Mittwoch , 21. Oktober 2020
Dieter Weihser und seine Mitstreiter wünschen sich Hilfe für die Ilmenau, Fischtreppen wie an der Ratsmühle sollten verbessert werden. Foto: t&w

Therapie für Patient Ilmenau

ca Lüneburg. Lachs und Meerforellen sind Muskelprotze, sie schaffen es, gegen die starke Strömung an den Fischaufstiegstreppen an der Abts- und der Ratsmühle zu schwimmen und so weiter durch die Schlaufen des Oberlaufs der Ilmenau zu mäandern, um Laichplätze zu finden. Karpfen oder die sogenannten Wirbellosen besäßen diese Kraft nicht, sagt Dieter Weihser. Ihnen gelinge der Aufstieg nicht. Weihser, der in der Ilmenau-Initiative aktiv ist, will den Wasserlebewesen quasi den Weg freimachen. Gemeinsam mit Mitstreitern von der Uni setzt er sich unter anderem dafür ein, dass neue Fischtreppen geschaffen werden.

Am Sonnabend, 18. April, lädt die Initiative zu einer Infoveranstaltung in den Hörsaal 5 der Uni an der Scharnhorststraße ein, Motto von 14 Uhr an: „Patient Ilmenau nicht wehrlos!“ Fachleute erklären, welche verschiedenen Aufstiegsmöglichkeiten es gibt und welche Lebewesen Ilmenau und ihre Bäche bevölkern.

Für Weihser steht außer Frage, dass etwas geschehen muss. Grundlage ist die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union, die Deutschland 2001 unterzeichtnet hat und sich damit verpflichtet, Oberflächengewässer in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen. Ein wesentlicher Punkt ist dabei die „Durchlässigkeit“, eben das Schwimmen ohne Hindernisse.

Das sei an den bestehenden Wehren und Fischtreppen an den Lüneburger Mühlen derzeit nicht möglich. Daher müssten andere Aufstiegsmöglichkeiten her. Im Prinzip Betonrinnen, die günstiger gesetzt werden als heute.

Dabei spielt die „Leitströmung“ eine Rolle, an der sich Wasserbewohner orientieren. Dass Denkmalschützer dafür nur begrenzt Begeisterung aufbringen dürften, wenn vor der Stint-Kulisse Röhren im Fluss liegen, ist dem Angler Weihser klar. Man könne sie verkleiden mit Efeu oder Klinker, zudem gebe es im Viertel schon heute Bausünden.

Teuer werden die beiden Treppenlifte für die Fische allerdings schon werden. Mit mehr als einer Million Euro rechnet Weihser. Ausgaben, die Mühlenbesitzer wohl kaum schultern wollen und können. Daher glaubt der ehemalige Polizist, dass die öffentliche Hand in ihr Säckel greifen muss.

Weihser wünscht sich einige Hilfe für die Ilmenau. Denn die versandet an vielen Stellen, damit verschwänden Laichplätze. Einträge aus der Landwirtschaft wie Dünger ließen Pflanzen ins Kraut schießen, das nehme dem Fluss Geschwindigkeit, eine Ursache der Versandung. Wenn dem Patienten Ilmenau eine gute Therapie widerfahre, führe das am Ende zu mehr Artenvielfalt. Das komme dem Fluss zugute und denen, die an dessen Ufern leben.