Freitag , 30. Oktober 2020
In Lopau ist eine Spaziergängerin jetzt auf ein Rudel Wölfe getroffen. Die Tiere waren neugierig, die Frau flüchtete sich zu ihren Auto. Foto: A./t&w

Unter Wölfen: Unheimliches Rendezvous bei Lopau

emi Amelinghausen. Lopau, ein sonniger Freitagmittag im Februar: Anja Nowak geht gerade mit zwei Hunden auf dem Töpferweg in Lopau spazieren, als in rund 200 Meter Entfernung plötzlich Tiere in ihr Blickfeld geraten. Vorsichtshalber leint die 46-Jährige die beiden Golden Retriever an. Erst, als der Pulk nahe genug herangekommen ist, erkennt die Amelinghausenerin: Es sind Wölfe. Sieben Exemplare zählt sie später. Zunächst versteckt sie sich zwischen Bäumen. Doch die Wölfe kommen näher, ein Hund bellt. Die 46-Jährige gerät in Panik, geht mit den Hunden zurück zum Auto. Die Wölfe folgen dem Trio in sicherem Abstand, lassen sich auch durch lautes Schreien nicht vertreiben. Nach rund 15 Minuten sind sie plötzlich verschwunden. Völlig aufgelöst erreicht Anja Nowak schließlich ihren Wagen, bei ihrem Nachbar in Amelinghausen bricht sie zusammen.

Ich möchte einfach nur die Information weitergeben, die Geschichte weder verharmlosen noch dramatisieren. Mir ist wichtig zu sagen, dass die Wölfe keinerlei Drohgebärden gezeigt haben. Anja Nowak

Seit ein Fachmagazin über den Vorfall berichtet hat, macht die Geschichte in der Region die Runde. Und die Wellen schlagen hoch in der Debatte um die Rückkehr von Isegrim zu hoch, findet Anja Nowak. Sie distanziert sich von der Berichterstattung des Fachmagazins: „Ich möchte einfach nur die Information weitergeben, die Geschichte weder verharmlosen noch dramatisieren. Mir ist wichtig zu sagen, dass die Wölfe keinerlei Drohgebärden gezeigt haben.“

Wolfsberater Uwe Martens hat noch am selben Tag am Töpferweg Spuren festgestellt, die möglicherweise von den Wölfen und Hunden stammen. Ähnlich wie Nowak warnt der 43-Jährige vor Panikmache. Aber er sagt auch: „Es wird immer erzählt, dass Wölfe Reißaus nehmen, wenn sie den Menschen drei Kilometer gegen den Wind riechen. Das stimmt nicht. Sie haben zwar eine gewisse Grundscheu, aber sie sind keine Fluchttiere, da sie in der Nahrungskette sehr weit oben sind.“ Vor allem Jungtiere seien neugierig und kämen oft dicht an Menschen heran. „Gefährlich wird es, wenn sie die Scheu in der Pubertät nicht verlieren. Aber das ist unnatürlich.“

Wir können den Menschen nach derzeitiger Gesetzeslage nicht helfen. Jäger können nichts anderes machen als dem Wolf klatschend hinterherzurennen. Torsten Broder

Angesprochen auf den Fall in Lopau, kann sich der Vorsitzende der Lüneburger Jägerschaft einen Kommentar nicht verkneifen: „Wir können den Menschen nach derzeitiger Gesetzeslage nicht helfen“, sagt Torsten Broder. „Jäger können nichts anderes machen als dem Wolf klatschend hinterherzurennen.“ Man müsse den Bürgern aber deutlich machen, „dass die Wölfe in der Gegend sind und dass sie uns weiter beschäftigen werden“. Schilder, die auf die grauen Räuber aufmerksam machen, hält Broder deshalb für eine Möglichkeit. Und ist sich darin mit Wolfsberater Uwe Martens einig: „Wenn man mitten in einem Wolfsgebiet spazieren geht, sollte man vorher wissen, dass man einem Wolf begegnen kann.“

Nachdem ein Wolf im Landkreis Vechta in der Nähe eines Waldkindergartens gesichtet worden war, nahm jetzt Almut Kottwitz, Staatssekretärin im niedersächsischen Umweltministerium, Stellung: „Die Sicherheit des Menschen steht an erster Stelle. Sollte es belastbare Hinweise auf ein auffälliges Verhalten eines Wolfes geben, müssen geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um eine Gefährdung auszuschließen.“ So könne der Wolf vertrieben oder eingefangen werden. Grundsätzlich sei sie überzeugt, dass ein Nebeneinander von Mensch und Wolf in Niedersachsen möglich ist. „Ein sachlicher Umgang, der weder die Probleme und Gefährdungen im Einzelfall verharmlost, noch den Wolf als generelle Gefahr darstellt, ist bei diesem emotionalen Thema sehr wichtig.“