Sonntag , 27. September 2020
Stiftungsrats-Vorsitzender Dr. Volker Meyer-Guckel. Foto: t&w

Ganz knappe Abstimmung im Uni-Senat für Stiftungsratschef +++ Kritiker vermuten auch noch Verfahrensfehler

jj Lüneburg. Dr. Volker Meyer-Guckel ist der Vorsitzende des Stiftungsrates der Leuphana. Das höchste Gremium der Lüneburger Stiftungs-Uni. Alle Mitglieder dieses Rates müssen nach fünf Jahren erneut von der Wissenschaftsministerin bestellt werden. Vorher wird das Einvernehmen des Senats eingeholt. Jetzt war Meyer-Guckel an der Reihe, mit Präsident Sascha Spoun und Vize Holm Keller so etwas wie das Dreigestirn der Leuphana. Wer dachte, Meyer-Guckel sei ein Selbstgänger, sah sich schwer getäuscht. Der Stiftungsrats-Vorsitzende erreichte im Senat das denkbar knappste Ergebnis von 10:9 Stimmen. Eher ein Zähneknirschen als ein Einvernehmen. Und nun glauben Senatoren auch noch, sie hätten einen Webfehler beim Votum entdeckt. Es rumort auf dem Campus.

Ein Professor, der als Stellvertreter auf der Senatsliste steht, soll sich übergangen fühlen. Reger Mailverkehr ist die Folge. Auch Sascha Spoun erklärte sich gegenüber dem Betroffenen: Der Stellvertreter sei kurzfristig nicht erreichbar gewesen. Der kontert: Er sei auf dem Campus gewesen, hätte auch Zeit gehabt. Kritiker hegen nun den Verdacht: Dahinter stecke System. Auch das Wissenschaftsministerium ist involviert, das wartet ab, bis der Senat wieder tagt, ob womöglich eine Verfahrensrüge anstehe. Die nächste Sitzung ist am 17. Juni.

Die Campus-Rechercheure wollen herausgefunden haben, dass bereits am Montag nach einer Vertretung gesucht worden sei, die nächste mögliche Stellvertreterin schon Dienstagmorgen abgesagt habe: „Da wäre bis Mittwochnachmittag genügend Zeit, den Vertreter zu informieren.“  Ob es so war, wird sich zeigen. Unzufrieden mit dem ganzen Procedere setzen Kritiker auf ein Nachspiel.

Die Uni-Leitung bleibt kurz angebunden. ,,Zum Verlauf nicht-öffentlicher Sitzungen nehmen wir grundsätzlich keine Stellung“, sagt Sprecher Henning Zühlsdorff.  „Sagen ordentliche Senatsmitglieder ihre Teilnahme an einer Sitzung ab, tritt ein Nachrückverfahren in Kraft, das die geltende Geschäftsordnung des Gremiums regelt. Wie in allen vorangegangenen Fällen ist auch im vorliegenden Fall entsprechend dieser Regeln verfahren worden.“ Genau das wird angezweifelt, vielmehr der Verdacht geäußert, statt des regulären Vertreters sei womöglich ein williger gesucht worden. Am Ende hätte also die Abstimmung auch gegen den Kandidaten sprechen können.

Das Ergebnis aber zeigt auch, die Person Meyer-Guckel spaltet den Senat, während die einen voll des Lobes sind, seine hohe Qualifikation fürs Amt herausstreichen, werfen andere ihm autoritäres Auftreten vor, wünschen sich mehr kritische Haltung zum Libeskind-Bau und Kooperationbereitschaft mit anderen Gremien.

Das Einvernehmen des Senats für Meyer-Guckel sollte eigentlich schon viel früher im Jahr eingeholt werden. Erst wurde die Abstimmung verschoben, dann ein „Schnuppertreffen“ zwischen Senat und Stiftungsrats-Chef arrangiert. Laut Senatoren marschierte das komplette Präsidium sowie der komplette Stiftungsrat ein. „Aus der Befragung eines Kandidaten wurde für mich ein recht befremdliches Schauspiel“, erinnert sich einer.

Meyer-Guckel bleibt da ganz Diplomat: „Da ich bei der Sitzung nicht dabei gewesen bin und auch nichts über die Teilnahme einzelner Senatsmitglieder weiß, bitte ich um Verständnis dafür, dass ich mich dazu nicht äußern kann.“

Das Wissenschaftsministerium hat die Uni nach der LZ-Anfrage um Stellungnahme gebeten, sagt Sprecherin Dr. Margit Kautenburger: „Ein Verfahrensfehler wurde verneint. Aus Sicht des Ministeriums bleibt in Wahrung des Selbstverwaltungsrechts der Hochschule zunächst abzuwarten, ob sich der Senat in seiner nächsten Sitzung mit einer formellen Verfahrensrüge zu befassen hat und mit welchem Ergebnis dies geschieht.“

Mittwoch tagt der Senat wieder, da könnte dann zumindest in diesem Punkt Klarheit herrschen.

Das ist Dr. Volker Meyer-Guckel

  • Studium Anglistik, Philosophie und Chemie
  • Von 1997 bis 1999 Planungsstab des Bundespräsidenten Roman Herzog
  • Von 1999 bis 2005 Leiter Programme des Stifterverbandes in den Bereichen „Hochschulentwicklung“ und „Strukturinnovation in der Wissenschaft“
  • Seit 2005 stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes
  • Seit 2010 Vorsitzender Stiftungsrat Leuphana
  • Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Bildung und Gesellschaft
  • Mitglied im Vorstand der Hermann und Lilly Schilling-Stiftung für medizinische Forschung