Dienstag , 27. Oktober 2020
Foto links (nh): Ein Paradies für Wildtiere: Gut gefüllte Futtertröge, die im Wald hängen. Doch diese Apparate sind verboten. Foto rechts (A./t&w): Futterautomaten locken unter anderem Wildschweine. Hohe Schwarzwildbestände bedeuten auch ein reichliches Futterangebot für Wölfe. Und die Samtgemeinde Amelinghausen zählt zum Territorium des Munsteraner Rudels.

Naturschutzbund entdeckt illegale Futterautomaten

kre Barnstedt/Betzendorf. Das Schweine-Paradies liegt zwischen Betzendorf und Barn­stedt. Mitten im Grünen, mitten im Naturschutzgebiet. Hunger musste hier keine Wildsau leiden: Etliche Futterautomaten, gefüllt mit Mais, sorgten für einen gedeckten Tisch. Und das offenbar über lange Zeit. Wildschwein, was willst du mehr?

Thomas Mitschke, Vorsitzender des Nabu Lüneburg, findet es trotzdem nicht lustig. Er hat bei einem seiner Streifzüge durch die Natur die Behälter zum Kirren entdeckt und ist entsetzt. „Das Waldstück ist verseucht mit diesen Apparaten“, empört sich der Nabu-Vorsitzende. Er hat Anzeige bei der Unteren Naturschutzbehörde erstattet. Wegen Verstoßes gegen das Niedersächsische Jagdgesetz. „Der Landkreis ist zuständig für die ausgewiesenen Schutzgebiete und ist deshalb gefordert, das Bundesnaturschutzgesetz und das geltende EU-Recht durchzusetzen“, sagt Mitschke, der zudem die Beschlagnahme der verbotenen Futtereinrichtungen fordert.

Kreissprecherin Elena Bartels bestätigt den Eingang des Hinweises und sagt: „Jagdbehörde und Kreisjägermeister haben sich vor Ort bereits informiert.“ Allerdings seien zu diesem Zeitpunkt die Apparate schon entfernt gewesen, „die nach dem Niedersächsischen Jagdgesetz auch nicht erlaubt sind“, so die Kreissprecherin.

Moniert wird von den Vertretern der Unteren Jagdbehörde und vom Kreisjägermeister auch eine größere Maismenge, die sie an zwei Stellen entdeckt hatten. Wegen dieser unerlaubten Fütterung müssen sich nun der Grundeigentümer und der Jagdpächter erklären.

Für Thomas Mitschke sind die Fütterungen unverantwortlich: „Wenn so massiv Schalenwild in ein Revier gelockt wird, hat das Folgen für die Natur“, ist der Nabu-Vorsitzende überzeugt: „Wo sich Schwarzwildrotten aufgrund eines Nahrungsüberangebotes tummeln, wird der Wolf auch nicht mehr lange auf sich warten lassen.“

Der Naturschützer verweist auf die geltende Gesetzeslage: „Laut Niedersächsischem Jagdgesetz dürfen auf 75 Hektar höchstens zwei Kirrungen angelegt werden“, betont der Nabu-Vorsitzende, der im betroffenen Gebiet aber mindestens 20 entdeckt haben will. „Und wahrscheinlich habe ich noch nicht einmal alle gefunden“, sagt Thomas Mitschke. Für ihn sind die Missstände ein weiterer Beleg dafür, dass das Jagdrecht überarbeitet werden muss.

„Wir brauchen im Landkreis einen Ranger beziehungsweise einen Landschaftshüter“, fordert Mitschke die Politik zum Handeln auf. Auch ein Punktesystem ähnlich dem Fahrteignungsregister des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg kann sich der Naturschützer vorstellen. „Danach werden Verstöße bis hin zum Jagdscheinentzug geahndet“, schlägt der Nabu-Vorsitzende vor. „Wir müssen im Interesse der Natur schnell handeln“, appelliert Mitschke: „Der Nabu lehnt die Jagd nicht ab, aber angesichts des dramatischen Rückgangs der biologischen Vielfalt brauchen auch die Jäger eine stärkere Anbindung an die Belange des Natur- und Tierschutzes.“