Donnerstag , 29. Oktober 2020
Die Pläne der Bahn verbinden nicht -- sie spalten die Samtgemeinde Ilmenau. Während sich einige Vertreter der Bürgerinitiativen für den Ausbau im Bestand aussprechen, finden die Mitglieder der Bürgerinitiative Deutsch Evern: Jetzt reichts! Zwei Gleise sind genug. Foto: kre

„Ilmenau ist gekniffen“ – Bahntrassen-Diskussion sorgt weiter für Aufregung

lz/kre Melbeck. Peter Rowohlt bringt es auf den Punkt: „Egal, für welche Alternative zur Y-Trasse man sich letztlich entscheiden wird, die Samtgemeinde Ilmenau ist bei allen möglichen Trassen immer gekniffen“, sagt Ilmenaus Samtgemeindebürgermeister. Dass die Bahn verbindet und die Menschen zueinander bringt, dieser Slogan funktioniert in der Samtgemeinde nicht mehr: Auf der einen Seite sind die Vertreter der Bürgerinitiativen, die sich für den Ausbau der Bestandsstrecke starkmachen, auf der anderen Seite die Mitglieder der Bürgerinitiative Deutsch Evern, die sagen: „Es reicht! Zwei Gleise sind genug!“ Die Pläne der Bahn verbinden nicht — sie spalten die Kommune.

Trotz der Einwände hält die Lüneburger SPD-Landtags- und Kreistagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers an dem Ausbau des Schienennetzes fest: „Dieses Vorhaben ist wichtig für den norddeutschen Raum. Leider ist der Landkreis Lüneburg von allen Trassen betroffen. Die Alpha-Variante bietet durch die Verstärkung zweier Stränge von Nord nach Süd und der Amerikalinie dazwischen eine gute Möglichkeit, ausreichend Transporte aufzunehmen. Alle anderen Trassen gehen an den Städten Lüneburg, Uelzen und Celle vorbei“, so die Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers, und weiter: „Wenn man es mit der Entwicklung der Region ernst meint, muss das dritte Gleis fortgesetzt werden.“ Sie ist sich sicher: Dadurch werde der Verkehr zwar zunehmen, durch zusätzlichen Lärmschutz werde es aber deutlich leiser.

Rückendeckung erhält die Landtagsabgeordnete in dieser Frage vom SPD-Kreistagspolitiker und Radbrucher Bürgermeister Achim Gründel. Er bewertet das neue dritte Gleis zwischen Maschen und Lüneburg als „absolut positiv“.

Ihm zur Seite springt der Ochtmisser Ortsbürgermeister Jens-Peter Schulz (SPD), er geht sogar noch weiter: „Das dritte Gleis ist ein Gewinn für Ochtmissen und seine Wohnqualität.“ Eine bessere Anbindung an den ÖPNV, „weniger Lärmbelästigung und Erschütterungen, die Werte sind deutlich zurückgegangen“, schwärmt er geradezu.

Aussagen, die Deutsch Everns Bürgermeister Hubert Ringe (CDU) mehr als verwundert zur Kenntnis nimmt: „In Ochtmissen und in Radbruch geht die Bahnstrecke an den Orten vorbei — in Deutsch Evern aber mittendurch!“

Im Übrigen zweifelt Ringe auch die von Gründel und Schulze hervorgehobenen positiven Effekte des dritten Gleises an. „Ich kann mir kaum vorstellen, dass mehr Züge, die beim Ausbau der Strecke durch den Ort rollen würden, gut sein sollen, um Lärm und Erschütterungen zu minimieren,“ wundert sich Ringe über diese Argumentation.

Im Übrigen heiße die Straße neben den Bahngleisen in Deutsch Evern nicht umsonst „Im Tale“: „Das ist der niedrigste Punkt in unserer Gemeinde.“ Links und rechts der Gleise steige die Topografie an. Auch wenn eine sechs Meter hohe Schallschutzmauer errichtet wird, wird der Lärm trotzdem noch im Dorf zu hören sein“, ist Ringe überzeugt.

Für Mittwoch, 26. August, lädt die Bürgerinitiative Deutsch Evern zu einem öffentlichen Informations-Abend unter der Überschrift „Ausbau statt Neubau?“ ab 19 Uhr in die Aula der Grundschule Deutsch Evern ein. Auf dem Podium werden unter anderem die SPD-Bundes- und Landtagsabgeordneten Hiltrud Lotze und Andrea Schröder-Ehlers sowie Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) Platz nehmen.