Freitag , 30. Oktober 2020
Nach Ärger zwischen Wassersportlern und Naturschutz ist Kanufahren auf der Ilmenau möglicherweise bald nur noch unter Auflagen erlaubt. Foto: t&w

Regeln fürs Kanuwandern?

emi Lüneburg. Müll, der achtlos ins Wasser geworfen wird, laute Musik, die rücksichtslos die Tierwelt beschallt und geschützte Uferbereiche, an denen sinnlos Fauna und Flora niedergetrampelt werden: Zuletzt sind an der Ilmenau im Kreis Lüneburg immer wieder auch Paddler und Kanufahrer in die Kritik geraten, die außerhalb der ausgewiesenen Ein- und Ausstiegsstellen ihre Boote verlassen.

Um seine Flüsse und deren Uferbereiche als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu schützen, hat der Landkreis Harburg im Jahr 2002 eine sogenannte „Paddelverordnung“ erlassen. Weil darin gerade an Himmelfahrt und Pfingsten das Befahren der Este, Seeve und Luhe stark einschränkt wird, weichen offenbar viele Kajak- und Kanufahrer auf Gewässer ohne Restriktionen aus zum Beispiel die Ilmenau. Pünktlich zum Start in die Kanu-Saison denkt man nun auch im Kreis Lüneburg über Regelungen nach. Seit Januar dieses Jahres diskutieren Naturschutzverbände, Kanuverleiher und Vertreter von Stadt und Kreis an einem Runden Tisch über das Thema.

„Vor rund 15 Jahren haben wir uns schon einmal damit beschäftigt“, sagt Stefan Bartscht, Fachdienstleiter Umwelt bei der Unteren Naturschutzbehörde. Im Jahr 2000 wurde an Luhe und Ilmenau das Projekt „Umweltverträgliches Kanuwandern“ durchgeführt. Damals wurden etwa Schautafeln und Flyer entwickelt, um zu veranschaulichen, welche Stellen für das Ein- und Aussteigen in Kanus geeignet sind. Doch diese Maßnahmen reichen offenbar nicht mehr aus.

„Zuletzt haben die Naturschutzverbände gemeldet, dass das Verhalten einiger Menschen immer störender wird“, sagt Bartscht. Bei Deutsch Evern machten im vergangenen Sommer beispielsweise gedankenlose Zeitgenossen auf sich aufmerksam, die leere Flaschen in die Nisthöhlen des Eisvogels stopften und den schillernden Vogel damit vertrieben.
Vor diesem Hintergrund war ein Kanu-Verleiher gemeinsam mit dem Naturschutzbund (Nabu) an den Fachdienst Umwelt mit der Bitte herangetreten, zu einem Runden Tisch einzuladen, um Lösungsansätze zu erörtern.

Im Gespräch sind derzeit etwa die Begrenzung von Bootsgrößen und -typen, die Festlegung von Mindestwassertiefen und Einschränkungen für bestimmte Tages- und Jahreszeiten. Aber auch eine Registrierung der Boote wird laut Bartscht diskutiert: Die Benutzer der nummerierten Boote müssen ihre persönlichen Daten beim Verleiher angeben bevor sie lospaddeln. Passieren in diesem Zeitraum Verstöße, können die Verursacher besser identifiziert werden.

„Wir wollen nicht den Paddelsport verteufeln“, betont der Fachdienstleiter Umwelt, „denn viele achten auf die Natur. Wir wollen lediglich die schwarzen Schafe herauspicken.“
Sofern sich alle Beteiligten am Runden Tisch auf eine Lösung einigen können, müsste im nächsten Schritt überlegt werden, ob solche Regelungen überhaupt und wenn, auf welchem Wege, umgesetzt werden. Ob es künftig also ähnliche Vorschriften wie im Kreis Harburg für die Lüneburger Gewässer Ilmenau, Neetze und Luhe geben wird, ist derzeit noch völlig offen.
Die letzte Entscheidung über eine mögliche Verordnung trifft der Kreistag. Weil im Vorfeld die politischen Gremien darüber beraten müssen, ist in dieser Saison nicht mehr mit der Umsetzung zu rechnen.

Denkbar wäre laut Stefan Bartscht jedoch, dass die Bootsverleiher auf freiwilliger Basis Maßnahmen durchführen.