Sonntag , 25. Oktober 2020
Der Übergriff auf ein Islandpferd-Fohlen bei Bispingen im Heidekreis sorgt für Aufregung unter Pferdehaltern. Symbolbild: A./t&w

Totes Fohlen, Wolf unter Verdacht

off Lüneburg. Die Nachricht verbreitet sich unter Pferdehaltern in der Region wie ein Lauffeuer: Ein Wolf soll in Borstel i.d. Kuhle bei Bispingen ein Islandpferde-Fohlen getötet haben. Offiziell kann das die Landesjägerschaft (LJN) als zuständige Stelle für das Wolfsmonitoring in Niedersachsen gestern nicht bestätigen, Pressesprecher Florian Rölfing sagt nur soviel: „Der Fall ist uns gemeldet worden, aber es gibt noch keinen Beweis für den Verursacher.“

Unterdessen machen Fotos des getöteten Fohlens in der Region die Runde, auch der LZ liegen Aufnahmen des Kadavers vor. Übrig sind von dem Tier nur noch der Kopf und Teile der Wirbelsäule. Für manche Empfänger der Fotos Beweis genug: Das Fohlen geht auf das Konto des Wolfes. Die LJN indes will zum jetzigen Zeitpunkt nicht über den Fall spekulieren. „Die Vorfälle werden zur weiteren Bearbeitung dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) übergeben, wo unter anderem eine DNA-Analyse zeigen wird, ob tatsächlich ein Wolf der Verursacher war“, sagt Pressesprecher Rölfing.

Vielmehr kann dazu auch die Verwaltung des Heidekreises bisher nicht sagen. „Wir haben am Montag von einem Wolfsberater des Verein Naturschutzpark (VNP) von dem Vorfall erfahren“, sagt Pressesprecher Andreas Pütz. Daraufhin habe die Verwaltung einen Veterinär hingeschickt, um Proben zu nehmen. „Mehr können auch wir dazu zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen“, so Pütz.

Bewiesen oder nicht: Für Gestütsinhaber Götz George aus Hörpel ist nach dem Fund seines toten Fohlens nichts mehr wie vorher. „Am Sonntagmorgen war meine Frau noch dabei, wie eine unserer Zuchtstuten auf der Weide ihr Fohlen zur Welt gebracht hat“, sagt er, „beide waren wohlauf.“ Um 18 Uhr seien sie dann nochmal auf der Weide gewesen, um alles zu kontrollieren. „Bei einer Stute war es absehbar, dass sie bald fohlt“, erzählt George, „aber da wir die Tiere naturbelassen halten, bekommen sie ihre Fohlen draußen auch allein.“ Am nächsten Morgen dann der Schock: „Ich dachte erst, da liegt ein Stück Nachgeburt“, erzählt er, „doch beim genaueren Hinsehen musste ich dann feststellen, dass es die Überreste des eines Fohlens sind.“

Als Jäger und Pferdezüchter beschäftigt sich George schon länger mit dem Thema Wolf, „wir haben sogar zwei Herdenschutzesel mit auf der Weide, um die Stuten und ihre Fohlen zu schützen“, sagt er. „Aber auch die haben offenbar nichts genützt.“ Er selbst ist überzeugt, dass ein Wolf sein Fohlen getötet und gefressen hat. „Zwei Wolfsbeauftragte und ein Veterinär waren hier, und wir haben alle anderen Verursacher ausgeschlossen.“

Stuten und Fohlen hat Götz George inzwischen von der Weide nach Hause geholt, erste Gespräche mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Lutz Winkelmann geführt. Der Pferdezüchter will sich an das Ministerium wenden, fragen, „wie die sich das hier in Zukunft vorstellen, was mit der artgerechten Pferdehaltung passieren soll“. Er selbst fühlt sich nicht mehr sicher, fürchtet, dass es nicht bei dem einen Opfer bleibt und er seinen Betrieb auf Dauer so nicht mehr weiterführen kann.

Offiziell gab es in Niedersachsen bisher keine Angriffe von Wölfen auf Pferde, „mir ist zumindest kein Fall bekannt“, sagt Rölfing als Sprecher der Landesjägerschaft. Wann mit den Ergebnissen der Untersuchungen aus Borstel i.d. Kuhle zu rechnen ist, konnte die Jägerschaft gestern nicht sagen. Auch beim NLWKN war gestern Abend niemand mehr zu erreichen.

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