Samstag , 19. September 2020
Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt wird vor der Kreisstagssitzung zur Elbbrücke von aufgebrachten Demonstranten aufgehalten. Foto: jj

Kreistag beschließt endgültiges Aus für die Elbbrücke Neu Darchau

lz Lüneburg. Landrat Manfred Nahrstedt ist umzingelt. Der Sozialdemokrat steht Montagmittag vor der Lüneburger Ritterakademie, umringt von Demonstranten, Plakaten und Kameras. In wenigen Augenblicken will er mit seiner rot-grünen Kreistagsmehrheit die Elbbrücke Neu Darchau zu Grabe tragen. Doch erstmal stoppt ihn die aufgebrachte Menge von Brücken-Befürwortern, die ihm Wahlbetrug und mangelndes Engagement an den Kopf knallen.

Nahrstedt fühlt sich sichtlich unwohl. Aber er nimmt wenigstens nicht den Hintereingang und zittert sich in seine Verteidigung, seine Stimme wird fester. Das provoziert allerdings noch mehr Zwischenrufe.


Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten, wird die Verbindung zu Youtube erst dann aufgebaut, wenn Sie das Video gestartet haben. Die Vorschaubilder werden auf unserem WebServer zwischengespeichert. Beachten Sie hierzu bitte auch unsere Datenschutzerklärung!

Doch weder Protestplakate noch ein neues Brückenlied des Chors aus dem Förderverein helfen, noch die emotionalen Bürgeranfragen vor der Sitzung, alle zu Brücke, noch die Frage, ob der Kreis nun gegen eine Mehrheit bei der Bürgerbefragung zur Querung handelt, noch der Antrag der CDU-Fraktion, den ganzen Punkt Brücke von der Tagesordnung zu streichen, weil Informationen ausstehen: Rot-Grün beendet die Planung. Die geplante Brücke wird zu teuer. Für das Aus stimmten nach dreistündiger teils hitziger Debatte 32 Kreistagsmitglieder, dagegen 24. Es war eine namentliche Abstimmung.

[purehtml][iframe src=“http://www.youtube.com/embed/KLB3ff4gq08″ frameborder=“0″ width=“580px“ height=“360px“][/iframe][/purehtml]

Die Kosten sollen sich auf 58 Millionen Euro belaufen. Der Landkreis Lüneburg hätte einen Eigenanteil von 22,25 Millionen Euro übernehmen müssen. Und bei 10 Millionen wollte er die Reißleine ziehen. Bislang lag die Schätzung bei 45 Millionen Euro, das entsprach einem Eigenanteil von 9,25 Millionen Euro.

Vor allem die Baukosten sind laut Kostenermittlung, die jetzt auch dem Kreisstagsbeschluss zugrunde liegen, in den letzten Jahren um rund zehn Prozent gestiegen.


Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten, wird die Verbindung zu Youtube erst dann aufgebaut, wenn Sie das Video gestartet haben. Die Vorschaubilder werden auf unserem WebServer zwischengespeichert. Beachten Sie hierzu bitte auch unsere Datenschutzerklärung!

Ende 2014 hatte der Landkreis Lüneburg das Ingenieurbüro mit der Kostenermittlung beauftragt. „Die Kostenermittlung durch das Ingenieurbüro beruht auf einer fundierten Nachberechnung, die dem Niveau einer Kostenschätzung nahe kommt“, sagte der Erste Kreisrat Krumböhmer vor kurzem, „eine weiter gehende Kostenschätzung hätte deutlich höhere Planungskosten verursacht. Das vorliegende Ergebnis ist durchaus fundiert und belastbar.“

Im Kreistag wurden gestern noch einmal die Klingen gekreuzt, altbekannte Argumente für und gegen die Brücke ausgetauscht. Und es ging hoch her. Dem CDU-Fraktionschef Alexander Blume wurde, weil er die Redezeit überschritt, sogar das Mikro abgestellt. Er schrie in den Saal: „Wir kämpfen weiter.“

Am Ende aber stand das Aus.

Stimmen und Reaktionen morgen in der LZ


Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten, wird die Verbindung zu Youtube erst dann aufgebaut, wenn Sie das Video gestartet haben. Die Vorschaubilder werden auf unserem WebServer zwischengespeichert. Beachten Sie hierzu bitte auch unsere Datenschutzerklärung!


Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten, wird die Verbindung zu Youtube erst dann aufgebaut, wenn Sie das Video gestartet haben. Die Vorschaubilder werden auf unserem WebServer zwischengespeichert. Beachten Sie hierzu bitte auch unsere Datenschutzerklärung!


Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten, wird die Verbindung zu Youtube erst dann aufgebaut, wenn Sie das Video gestartet haben. Die Vorschaubilder werden auf unserem WebServer zwischengespeichert. Beachten Sie hierzu bitte auch unsere Datenschutzerklärung!

 

 

Chronologie

Januar 1991: Die Landkreise Lüchow-Dannenberg und Hagenow sowie die Bürgermeister beidseits der Elbe und die Stadt Lüneburg machen sich für eine Elbbrücke stark.

Mai 2001: Der Lüneburger Kreistag beschließt gegen die Stimmen der Grünen den Brückenbau.

Mai 2005: Der Kreis erlässt den Planfeststellungsbeschluss für die Elbbrücke.

März 2006: Das Verwaltungericht Lüneburg legt die Pläne auf Eis, da der Kreis eine Landesstraße ohne ausreichende rechtliche Grundlage beplant.

Juni 2007: Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg kippt den Planfeststellungsbeschluss endgültig.

Januar 2009: Neustart – die Kreise Lüneburg und Lüchow-Dannenberg unterzeichnen den Brückenvertrag.

Januar 2013: Bürgerbefragung zur Elbbrücke.

April 2015: Das vom Kreis beauftragte Hamburger Planungsbüro legt eine aktualisierte Kostenermittlung vor: Demnach steigen die Kosten von 45 auf 58 Millionen Euro.