Samstag , 31. Oktober 2020
Um seine Hunde zu entlasten, spannt Georg Thomalla mitunter ein Quad zwischen Kutsche und Huskys -- ein Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung, mahnt die zuständige Kreisbehörde. Foto: t&w

Husky-Touren droht das Aus +++ mit LZplay-Video

emi Bullendorf. „Go, go, go!“, treiben die Kinder die Huskys lautstark an. Mit rosigen Wangen und strahlenden Gesichtern stehen und sitzen bis zu vier Grundschüler auf einem Gefährt, das von einem Polarhunde-Gespann gezogen wird. „Am Anfang hatte ich ein bisschen Angst“, gesteht der neunjährige Jeremy nach der rasanten Fahrt über den Bullendorfer Deich, „aber dann wars so richtig cool, dann ging es ab!“

Seit ein paar Jahren bietet Georg Thomalla für Gruppen aus sozialen Einrichtungen kostenlose Fahrten auf seinen Husky-Schlitten an. Doch damit könnte bald Schluss sein. Denn ein Brief vom Lüneburger Straßenverkehrsamt lässt den 61-Jährigen das Schlimmste befürchten. Im Fokus steht seine neue, umgebaute Pony-Kutsche für zehn bis zwölf Kinder.
„Herr Thomalla benutzt mit seinem Gespann öffentliche Straßen“, erklärt Kreissprecherin Katrin Holzmann. „Das Problem dabei ist, dass das Gespann verkehrssicher sein muss. Das gilt für ein Auto genauso wie für ein Fahrrad, eine Pony-Kutsche oder eben einen Hundeschlitten.“ Zur Verkehrssicherheit gehörten beispielsweise eine gute Beleuchtung und vernünftige Bremsen aber gerade über letztere soll die Kutsche laut Polizeiberichten nicht verfügen.

Foto: t&w
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Ein weiterer Knackpunkt ist das Quad, ein motorradähnliches Fahrzeug mit vier Rädern, das Georg Thomalla mitunter zwischen Kutsche und Huskys spannt, um seine Hunde zu entlasten. „Man darf Tiere nicht von Kraftfahrzeugen aus führen, das gibt die Straßenverkehrsordnung vor“, mahnt Katrin Holzmann.

Die beste Variante, um zu zeigen, dass das Gespann verkehrssicher ist, sei der Nachweis einer amtlich anerkannten Prüfstelle, gibt die Kreissprecherin Georg Thomalla mit auf den Weg. Doch der kritisiert die Vorgehensweise: „Warum hat sich das bisher niemand vor Ort angeguckt?“ Gerade seine neue Kutsche sei wichtig, um größere Gruppen zu befördern. Durch eine TÜV-Prüfung sieht der 61-Jährige hohe Kosten auf sich zukommen und auch für seine weiteren Fahrzeuge schwarz. „Die meisten Wagen habe ich mir selbst zusammengeschweißt. Damit habe ich keine Chance, durch den TÜV zu kommen“, befürchtet Thomalla. „Wenn ich mir neue Wagen kaufen soll, gebe ich sofort auf. Dafür habe ich schlichtweg nicht die Kohle.“

Eine, die das „furchtbar schade“ fände, ist Karin Rosenberg. Die Sozialpädagogin vom Sozialraumteam des Albert-Schweitzer-Familienwerkes in Bleckede ist extra mit acht Kindern zur Bullendorfer Husky-Ranch gefahren, um den Acht- bis Zehnjährigen ein besonderes Ferienerlebnis zu ermöglichen. „Es wäre traurig, wenn das soziale Engagement von Herrn Thomalla deswegen einschlafen würde“, sagt Rosenberg. „Ich denke, man sollte im Gespräch bleiben und gucken, ob man nicht eine Lösung dafür findet.“

Denn noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Georg Thomalla hat jetzt noch wenige Tage Zeit, um zu der Angelegenheit Stellung zu nehmen. „Er kann auch jederzeit beim Landkreis anrufen“, erklärt Kreissprecherin Katrin Holzmann.

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