Freitag , 30. Oktober 2020
Feierliche Übergabe der neuen Schnellladesäule für E-Autos: Landrat Manfred Nahrstedt, Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Wirschaftsminister Olaf Lies und die Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers. Foto: sw

Lüneburg: 23.000 Besucher und 610 Probefahrten bei „Einfach elektrisch“

mm Lüneburg. Probefahrt: Der Motor springt an – lautes Brummen bleibt aus. Das Auto rollt leise schnurrend los. Es wird angetrieben durch Strom, kommt ohne Verbrennungsmotor aus. Die Fahrzeuge der Generation Elektrisch gleiten geräuscharm über die Straße. Wie am Sonnabend und Sonntag auf dem Platz Am Sande – als Ort der Sieben-Städte-Tour „Einfach elektrisch“.

Nach Hannover und Göttingen ist Lüneburg die dritte niedersächsische Stadt, in der Hersteller ihre Fahrzeuge mit Elektro- und Hybrid-Antrieb präsentieren, Besucher zu Probefahrten einladen. Am Sonnabend kommen laut Veranstaltern 9000 Besucher, an beiden Tagen insgesamt rund 23 000. „Die Zahlen könnten ein Ansporn für die weiteren Städte sein, auch wenn sie schwer zu toppen sind“, sagt Stefan Wittke, Sprecher und Mitorganisator aus dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium.

Auch sein Chef, Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), ist angereist zur Einweihung der zweiten öffentlichen Schnellladestation für Elektroautos in Lüneburg. Er steht am Sonnabendmorgen im Parkhaus am Bahnhof. „Ich bin fest überzeugt: Der Elektromobilität gehört die Zukunft“, sagt der Minister. In der Hand hält er ein Stromkabel. Damit können jetzt im Parkhaus Elektroautos „aufgetankt“ werden – per Schnellladung.

„Für den Stadtverkehr gibt es im Elektro-Bereich sehr viele sinnvolle Alternativen, zumal für eine Stadt, die sich der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlt“, findet Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD). Voraussetzung seien genügend Ladestationen. Zu jener am Theater ist nun die zweite öffentliche in Lüneburg hinzugekommen. Kostenpunkt: 40 000 Euro. 80 Prozent übernimmt das Land Niedersachsen, die restlichen Kosten tragen Sparkassenstiftung, der Förderfonds Nachhaltigkeit und der Strukturentwicklungsfonds für den Landkreis Lüneburg. Gegenleistungen der Stadt: ein überschaubarer finanzieller Beitrag, zudem praktische Leistungen wie Hausanschluss, Breitbandanschluss, Herrichten der Fläche und Weiterbetrieb durch LüneParken.

Zwar können E-Autos auch zu Hause an der Steckdose geladen werden, doch an den Stationen geht‘s deutlich schneller. Zwei Stunden dauert es an der neuen Ladesäule, zwei Fahrzeuge können parallel mit Energie aufgefüllt werden, zurzeit ist das Aufladen selbst noch kostenlos, eine Reservierung der Plätze über das Smartphone soll bald möglich sein.

Ganz kostenlos kommt der Autobesitzer jedoch nicht an die Stromladung. Gebühren fürs Parken sind nach einer halbe Stunde fällig. Das kritisiert Oliver Kraemer vom Vorstand des Grünen-Kreisverbandes. Er fordert: „Während der Ladezeit sollte das Parken frei sein.“ Er fahre selbst ein Elektroauto und sehe ein weiteres Problem, das auch Handy-Besitzer kennen: „Nutzer von E-Fahrzeugen können nicht jede Schnellladesaüle benutzen.“ Denn es gebe verschiedene Hersteller, deshalb unterscheiden sich die Zugänge an den Ladestationen.

Einen ersten Zugang zu Autos mit Elektromotor oder auch mit Hybrid-Plugin suchen Besucher auf dem Sand. Wie Johanna Schüssler. Sie hat gerade eine Probefahrt mit einem elektrisch angetriebenen Kleinwagen hinter sich – und ist ganz angetan: „Ein anderes Fahrgefühl, das Spaß macht“, sagt sie. Ob sie sich den Kleinwagen kaufen würde? „Ja, aber eher als Hybrid-Fahrzeug.“ Denn die Reichweite beim reinen E-Auto sei ihr zu gering, „für längere Touren ungeeignet“, urteilt die Testerin. Sie geht weiter zur E-Arena, wo eine Live-Band spielt und die Fahrzeuge der Reihe nach vorgeführt werden.

Da sind nicht nur Kleinwagen für Otto-Normal-Verbraucher, auch Flaggschiffe der Branche sind zu sehen. Wie das Modell eines US-amerikanischen Autobauers. Der Hersteller verspricht eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern, allerdings zum stolzen Preis von 80 000 Euro aufwärts. Umso mehr freuten sich Besucher, die gestern mit dem 367 PS-starken Fahrzeug Gas geben konnten – wenn auch nur zur Probe.

Nächster Termin der Sieben-Städte-Tour ist am 27./28. Juni Osnabrück, es folgen im Wochenrhythmus Wolfsburg, Oldenburg und das Finale in Braunschweig.