Mittwoch , 28. Oktober 2020

Beim Bauen wollen Bürger mitreden

ca Lüneburg. Der Abriss der Ibus-Villa an der Lessingstraße und der geplante Neubau eines Fünf-Parteien-Hauses war der Anstoß: Anwohner sind der Meinung, das Gebäude passe nicht ins Rote Feld. Und so wie dort machen sich auch andere Sorgen über Veränderungen in ihren Vierteln. Aus dem Protest ist die Bürgerinitiative Bauentwicklung erwachsen, die sich stärker einmischen möchte, wenn es um Veränderungen geht. Die Gruppe lädt für den kommenden Donnerstag, 26. Februar, von 19.30 Uhr an zu einem Treffen in die Aula der Universität am Wilschenbrucher Weg ein.

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Die Grafik stammt von Prof. Dr. Heiner Willenberg. Sie basiere auf den Daten von Geoplan und zeige, wo in Lüneburg Bebauungspläne gelten (blau umrandete Flächen). Nicht überplant sind laut Willenberg die anderen Flächen. Er nennt beispielsweise im Bereich Albert-Schweitzer-Straße/Zeltberg 10 Straßen, Witzendorfstraße: ca. 12 Straßen, Hölderlinstraße: ca. 8 Straßen, Am Galgenberg: ca. 8 Straßen, Oedeme: Ernst-Braune-Straße/ Oedemer Weg/ Korb ca. 8 Straßen, Bockelsberg-Ost: ca. 6 Straßen, Am Waldfriedhof: Deutsch-Evern-Weg: ca. 10 Straßen. Quelle: willenberg

Dr. Rolf Johannes und Prof. Dr. Heiner Willenberg gehören zu den Motoren der Gruppe. Sie sind nicht generell gegen Veränderungen. Doch sie und ihre Mitstreiter wollen, dass sich Neubauten in ein Viertel einpassen müssen. Und sie sind sich sicher, dass die Stadt Investoren sehr viel mehr gestalterische Vorgaben machen könnte als bislang. Dabei verweisen sie auf die niedersächsische Bauordnung, die Kommunen ein großes Mitspracherecht einräume.

Damit widersprechen sie Aussagen von Oberbürgermeister Ulrich Mädge und dessen Mitarbeitern. Die waren Ende vergangenen Jahres zu einer Veranstaltung der Initiative gekommen und hatten vor mehr als 200 Zuhörern darauf verwiesen, dass ihnen oftmals die Hände gebunden seien. So könnten sie aufgrund der geltenden Regeln beispielsweise Geschosshöhen, Dachformen und Abstände vorgeben. Doch es sei durchaus möglich, für einen weggerissenen Altbau einen größeren Ersatz zu bauen. Denn die Größe orientiere sich auch an anderen Gebäuden an der Straße.

Prof. Dr. Heiner Willenberg und Dr. Rolf Johannes verweisen noch auf einen anderen Aspekt: Durch eine Veränderung des Baugesetzbuches im Jahr 2013 gelten nach ihrer Auffassung für zehn Gebiete in der Stadt Lüneburg gar keine Bebauungspläne mehr. Dort seien also weitreichende Verän-derungen möglich.
Zu ihrer erneuten Info-Veranstaltung wollen sie auch Oberbürgermeister Mädge und dessen Mitarbeiter aus der Bauverwaltung einladen.