Mittwoch , 28. Oktober 2020
Bei Johnson Controls muss ein Teil der Zeit- und Leiharbeiter gehen. Die Belegschaft hofft, dass die beiden Lüneburger Werke bald wieder besser ausgelastet sind. Foto: A./ca

Lüneburg: Johnson-Controls-Belegschaft schrumpft

ca Lüneburg. Angekündigt hatte der Konzern es schon vor Monaten, nun wird es ernst: Der Autozulieferer Johnson Controls lässt Verträge für Leih- und Zeitarbeiter auslaufen. Das bestätigt Unternehmenssprecherin Astrid Schafmeister: „Wir kompensieren dadurch den Verlust des Nachfolgeauftrags der Türverkleidung für den Opel Astra und einiger Modellreihen, die in diesem Jahr sukzessive auslaufen.“ Wie berichtet, hatte der Konzern den Opel-Auftrag in das Werk Namestovo in der Slowakei vergeben mit der Begründung dort stelle sich die „Wirtschaftlichkeit deutlich besser dar als in Lüneburg“.

Die rund 1070 Beschäftigten an der Lüner Rennbahn und an der Goseburg, vor allem aber ihre Kollegen auf Zeit, sind mit dem Streichen der Jobs naturgemäß nicht glücklich. Bei der LZ meldeten sich Mitarbeiter, die behaupten, dass bis zum Herbst alle Zeit- und Leiharbeiter gehen sollen, angeblich 160.

Aus Kreisen der Arbeitnehmervertreter ist zu hören, dass in den kommenden Monaten rund 50 Kollegen betroffen sind. Man bedauere das Los derjenigen, aber: „Die Stammbelegschaft ist nicht betroffen.“ Allerdings biete die Werksleitung Mitarbeitern an, in den Vorruhestand zu gehen: „Das muss jeder selber entscheiden, denn so ein Schritt ist ja mit Einbußen bei der Rente verbunden.“

Sprecherin Schafmeister sagt dazu: „Wir bieten vereinzelt an, von der Vorruhestand-Regelung Gebrauch zu machen und freiwillig aus dem Unternehmen auszuscheiden. Im Hinblick auf konkrete Zahlen dazu ist es aber derzeit noch zu früh, da wir das den Mitarbeitern erst vor ein paar Wochen vorgestellt haben. Wir müssen jetzt erst einmal abwarten, ob und wie viele der Mitarbeiter das Angebot annehmen möchten.“

Im Arbeitnehmerlager sieht man mit Sorge, dass angesichts der nicht einfachen Lage in der Automobilindustrie in den kommenden Monaten weitere Aufträge auslaufen. Daher begrüßt mancher, dass der ehemalige Werksleiter Werner Pertek quasi reaktiviert wurde: „Der bemüht sich und hat in der Vergangenheit Aufträge rangeholt.“ Eine Hoffnung: Opel vergibt die Fertigung von Teilen des Insignia an die Ilmenau.

Astrid Schafmeister sagt, dass man bereits Nachfolgeaufträge für Lüneburg akquiriert beziehungsweise Arbeiten vergeben habe, um den Standort zu sichern. So soll etwa die Serienproduktion der Instrumententafel der neuen Mercedes C-Klasse an der Lüner Rennbahn laufen. Und weiter: „Nach wie vor bemühen wir uns darum, weitere Aufträge für unser Werk Lüneburg zu gewinnen. Dazu gehören verschiedene Programme, aber in dieser Hinsicht ist noch nichts entschieden.“