Donnerstag , 29. Oktober 2020
Die diskutierten Standorte für eine große Sporthalle: Fünf sind noch im Rennen (graue Punkte), drei wohl schon raus (rote Kreuze). Montage: hm

Bundesliga bald in Ochtmissen?

cec Lüneburg/Adendorf. Ein spitzensporttauglicher Sport- und Freizeitpark mit einer Halle für 3000 Zuschauer, einem Stadion für 5000 Fans, Sportplätzen, DFB-Stützpunkt, Hotel, Gastronomie und Wohnprojekt? Eine reizvolle Idee, bei dem auch das Fußballerherz vom Vorsitzenden des Kreissportbundes (KSB), Christian Döhling, höher schlägt. Doch wer soll das bezahlen? Und vor allem: Wie schnell ist so ein Planungsungetüm umsetzbar? Der KSB als — wie Döhling betont — unabhängige Partei in der aktuellen Sportstättendebatte plädiere darum für die schnelle Variante: Nur den Bau einer wettkampfgerechten Sporthalle — ohne Drumherum. „Beim fünften Abstimmungsgespräch am 11. September muss die Kuh vom Eis.“ Mit dieser Einschätzung steht er nicht allein, wie jetzt in der gemeinsamen Sitzung von Sport- und Schulausschuss des Landkreises Lüneburg deutlich wurde.

Einen kurzen Abriss über den aktuellen Sachstand lieferte Detlef Beyer, Leiter Gebäudewirtschaft in der Kreisverwaltung. Der ursprüngliche Auftrag, eine wettkampfgerechte Sporthalle mit dem Bau einer neuen Schulsporthalle für die Berufsbildenden Schulen zu verknüpfen, sei demnach aufgrund mit den hohen Besucherzahlen zu erwartenden Anwohnerbeschwerden im Bereich BBS/Johanneum endgültig verworfen worden (LZ berichtete). Für die BBS ist jetzt eine Zweifeldhalle vorgesehen, Baubeginn soll im Sommer 2016, Fertigstellung Ende 2017 sein.

Getrennt davon werden die Pläne für die wettkampfgerechte Sporthalle verfolgt. 3000 Zuschauer soll diese fassen, könnte neue Heimat für die Bundesliga-Volleyballer der SVG werden und soll neben dem regulären Sportbetrieb bis zu 18 weiteren Veranstaltungen jährlich Raum bieten. Allein wo, ist die Frage, die alle Beteiligten umtreibt. Fünf Standorte seien aktuell noch im Rennen: Sportpark Bardowick, Sportpark Reppenstedt, zwei Flächen im Gewerbe- und Industriegebiet Hafen sowie — neu aufgenommen — eine Fläche an der Bernsteinstraße in Ochtmissen.

Kriterien für die Standortauswahl seien die Erreichbarkeit, die Auslastung, der Planungsaufwand und natürlich die Kosten. Mit Blick auf vergleichbare Hallen wie etwa in Vechta geht die Verwaltung von 6 bis 7 Millionen Euro reinen Baukosten aus. „Das kann keiner alleine wuppen“, verdeutlicht der Fachdienstleiter. Gewünscht sei daher ein Betreibermodell, die wichtigste Frage bei der Betrachtung: „Für welchen Standort kann ich einen Investor begeistern?“

Den Traum vom großen Ganzen, Halle plus Stadion, mochten nicht alle Ausschussmitglieder kampflos verwerfen. „Wenn man so eine Halle plant, sollte man die Option Stadionanbindung im Auge behalten“, forderte etwa Meinhard Perschel (CDU). Landrat Manfred Nahrstedt bremste ihn aus: „Wir sollten uns erstmal auf die Sporthalle konzentrieren. Das andere ist gut und schön. Aber dann planen wir bis 2021 ehe wir Halle und Stadion haben.“ Zunächst gelte es, zu schauen, wo das Geld herkommen soll, und einen Betreiber zu finden, der 18 Veranstaltungen pro Jahr in die Halle bringen und wuppen würde und der zudem mit dem Standort zufrieden ist, denn: „Wenn jemand sein Logo an die Halle hängt, möchte er auch, dass es gesehen wird.“ A und O sei jetzt eine saubere Planung, im nächsten Schritt werde ein Architekt beauftragt, um den Kostenrahmen abzustecken, erklärte Nahrstedt, der aufgrund der Masse der zu klärenden Fragen, mittlerweile daran zweifelt, dass das Projekt schon im Oktober abstimmungsreif sein wird.