Dienstag , 27. Oktober 2020
Die Rückkehr des Wolfes bedroht den Muffelwildbestand in der Göhrde. Ursprünglich stammen die Tiere von den Mittelmeerinseln Korsika und Sardinien, sind 1903 von einem Hamburger Kaufmann in der Göhrde angesiedelt worden. Foto: A

Wolf kommt, Muffel schwindet

ol Göhrde. Seit mehr als 100 Jahren zieht das Muffelwild seine Fährte in dem großen Waldgebiet Göhrde. Ausgesetzt hatte die Wildschafe 1903 der Hamburger Großkaufmann Louis Oscar Tesdorpf. Der war zwar ein großer Naturfreund, aber kein Jäger. Kaiser Wilhelm II. erlegte bereits 1911 zwei Muffelwidder. Die Tiere stammten alle von den Mittelmeerinseln Sardinien und Korsika, die aber nicht das Ursprungsland sind. Das liegt in Kleinasien. Inzwischen ist das Mufflon in vielen europäischen Ländern, wenn auch nur in kleinen Populationen, heimisch. Durch die zunehmende Umweltzerstörung und die Einkreuzung von Hausschafen ist die reinrassige Population der Mufflons nur noch in Restbeständen vorhanden.

„Der Bestand des Muffelwildes in der Göhrde ist somit das einzige noch reinrassige Vorkommen in Deutschland. Das hat das Institut für Wildbiologie in Göttingen genetisch nachgewiesen“, erklärte Peter Pabel, Forstrat und Leiter des Hochwildringes Göhrde, anlässlich der Mitgliederversammlung der Landesjägerschaft Niedersachsen in Hitzacker. Doch mit dem Auftauchen einiger Wölfe in der Göhrde scheint das weitere Fortbestehen dieser Wildart im höchsten Maße gefährdet zu sein. Das bestätigen mehrere Sichtungen des Wolfes sowie zunehmende Risse, auch von starken Widdern. Begünstigt durch das arttypische Fluchtverhalten der Mufflons, bei Gefahr auf Berghänge zu flüchten, die es aber in der Göhrde nicht gibt, sind die Tiere eine leichte Beute für Wölfe.

Da die Wölfe mit dem Muffelwild keine friedliche Koexistenz eingehen werden, ist nach Einschätzung von Pabel die Population dieser Wildart stark gefährdet vermutlich wird sie sogar ausgelöscht. Alle Wildbiologen und Experten halten die Erhaltung dieser Wildart in der Göhrde für wünschenswert und erforderlich.

Mit Unterstützung des Institutes und Spenden sind erforderliche Erhaltungsmaßnahmen eingeleitet worden. Mit einer Netzfalle sollen die Tiere eingefangen und in einem sicheren Wildgatter untergebracht werden. Der Störfaktor bei dieser Aktion ist aber immer der Wolf, so dass der große Erfolg bisher ausgeblieben ist.

Die Suche nach einem dauerhaft sicheren Domizil konnte noch nicht erfolgreich abgeschlossen werden. Angedacht ist der Saupark Springe, eine Düneninsel oder ein eingezäuntes Militärgelände. Auch eine Zusammenführung mehrerer kleinerer, reinrassiger Vorkommen wird in Erwägung gezogen. Unbeantwortet ist bislang die immer wieder gestellte Frage: „Warum wird der Wolf, der unter Naturschutz steht, aber in seinem Bestand nicht bedroht ist, geschützt aber das bedrohte Muffelwild nicht?“