Freitag , 30. Oktober 2020
Anwohner haben dieses mögliche Wolfsfoto im Rehlinger Ortsteil Ehlbeck geschossen. Das Tier trottete über die Straße. Foto: nh

Der Wolf vor der Tür

dth Rehlingen. „Wir werden als Dörfler in die Illegalität getrieben, wenn Hannover mit seiner Wolfspolitik so weiter macht“, sagt Rehlingens Bürgermeister Rainer Mühlhausen. „Es kann nicht sein, dass man öffentlich als Angsthase oder Idiot abgestempelt wird, wenn man sich als Bewohner einer Wolfsregion ernsthaft Sorgen macht.“ Anlass für Mühlhausens klare Worte ist eine Wolfssichtung in Ehlbeck, bei der das Tier durch den Ort lief. „Ich will den Wolf nicht abschaffen. Aber ich möchte eine klare Ansage, wie wir mit solchen Situationen umgehen sollen.“

Und der Bürgermeister, der zugleich als Bezirksförster tätig ist, legt nach: „Sollen mir die ganzen Wolfsfans, Grünen und vermeintlichen Ökos doch mal erklären, was ich den Eltern in meinem Dorf raten soll, wenn ihre Kinder auf dem Schulweg morgens zur Bushaltestelle gehen? Fasst euch an die Hände und singt Hänschen klein, damit der Wolf merkt, dass das keine Rehe sind?“ Mühlhausen appelliert an die Bürger, Wolfssichtungen den zuständigen Wolfsberatern zu melden, damit deutlich werde, „dass wir hier keine Spinner sind“.

Aus Sorge, in eine Ecke gestellt zu werden, wollen die Anwohner, die jüngst den Wolf im Ort gesehen haben, ihre Namen nicht in der Zeitung lesen. Die Inhaberin eines Ferienhofes berichtet aber, dass sie am Mittwoch im Garten den Kaffeetisch für Gäste deckte, als sie das Tier die Straße herunter laufen sah, bis mitten auf den Hof neben einer Sandkiste. „Ich habe dann laut in die Hände geklatscht, um den Wolf zu verscheuchen.“ Dann seien zwei Mitarbeiter von der anderen Straßenseite dazugekommen. Daraufhin habe der Wolf langsam kehrt gemacht, sei zum Ortsausgang getrottet, habe sich schließlich auf einem nahen Acker gesonnt. Die Frau sagt: „Das war beeindruckend. Aber ich warne regelmäßig unsere Gäste, dass wir hier Wölfe haben.“ Manche Gäste stornierten aus Sorge um ihre Kinder den Besuch.

Die Situation erinnert an den Wolf der Anfang März in der Ortslage Wildeshausen (Kreis Oldenburg) gesehen worden war. Das Niedersächsische Umweltministerium hatte daraufhin mitgeteilt, dass verhaltensauffällige Wölfe mit Gummigeschossen verscheucht, betäubt oder notfalls auch getötet werden dürften vorbehaltlich der Zustimmung der Naturschutzbehörden. Bei einer Landtagsrede sagte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne): „Ein wichtiger Grundsatz im Umgang mit Wölfen und im Wolfsmanagement ist, dass die Sicherheit des Menschen an erster Stelle steht.“ In der Regel gehe von gesunden Wölfen keine Gefahr aus. In seltenen Fällen könnten aber verhaltens­auffällige Wölfe zum Problem werden.

Gründe für auffälliges Verhalten von Wölfen könnten etwa illegale Fütterungen sein. Dazu Bürgermeister Mühlhausen: „Bei uns wäre keiner so verrückt. Aber im Prinzip ist es mir egal, ob der Wolf angefüttert wurde oder eine schwere Kindheit hatte.“ Auch Mühlhausen weist auf die Bedeutung des Monitorings hin. „Sichtungen müssen gemeldet werden.“

Sichtungen melden

Wer einen Wolf sichtet, sollte das den zuständigen Wolfsberatern mitteilen

  • Wolfgang Baumgärtner, Tel.:  0 41 33/81 64 oder E-Mail: skadis@t-online.de
  • Ralf Neumann, Tel.: 0 41 35/80 83 39 oder E-Mail: ralf-neum@t-online.de
  • Uwe Martens, Tel.: 0 41 34/65 01 oder E-Mail: uwe.martens@freundeskreis-wolf.de
  • Mathias Holsten.: 0 41 31/26 12 09 oder E-Mail: mathias.holstenlandkreis.lueneburg.de