Freitag , 30. Oktober 2020
An- und Abfahrt zu Kran und Altem Kaufhaus ist für Kutscher Andreas Gensch in diesem Jahr schwierig. Foto: nh

Kutschen als Bremsklötze? Gedankenspiele über „Ausweg“ aus dem Wasserviertel

ca Lüneburg. Die Fahrt mit der Kutsche ist gemächlich, ein Vergnügen, wenn es über Plätze und durch Gassen geht. Auf dem Stadtring hingegen wirken Pferde und Wagen zwischen Fahrzeugen mit deutlich mehr Pferdestärken wie Bremsklötze. Doch offenbar bestehen in der Verwaltung Überlegungen, die Kutschen dort fahren zu lassen. Das berichten die Kutscher Andreas Gensch und Jens Bußmann übereinstimmend.

Grund ist der Wiederaufbau des Lösecke-Hauses. Der Stintmarkt ist deswegen blockiert. Die Folge: Die Fuhrunternehmer können das Wasserviertel nicht mehr auf dem üblichen Weg ansteuern und verlassen. Abfahren sollen die Kutschen so die Idee, die sie aus dem Rathaus gehört haben über die Scholze-Kreuzung. Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck reagiert überrascht, sichert auf Nachfrage zu: „Es wird eine andere Lösung geben.“

Im Ordnungsamt haben die Kutscher unterschiedliche Varianten präsentiert bekommen. Bußmann sagt, ihm habe man erklärt, er solle unter anderem von der Scholze-Kreuzung kommend nach rechts in die Schießgrabenstraße abbiegen, um an der Altenbrückertorstraße zum Platz Am Sande zurückkehren zu können. Davon hält er nichts: „Die Autofahrer sind sauer auf uns, für Touristen ist die Strecke unattraktiv.“

Gensch wiederum spricht von einer anderen Abfahrt: Ihm habe man gesagt, er solle an der Scholze-Kreuzung links abbiegen, um über Schifferwall und Reichenbach- zur Bardowicker Straße zu gelangen. Er kann damit leben: „Die einzige Möglichkeit, um wegzukommen.“

Wer sich auskennt oder auf den Stadtplan schaut, findet noch einen anderen Ansatz: Die Fahrer könnten von der Lünertorstraße nach links in den Werder abknicken, über die Kaufhausstraße zurück zum Kran, von dort über die Ilmenau am Lokal Pons vorbei ins Wendische Dorf, um von dort über die Baumstraße entgegen die Einbahnstraße zur Bardowicker Straße zu fahren. Diese Streckenführung kennen auch die Kutscher, sagen aber, dass Anwohner dies ablehnen würden

Die Stadtpressesprecherin vermutet, die Stadtring-Variante sei vielleicht ein Gedankenspiel gewesen, „aber das ist nicht Linie unseres Hauses“. Die Frage, ob der Anruf der LZ vielleicht für eine andere Bewertung sorge, wollte Suzanne Moenck nicht kommentieren. Die Abfahrt über die Baumstraße wäre eine „theoretische Abflussmöglichkeit“, aber entschieden sei nichts: „Wir haben noch keine Lösung.“

In diesem Jahr sei die Lage schwierig, erklärt die Sprecherin. Denn neben der Lösecke-Baustelle gebe es im Viertel weitere Baupläne, die zu Hindernissen führen könnten. Misslich für die Kutscher, die Besuchern natürlich eine der schönsten Seiten Lüneburgs zeigen wollen.