Mittwoch , 28. Oktober 2020
45,9 Meter lang ist die zweite und noch aktuelle Tanja, die der Fährbetrieb einst für 650.000 Mark in den Niederlanden kaufte und umbaute. Foto: t&w

25-jähriges Jubiläum für Elbfähre „Tanja“: Mit Pferd und Trabi fing es 1990 an

pet Neu Darchau. Zwischen 170 und 180 Mal am Tag pendelt die Fähre zwischen den Elbufern hin und her, das sind 60000 Mal im Jahr. 385700 Passagiere machten die Fahrt zwischen Neu Darchau und Darchau allein im vergangenen Jahr, dazu 167800 Kraftfahrzeuge. Über Jahrzehnte dürften das an die zehn Millionen Passagiere und mehr als vier Millionen Kraftfahrzeuge sein, die vom West- an das Ostufer der Elbe und umgekehrt wechselten. Nach 25 Jahren feiert die Elbfähre „Tanja“ am Sonntag, 12. April, ihr Jubiläum ab 11 Uhr mit einem großen Fest am Hafen Neu Darchau (siehe Text unten).

„Mit Pferd und Trabi über die Elbe“ titelte die Landeszeitung im April 1990, als die „Lastenfähre Tanja“ ein halbes Jahr nach der friedlichen „Wende“ in der DDR ihre ersten Fahrten zwischen „Neu Darchau (Bundesrepublik) und Darchau (DDR)“ hinter sich gebracht hatte. Ein Pferdewagen, gezogen von den Kaltblütern Prinz und Leo, rollte in Neu Darchau als Erster auf die Fähre, dahinter kam ein Trabi und dann viele, viele Gäste.

Tausende Neugierige auf beiden Seiten der Elbe waren Zeugen, feierten ein fröhliches Fest. Wenige Monate, nachdem die Fährverbindung bei Bleckede angelaufen war, gab es in der Region eine zweite Verbindung über die Elbe, in der ersten Zeit am Ostufer noch unter dem kritischen Blick von DDR-Grenzern.

Die Rhein-Reederei Maul hatte die erste „Tanja“ damals für 480000 Mark an die Elbe verkauft, Namensgeberin war die Tochter des Reedereichefs ihr Foto hängt noch heute im Fährbüro in Neu Darchau. Drei Jahre lang pendelte die Fähre zwischen Neu Darchau und Darchau, dann reichte die „Tanja I“ nicht mehr aus, der Eigenbetrieb Fähre Neu Darchau, der die Fähre betreibt, fand in den Niederlanden ein größeres Fahrzeug, griff zu und baute sie um Gesamtkosten: 650000 Mark. 45,9 Meter lang ist die Fähre, die noch heute in Betrieb ist, 12,1 Meter breit, der Tiefgang bei vollbeladenem Zustand beträgt 1,20 Meter, die Tragfähigkeit 140 Tonnen.

„Ein Lotteriegewinn“, befand der damalige Bürgermeister von Neu Darchau, Gerhard Habenicht, nach dem Kauf. „Der Einfachheit halber wurde der Name ,Tanja dann beibehalten“, erklärt der Technische Betriebsleiter Ernst-W. Meihöfer. Gemeinsam mit Erwin Kruse und Brigitte Suhrke leitet er den Eigenbetrieb Fähre „Tanja“.

Von den sieben Fährleuten, die heute an sieben Tagen in der Woche, an den Werktagen von 5 bis 21 Uhr, den Betrieb am Laufen halten, sind zwei schon seit 1990 dabei: Frank Stoll, der vor seiner Zeit als Fährführer mit Ausflugsbooten auf den Flüssen und Kanälen Ost-Berlins unterwegs war. „Die neue Tanja und ich haben das gleiche Geburtsjahr, nämlich 1959“, sagt er lächelnd. Und Marian Klärner, zuvor als Vollmatrose für die DDR-Hochseefischerei weltweit auf den Meeren zu Hause.

Mit Hilfe von Hebeln und Knöpfen und mit ganz viel Fingerspitzengefühl bewegen sie und ihre Kollegen die „Tanja“ Tag für Tag sicher zwischen den Fähranlegern am westlichen und östlichen Ufer hin und her. Bei Sonne, aber auch bei Regen, Schneefall oder Nebel, bei Niedrig- und Hochwasser und bei Eisgang. An Bord sind jeweils zwei Besatzungsmitglieder vier Stunden im Ruderhaus, vier Meter über dem Deck, dann für vier Stunden an Deck, um dort die Passagiere abzukassieren, An- und Ablegen zu überwachen.

„In den letzten Jahren haben wir viel Geld in die Technik der ,Tanja investiert“, berichtet Ernst-W. Meihöfer. So wurden vor zwei Jahren die Maschinen erneuert, im vergangenen Jahr wurde der Antrieb auf Dieselelektrik umgestellt. Das spare Treibstoff und sei auch viel leiser, erklärt der Technische Betriebsleiter. Fährführer Frank Stoll erinnert sich: „Manchmal haben uns in den ersten Tagen nach der Umstellung Leute gefragt: Wann fahren wir denn endlich los? Dabei waren wir schon längst unterwegs.“

Ernst-W. Meihöfer ist für die Zukunft der Fährverbindung zwischen Neu Darchau und Darchau zuversichtlich und freut sich auf viele weitere Tausend Touren: „Mit den technischen Umstellungen sind wir für die nächsten Jahre aus dem Schneider.“

Geburtstagsfeier am 12. April im Hafen
Mit einem zünftigen Fest wollen die Betreiber der „Tanja“ das 25-jährige Bestehen der Fährverbindung zwischen Neu Darchau und Darchau feiern – Motto: „Fähre Tanja macht Fest“. Am Hafen Neu Darchau gibt es am Sonntag, 12. April, ab 11 Uhr Freibier, Würstchen, Fischbrötchen und vieles mehr. Besondere Attraktion: Für Fußgänger ist die Passage zwischen den beiden Ufern den ganzen Tag über kostenlos. Unter anderem dabei ist auch die DLRG-Gruppe Hitzacker, die ein Glücksrad anbietet. Bei der Schützengilde Bleckede können Interessierte Lichtpunktschießen ausprobieren, die Energieversorgung Dahlenburg-Bleckede ist mit Elektroauto und Elektrofahrrad dabei. Der Erlös fließt in den Spielplatz Neu Darchau, weitere 1000 Euro schießt dafür die Volksbank bei.