Freitag , 30. Oktober 2020
Der Libeskind-Bau auf dem Uni-Campus wächst, doch jetzt wird den Befürchtungen, dass die Kosten weiter steigen, neue Nahrung gegeben. Foto: jj

Libeskind-Bau: Kostensprünge als Konstante

jj Lüneburg. Nicht nur der Libeskind-Bau auf dem Lüneburger Universitäts-Campus wächst in den Himmel, wohl auch die Kosten. Das Leuphana-Zentralgebäude ist ein fruchtbares Feld für Spekulationen mit einer Konstante: Es wird von Zeit zu Zeit teurer. Der Bau-Beirat des Stiftungsrates, auch auf Wunsch des Wissenschaftsministeriums für mehr Kontrolle eingerichtet, kommt nach LZ-Informationen zu dem Ergebnis, dass noch einige Millionen Euro mehr am Bau zu Buche schlagen als die 76 Millionen Euro, die offiziell seit mehr als einem Jahr genannt werden. 88 Millionen Euro machen die Runde. Eine Summe, die zwei Quellen in Hannover bestätigen.

Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic, die einen Vertreter im Bau-Beirat hat, könnte also schon einmal in die Kriegskasse schauen, ob sie das Finanzloch auf dem Campus stopfen kann. Ihre Sprecherin Dr. Margit Kautenburger vage: Auch das Ministerium gehe von weiteren Kostenrisiken aus. „Klarheit darüber, welche der Risiken in welchem Umfang eintreten, besteht bislang noch nicht beziehungsweise nicht abschließend.“ Treten Mehrkosten auf, müsse die Universität einen Antrag auf Änderung des Zuwendungsbescheides stellen. Sind die Abweichungen erheblich, muss der Haushaltsausschuss beraten. „Das liegt unter anderem dann vor, wenn eine Überschreitung bezogen auf die zuletzt genehmigten Kosten um mehr als 15 Prozent vorliegt und mehr als zwei Millionen Euro beträgt.“ Das Land gibt bisher 21 Millionen Euro, mehr würde prompt wieder zum Politikum.

Uni-Sprecher Henning Zühlsdorf sagte gestern: „Die Universität hatte dem Land im Herbst 2013 eine Nachtrags-Bauunterlage N-ZBau vorgelegt. Darin erläutert sie Errichtungskosten von 76,05 Millionen Euro. Deren Finanzierung ist sichergestellt. Darüber hinaus kalkuliert die Hochschule unverändert mit Risiken. Diskussionen in nicht-öffentlich tagenden Gremien kommentieren wir nicht.“ Auf der Uni-Homepage kann man das etwas genauer nachlesen: Die Uni wies schon vor einem Jahr auf Risiken von „8,4 Millionen Euro“ hin und wollte im Auftrag des Stiftungsrates „Vorsorge“ treffen.

Der Bau-Beirat scheint sich in seiner Einschätzung nun weitgehend dem Szenario der Oberfinanzdirektion anzunähern, die Anfang 2014 in einem 34 Seiten starken vertraulichen Bericht detailliert alle Risiken auflistete und als wahrscheinlich 15,1 Millionen errechnete. Doch es gibt auch eine zweite Aussage in dem Papier: ,,Würden alle benannten Risiken in voller Höhe eintreten (worst case), könnten die Gesamtkosten der Maßnahme auf bis zu 125 Millionen Euro ansteigen.“

Damit es nicht so weit kommt, heißt es auf der Internetseite der Uni: „Parallel arbeitet eine Steuerungsrunde von Leuphana, Oberfinanzdirektion und Fachministerium gemeinsam mit einer externen Projektbegleitung an der kontinuierlichen Reduktion der Eintrittswahrscheinlichkeit.“

Stadt und Landkreis Lüneburg, die zusammen sieben Millionen Euro für den Bau zugesagt haben, lehnen sich da entspannt zurück. Erstens gebe es keinen Euro mehr, zweitens sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge: ,,Wir haben noch nichts überwiesen, wir zahlen erst, wenn auch das Land Niedersachsen seine zugesagte Förderung ausschüttet. Wir vertrauen da zur Sicherheit den Rechnungsprüfern des Landes.“ Gleiches kommt von Landrat Manfred Nahrstedt.

Zudem erinnert sich der Lüneburger Oberbürgermeister gerne ans Uni-Jubiläum 2014. Denn da versprach Ministerpräsident Stephan Weil, wenn auch mit Magengrummeln: „Wir stehen zu dem Projekt und halten an ihm fest.“ Jetzt muss er auch liefern, vermutlich ein paar Millionen mehr.