Freitag , 30. Oktober 2020
„Wer sich so verhält, wird das nächste Spiel nicht sehen. Wir fahren Euch nicht mehr“ -- metronom-Geschäftsführer Jan Görnemann reagiert auf die Zerstörungswut von Fußballfans am vergangenen Sonntag. Foto: t&w

Fußball ja –Gewalt nein +++ metronom-Geschäftsführer reagiert auf Randale vom Wochenende

jp Uelzen. Mit drastischen Worten reagiert metronom Geschäftsführer Jan Görnemann auf die Zerstörung eines metronom-Zuges durch Fußballfans am vergangenen Wochenende. „Solche Chaoten werden wir künftig nicht mehr befördern. Dann bleiben die Züge eben stehen.“

Harte Worte von einem Mann, der Deutschlands größte private Eisenbahn leitet und auch die Beförderungspflicht öffentlicher Verkehrsunternehmen in Deutschland kennt. Was war geschehen?

Am vergangenen Sonntag fand das Nordderby zwischen dem HSV und Werder Bremen statt. Tausende Fußballfans reisen traditionell mit dem metronom an. Für die Eisenbahngesellschaft nichts Neues. „Das erleben wir an fast jedem Bundesliga-Wochenende: volle Züge mit feiernden Fans. Laut und anstrengend, aber zu bewältigen,“ erklärt Wilmut König, Leiter des Fahrgastservices bei metronom. „Das Wichtigste ist dabei immer die Sicherheit – vor allem für Fahrgäste, die mit Fußball nichts am Hut haben,“ so König weiter.

Mit einer Sicherheits-Strategie abgestimmt auf das Einsatzkonzept der Bundespolizei, konnte metronom die meisten Spiele und deren Fans bisher bewältigen. Die Züge waren anschließend zwar reif für die Reinigung und mussten kurz in die Werkstatt, aber andere Fahrgäste und Mitarbeiter kamen bisher immer glimpflich davon.

In den letzten Jahren gab es jedoch zunehmend Probleme mit randalierenden Fußballfans, die einzelne Wagen völlig zerstörten. So auch an diesem Wochenende zwischen Hamburg nach Bremen.

Der Zug war voll besetzt, davon ca. 300 sogenannte „Ultras“, die sich mehrere Wagen ausgesucht hatten und sie völlig zerstörten:

  • Nahezu alle Deckenplatten wurden herausgerissen und zerstört
  • Mehrere Doppelglasfensterscheiben und Fenster wurden zerstört
  • Sonnenblenden wurden komplett zerstört
  • Alle Sitze müssen aufgearbeitet werden, mehrere Sitze sind total zerstört
  • Mehrere Tische stark beschädigt

„Das Innere der Wagen war dermaßen voll mit Aufklebern und Schmierereien, dass man nicht mehr hinein- oder herausschauen konnte,“ sagt Wilmut König fassungslos. „Kurz vor Einfahrt in Bremen wurden dann noch Feuerlöscher entleert, im und am Zug Pyrotechnik gezündet. Das ist akut gefährlich und eine Straftat,“ ergänzt er.

Der zerstörte Zugverband wird für mindestens eine Woche in der Werkstatt bleiben und somit ausfallen. Die Kosten der Reparaturen sind noch nicht vollständig abzuschätzen, können insgesamt aber 100.000 € übersteigen, ein Teil davon muss metronom selbst tragen.

„Die Kosten sind das Eine – die Sicherheit der ehrlichen Fans und aller anderen Fahrgäste aber das Wichtigste“ sagt Görnemann. „In einer solchen Situation ist es für andere Fahrgäste kritisch – für Schwerbehinderte, Familien mit Kindern oder gar Kleinkinder unzumutbar, mit dem Zug zu fahren. Denn nicht jeder will ins Stadion. Hier wurde eine Grenze überschritten.“ so Görnemann weiter.

Für metronom stellen diese randalierenden Fans eine akute Gefährdung für Fahrgäste und Mitarbeiter dar. „Dies werden wir künftig nicht mehr in Kauf nehmen. Die Strategie der Bundespolizei und der Sicherheitskräfte am Bahnsteig (DB Konzernsicherheit) hat an diesem Wochenende leider wieder versagt. Wir erwarten regulierende Einsatzkräfte am Startbahnhof, im Zug und am Zielbahnhof. Diese gab es definitiv zu wenig“ fasst Görnemann zusammen.

„Wir sagen den Chaoten somit klipp und klar: „Wer sich so verhält, wird das nächste Spiel nicht sehen. Wir fahren Euch nicht mehr“.

metronom müsse dem Bremer Innensenator Ulrich Mäurer beipflichten und mit ihm die Forderung unterstützen, dass sich die millionenschweren Vereine endlich an den Sicherheitsmaßnahmen und -Kosten beteiligen. Bisher verweigern die Vereine hier jede konkrete Zusammenarbeit.

Ähnlich verhält es sich mit dem Datenschutzbeauftragten des Landes. Seit langem fordern die Verkehrsunternehmen, die Sicherheitsmaßnahmen, z.B. durch Videoüberwachung in den Zügen, effektiver einsetzen zu können. Dagegen wehrt sich der Datenschutzbeauftragte und fordert sogar das Reduzieren dieser wirkungsvollen Maßnahmen. metronom fordert auch hier eine effektive und schnelle Zusammenarbeit.

„Bis es bei den Vereinen und Fans ein deutliches Umdenken gibt, setzen wir uns dafür ein, Randalierer nicht mehr zu befördern.“ betont Görnemann. „Alle anderen Fahrgäste werden es uns danken!“