Freitag , 30. Oktober 2020
Bei einem verendeten Waschbären in Lüchow-Dannenberg ist das Staupevirus festgestellt worden, weitere Tiere zeigen Krankheitssymptome. Experten raten Hundehaltern, ihre Tiere zu impfen. Foto: A./tamme

Tierseuche im Nachbarkreis

off Lüneburg. Staupe im Nachbarlandkreis Lüchow-Dannenberg: Wie die Kreisverwaltung gestern mitteilte, ist die Viruserkrankung bei einem Fuchs und einem Waschbären nachgewiesen worden, bei weiteren Waschbären bestehe Staupe-Verdacht. Im Landkreis Lüneburg sind Kreisjägermeister Hans-Christoph Cohrs aktuell keine Krankheitsfälle bekannt. „Trotzdem sollten Hundebesitzer grundsätzlich darauf achten, dass ihre Tiere gegen die Seuche geimpft sind“, sagt er, „Hunde, die sich mit dem Virus infizieren, gehen qualvoll ein.“

Bei der Staupe handelt es sich um eine weltweit bei Hunden und anderen Fleischfressern auftretende Erkrankung, die in ihrem Erscheinungsbild den Symptomen der Tollwutinfektion ähnelt, informiert der Nachbarkreis Lüchow-Dannenberg. Das Virus verbreitet sich über Körperflüssigkeiten. Da sich Waschbären, Füchse und andere Haarraubwildarten auch in der Nähe von Dörfern und Städten aufhalten, ist eine Übertragung auf Hunde möglich. Für Menschen ist Staupe ungefährlich. Das Krankheitsbild ist vielfältig und reicht von Augenentzündungen über Atemwegs- und Darmerkrankungen bis hin zu Störungen des zentralen Nervensystems.

Gehäuft traten Staupefälle im Landkreis Lüneburg 2010 auf, damals wurde die Erkrankung in 18 Fällen nachgewiesen. Kreisveterinär Thomas Volksdorf riet allen Hundebesitzern den Impfstatus ihrer Tiere zu überprüfen, „wer sich darüber nicht im klaren ist, kann das bei seinem Tierarzt kontrollieren lassen“ so seine damalige Empfehlung.

Entdeckt wird die Krankheit oft von Jägern, „wenn wir Tiere in den Revieren finden, die aus ungeklärter Ursache verendet sind, werden sie eingeschickt und untersucht“, sagt Kreisjägermeister Cohrs. 2014 sind beim Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover 116 Tiere eingesandt worden, die entweder tot augefunden wurden oder aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten erlegt worden waren. Darunter waren Dachse, Füchse, Marder, Waschbären und Marderhunde, wobei Füchse die größte Gruppe bildeten (81 Tiere). Bei 25 Prozent der eingeschickten Kadaver konnte der Staupevirus nachgewiesen werden.

Die Sterbewahrscheinlichkeit liegt laut Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) je nach Verlaufsform und Schwere des Krankheitsverlauf zwischen 30 und 80 Prozent. „Einen wirksamen Schutz erreicht man durch prophylaktische Impfungen schon im Jungtieralter“, schreibt das LAVES. Europaweit werde aktuell eine Zunahme von Staupefällen bei Hunden beobachtet. „Hier spielen unter anderem die Virusreservoire Fuchs, Marder sowie vermutlich auch Waschbären, die Impfmüdigkeit der Hundehalter und der zunehmende Ankauf von nicht geimpften oder infizierten Hunden aus dem Ausland eine Rolle“, so das Landesamt.