Dienstag , 22. September 2020
Die Hamburger Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank begrüßte zusammen mit Uni-Präsident Sascha Spoun in St. Johannis die neuen Erstis. Foto: t&w

Leuphana-Startwoche: Tag eins für die „Problemlöser“ + + + Mit LZplay-Video

mm Lüneburg. Gedränge vor der Kirchentür, jeder möchte schnell herein, die guten Plätze könnten sonst alle belegt sein. Tausende junge Menschen auf einmal strömen in die St. Johanniskirche am Platz Am Sande. Es ist ihr großer Tag, ein Neubeginn. Wie damals die Einschulung. Schultüten gibt es nun aber keine mehr. Dafür Willkommensgrüße von allen Seiten und Begrüßungsworte von Funktionsträgern. Der erste Uni-Tag beginnt.

Als die Kirchturmuhr draußen 10 Uhr schlägt, beginnt drinnen die Musik zu spielen, Orgel und Trompete im Duett, zackig, aufwühlend, ergreifend. Die Redner der offiziellen Begrüßungsfeier für die rund 1500 Erstsemester, liebevoll auch Erstis genannt, wollen dem in nichts nachstehen.

Gleich wird Uni-Präsident Sascha Spoun vortreten. Er sitzt in der ersten Reihe, wird von Professor Achatz von Müller, Leiter des Leuphana College, angekündigt als „Freund und Mahner der Studenten“. Aber nicht nur das. Es gibt reichlich Lobesworte für Spouns Arbeit, wie: „Er hat einer rein ökonomischen Fachhochschule ein universitäres Gesicht verliehen und europaweit bekannt gemacht“, sagt Achatz von Müller. Applaus, Spoun tritt ans Rednerpult.

Es sei seine zehnte Eröffnungsrede, hat er der LZ vorher verraten, die neunte bei einer Startwoche — sein Baby. Sie ist eine von Spouns vielen Neuerungen an der Uni. Stillstand herrscht bis jetzt nicht. Nicht auf der Baustelle Zentralgebäude, nicht an der Leuphana, die sich seit Spouns Berufung auf den Weg gemacht hat. Das sollen auch die neuen Studenten.

„Die Leuphana ist der beste Ort, um Eure Wissbegierde zu stillen“, spricht er ins Mikrofon. Spoun stellt das Verständnis von Freiheit in den Vordergrund. „Ihr könntet jederzeit wieder gehen, aber Ihr werdet hoffentlich bleiben.“ Die Studenten sollten Wissen sammeln, „und nicht nur die richtigen Arbeitsschritte lernen“. Spoun betont die „Wertschätzung, die jeder erfährt für Wissen, das er anhäuft.“

Wie Katharina Fegebank. Nach ihrem Studium arbeitete sie im Uni-Präsidium. Jetzt ist Fegebank Wissenschaftssenatorin in Hamburg und zweite Bürgermeisterin der Hansestadt. Die Grüne schwört die Studenten ein, auf große gesellschaftliche Herausforderungen, die vor ihnen lägen, „ihr seid Innovationstreiber und Problemlöser“. Ein Thema liegt ihr besonders am Herzen: Die Bewältigung der Flüchtlingskrise. Durch ziviles Engagement. Das sollen auch die Studenten schon in ihren ersten Tagen an der Universität zeigen. Ihre Aufgabe während der Startwoche: Ein soziales Projekt gründen oder Geschäftsideen entwickeln, mit denen Menschen geholfen werden kann.

Die Idee gefällt Bürgermeister Eduard Kolle. Lüneburger kennen ihn als humorvollen Redner, die neuen Studenten noch nicht. Er bedankt sich, dass er, anders als seine Vorredner, seine Grußworte auf Deutsch vortragen darf und nicht auf Englisch reden muss. Er habe zwei große Fehler in seinem Leben gemacht: „Keine Fremdsprache und kein Musikinstrument gelernt.“ Seine Sprachkenntnisse zu erweitern, gelinge ihm nicht mehr, den zweiten Fehler will er beheben: „Sobald ich meine Ämter ablege, ärgere ich meine Nachbarn und kaufe mir ein Schlagzeug. Das bleibt aber unter uns“. Gelächter. Er hat die Studenten für sich gewonnen, erst recht, als er sagt: „Lüneburg wäre nicht die Stadt, die sie ist, ohne ihre Studenten“.

In die Stadt zieht es die Erstis nach der Eröffnungsfeier. Zum „LüneSlam“. In Gruppen sollen sie mit ihren Tutoren Lüneburg erkunden, Bilder knipsen, ein kurzes Video von ihren ersten Eindrücken drehen. Vorbereitung auf die Tage, die vor ihnen liegen — als soziale Ideengeber.

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