Freitag , 25. September 2020
Dieses Schild auf dem Kundenparkplatz eines Fachmarktes haben Christiane Rosenbusch und Gerd-Dieter Ebeling übersehen. Weil sie keine Parkscheibe im Wagen hinterließen, sollen sie jetzt 30 Euro zahlen. Foto: t&w

Abzocke auf Kundenparkplatz?

ml Lüneburg. Für die Vermieter gewerblich genutzter Immobilien ist es eine Chance, lästige Dauerparker auf Kundenparkplätzen loszuwerden. Für die Lüneburgerin Christiane Rosenbusch und den Adendorfer Gerd-Dieter Ebeling ist es „reine Abzocke“. Kurz vor dem Schulstart am heutigen Donnerstag haben beide noch Stifte, Hefte und Blöcke für ihre Enkelkinder eingekauft — beim Fachmarkt für Bürobedarf „Staples“ bei der Pferdehütte. Als Christiane Rosenbusch und Gerd-Dieter Ebeling nach dem Einkauf zu ihren Fahrzeugen zurückkommen, erwartet sie eine böse Überraschung: Sie sollen 30 Euro zahlen — für unberechtigtes Parken.

Tatsächlich weist ein Schild der Berliner Firma „Park&-Control“ Autofahrer darauf hin, dass der Parkplatz Privatgelände, das Parken nur mit Parkscheibe für höchstens 180 Minuten gestattet ist. „Bei einem Parkverstoß … fällt ein Bußgeld (Vertragsstrafe) an“, heißt es auf dem Schild weiter. Auch vor dem Fachmarkt warnt ein Aufsteller: „Liebe Kunden, aufgepasst! Bitte denken Sie an Ihre Parkscheibe.“ Doch ist die Hinweistafel schnell übersehen: „Es war heiß, ich hatte es eilig und war von meinen beiden Enkelkindern abgelenkt“, sagt Christiane Rosenbusch. Auch sei ihr das Verfahren neu, habe sie als Kundin nicht damit gerechnet, beim Abstellen des Fahrzeuges vor dem Fachmarkt etwas beachten zu müssen. „Das ist doch eher ungewöhnlich.“

Auch als Rosenbusch und Ebeling ihre Kassenbons dem Kontrolleur zeigen und sie anschließend beim Marktleiter vorlegen, ist das Problem nicht gelöst. In beiden Fällen heißt es „Leider Pech gehabt, da können wir nichts machen.“ Tatsächlich hat der Vermieter der Immobilie mit der Berliner Firma einen Dienstleistungsvertrag zur „Parkraumüberwachung“ abgeschlossen. „Wir haben festes Personal vor Ort, das die Parkplätze teilweise mehrmals täglich kontrolliert. Das hängt vom Standort ab“, sagt eine Mitarbeiterin der Firma auf LZ-Anfrage. Die Gestaltung der Verträge sei unterschiedlich, manchmal gebe es Parkkarten, meist aber wie in Lüneburg eine Höchstparkdauer. Einmal erfasst, sei ein sogenannter Vertragsverstoß durch den Mitarbeiter nicht rückgängig zu machen. „Nur die Geschäfte können die Stornierung nachträglich beantragen. Das wird unterschiedlich gehandhabt.“ Zumal wie in diesem Fall Staples die Betreiber nur Mieter und nicht Vermieter seien. Und der hat schließlich den Vertrag mit „Park&Control“ geschlossen.

Dass sie hätte aufmerksamer sein können und einen Fehler gemacht habe, räumt auch Christiane Rosenbusch ein. „Fünf oder zehn Euro hätte ich gezahlt, wenn auch zähneknirschend. Doch 30 Euro ist einfach völlig überzogen.“ Deshalb hat sich die Lüneburgerin an die LZ gewandt: „Ich möchte einfach andere Einwohner der Stadt warnen. Nicht dass ihnen das Gleiche passiert wie mir.“ Für Gerd-Dieter Ebeling ist diese Art der Parkplatz-Überwachung „eine absolute Negativwerbung für das Kaufhaus Lüneburg“. Der Adendorfer sagt: „Das nächste Mal kaufe ich woanders ein.“