Mittwoch , 30. September 2020
Die neuen Zeiger an der Kirchturmuhr von St. Johannis wurde jetzt angebracht. Am LZ-Lesertelefon kam die Frage auf, warum auf der Uhr nicht IV sondern IIII zu lesen sei. Foto: t&w

Falsche „Vier“ auf dem Zifferblatt

fy Lüneburg. Dem Lüneburger Dan Krause fiel beim Betrachten der St. Johannisuhr mit seiner Tochter auf, dass der Zeiger um vier Uhr auf IIII und nicht auf IV steht, wie es bei römischen Ziffern korrekt wäre.

Auch jeder, der eine Armbanduhr mit römischen Ziffern besitzt, kann es sofort nachprüfen: Bei fast allen findet sich tatsächlich die „falsche Vier“.

Die Erklärung dafür liegt in der Tradition und im Aberglauben. So erklärte Uwe Ahrendt, Uhrenexperte der Firma NOMOS Glashütte, auf „Spek­trum.de“: Die IV zu verwenden, das wäre einst Blasphemie gewesen, denn in der römischen Antike stand I für J und V für U und ergo IV als Abkürzung für Jupiter, den obersten Gott. Die Abbildung des Götternamens war zeremoniellen Anlässen und den Priestern vorbehalten. Deshalb durfte für die profane Uhrzeit nur die IIII verwendet werden.

Dieser Gepflogenheit ist man bis weit ins Mittelalter treu geblieben. Dem französischen König Louis XIV (1774 bis 1792) wird zugeschrieben, er habe die „IIII“ per Dekret als „einzig richtige Schreibweise“ für alle Zifferblätter von Uhren verfügt.

Laut Michael Margos, Künstler und Designer, der bei der Firma Nomos Glashütte Uhren mitgestaltet, ist es aber auch eine Frage der Symmetrie: Bei den im Kreis angeordneten Ziffern bilde die IIII mit vier einzelnen Zeichen statt der zwei bei IV ein besseres Gegengewicht zur gegenüberliegenden VIII. Auf beiden Hälften des Zifferblatts stehen so 14 einzelne Zeichen.