburg liegt die Zustimmung bei 69 Prozent und die Ablehnung 24 Prozent, im Kreis Gifhorn bei 60 und 23 Prozent und in der Stadt Wolfsburg bei 76 Prozent Befürwortern und 18 Prozent Gegnern. Der Rest fällt jeweils unter „weiß nicht“.

Insgesamt fühlen sich laut der Umfrage 68 Prozent über den Ausbau der A39 in ausreichendem Maße informiert, 29 Prozent wünschten sich mehr Informationen.

 


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Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer der IHK Lüneburg-Wolfsburg

 


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Dr. Peter Matuschek, Meinungsforscher vom Forsa-Institut

(Videos: dth)