Mittwoch , 28. Oktober 2020
Das Luftbild zeigt einen Teil des Areals,, das die Stadt gerne für Wohnen und Gewerbe nutzen möchte. Zur Orientierung: Links verläuft die Bleckeder Landstraße. Foto: boldt

Wo Lüneburg wachsen könnte

us Lüneburg. In Lüneburg wird emsig gebaut. Ob im Hanseviertel, an der Wittenberger Bahn, der Ritterstraße oder vielleicht schon bald am Ebensberg fast überall, wo sich noch ein freier Platz findet, entstehen neue Wohn- und Gewerbegebiete, sind in Vorbereitung oder Planung. Denn Wohnraum ist Mangelware in Lüneburg. Jetzt hat die Stadt eine weitere Fläche ins Visier genommen, eine, hinter der sie schon lange her ist: das sogenannte „Hanseviertel-Ost“, eine 22 Hektar große Teilfläche auf dem Gelände der ehemaligen Schlieffenkaserne. Das Problem: Noch gehört sie dem Bund. Und der will erst einen Bebauungsplan sehen, bevor er Preise nennt.

„Aktuell sind wir dabei, die Preisverhandlungen mit der BIMA voranzutreiben“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge. BIMA ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, nach dem Abzug der Bundespolizei für die Castor-Einsätze hat sie die frei gewordene Fläche der ehemaligen Kaserne vom Verteidigungsministerium übernommen. Die erstreckt sich von der Bleckeder Landstraße bis zur Lübecker Straße und von der Horst-Nickel-Straße bis zur Ostumgehung.

Doch im Gegensatz zur Stadt drängt es bei der Bundesbehörde nicht. Sie möchte zunächst wissen, was die Stadt mit den Grundstücken und den da­rauf vorhandenen Gebäuden vorhat. Schließlich geht neben Grundstücksgröße und Bausubstanz auch die künftige Nutzung des Geländes in die Preisfindung mit ein. Das bringt die Stadt in Bedrängnis. Denn sie weiß bis heute nicht, ob und wann die Verlängerung für die A39 kommt. Das aber hätte Auswirkungen für die künftige Nutzung des Geländes.

Um dennoch zügig an die begehrten Flächen zu kommen, will die Stadt jetzt den 2013 erlassenen Aufstellungsbeschluss für das Gelände wieder aufheben. Stattdessen soll das Gelände in drei Abschnitte gegliedert werden:

a) in einen Bereich entlang der Bleckeder Landstraße, der die erste Reihe der dortigen Gebäude umfasst,
b) in einen dahinter liegenden, rund neun Hektar großen Bereich bis zur Lübecker Straße und
c) einen ebenfalls rund neun Hektar großen Bereich, der sich östlich an die beiden anderen anschließt und bis zur Ostumgehung reicht.

Während der erste Bereich durch die künftige Nutzung der vorhandenen Gebäude unverändert bleibt, sollen in der nördlich angrenzenden Fläche b nur die vorhandenen großen vier Kasernenblöcke erhalten bleiben. Alle anderen Gebäude sollen abgerissen, die freien Flächen für Wohnen und Mischgebiete genutzt werden. Dies soll mit dem Bebauungsplan „Hanseviertel-Ost-Wohnen“ beschlossen werden. Das Gelände c soll per separatem Bebauungsplan „Hanseviertel-Ost-Gewerbe“ als künftiges Gewerbegebiet ausgewiesen werden. Allerdings soll hier noch der Planfeststellungsbeschluss für die A39 abgewartet werden.

Interessenten für die Grundstücke und Gebäude in den Flächen a und b stehen bei der Stadt bereits Schlange. Mädge: „Die Nachfrage übersteigt das Angebot um das Zwei- bis Dreifache.“ Kaufwillige sind die Gesundheitsholding, aber auch Dienstleister und sogar eine Gruppe junger Leute, die eines der ehemaligen Kasernenblöcke für ein alternatives Wohnprojekt erwerben möchte. „Klar ist: Die Gebäude müssen von den Käufern entsprechend den geltenden baurechtlichen Anforderungen grundsaniert werden“, sagt Mädge. Nach Einschätzung von Stadtbaurätin Heike Gundermann aber hätten die Gebäude nicht nur eine „super Substanz“, sondern auch städtebauliche Qualität. „Deshalb soll auch das Erscheinungsbild der Gebäude unverändert bleiben“, sagt die Stadtbaurätin.

Der Erwerb der Grundstücke und Objekte soll zunächst über die Stadt oder stadteigene Einrichtungen erfolgen, die weitere Vermarktung an Dritte die Sparkassentochter IDB übernehmen. Wichtiges Ziel dabei: 30 Prozent des künftigen Wohnraums sollen sozialverträglich, also zu Mieten zwischen 6 und 7 Euro pro Quadratmeter, angeboten werden. Dies soll mit Hilfe entsprechender Fördermittel von Bund und Land, „der Rest gegebenenfalls über Quersubventionierung erreicht werden“. Auch auf die Stadt werden Kosten zukommen, für die Erschließung des Geländes rechnet Mädge mit einem siebenstelligen Betrag „im unteren Bereich“. Ob die Pläne der Stadt tatsächlich umsetzbar sind, wird sich aber erst zeigen, wenn die BIMA erstmals Preise genannt hat. Das weiß auch Mädge: „Wenn der Kaufpreis zu hoch ist, geht die Rechnung nicht auf.“

Die Bebauungspläne sind heute, 16. März, Thema im Bauausschuss.