Dienstag , 27. Oktober 2020
Gerade erst war Richtfest am Zentralgebäude der Lüneburger Universität. Im Keller soll eine Maschinenhalle untergebracht werden, doch das Ministerium lehnt das derzeit ab. Foto: t&w

Maschinenhalle der Leuphana: Ministerium lehnt Keller-Pläne ab

mm Lüneburg. Auch die Ingenieure an der Leuphana sollen über kurz oder lang vom Technik-Campus Volgershall an die Scharnhorststraße umziehen. Im Keller des neuen Zentralgebäudes auf dem Campus soll eine Maschinenhalle eingerichtet werden. So plant und propagiert es die Uni-Leitung seit längerem. Bedenken aber, ob der Maschinen-Park dort überhaupt genug Platz finde, gab es auch schon länger. Die LZ hat im niedersächsischen Wissenschaftsministerium (MWK) nachgehakt. Und da heißt es: Der Antrag für den Bau der Maschinenhalle wurde abgelehnt.

Uni-Pressesprecher Henning Zühlsdorff dagegen versichert: „Die Leuphana hat weiterhin vor, eine rund 560 Quadratmeter große Fläche im Keller des Zentralgebäudes für zum Beispiel Bearbeitungszentren, Dreh-, Fräs- und Bohrmaschinen sowie alle weiteren Ausstattungsgegenstände zu nutzen.“ Das Ministerium zieht dabei offenbar aber nicht mit. Denn der Antrag vom Juni 2013 zur Unterbringung einer Maschinenhalle im Zentralgebäude wurde nicht genehmigt. „Der Bedarf der Verlagerung der beantragten Flächen war aus Sicht des MWK nicht plausibel begründet. Zudem waren die damit verbundenen Kosten nicht ausreichend dargelegt“, erklärt Ministeriumssprecherin Margit Kautenburger. Das Land bezuschusst das Zentralgebäude mit 21 Millionen Euro.

Dem Technischen Lehrstuhl der Leuphana in Volgershall sind die Ingenieurswissenschaften angegliedert, als Schwerpunkte können Automatisierungs- und Produktionstechnik gewählt werden. Ohne den Bau einer neuen Maschinenhalle wäre der Lehrstuhl auf Sicht gefährdet. Beteuerungen der Uni zum Trotz heißt es in der schriftlichen Antwort des Ministeriums an die LZ: Das Thema werde von der Leuphana momentan nicht weiter verfolgt.

Die Liegenschaft Volgershall ist ein Finanzierungsbaustein für das zurzeit 72,3 Millionen Euro teure neue Zentralgebäude nach Plänen von Daniel Libeskind. Einnahmen aus Verkauf und Vermietung sind in der Baukostenrechnung einkalkuliert.

Bis spätestens Anfang 2017 soll das Gebäude fertig sein. „Der Umzug des Technischen Lehrstuhls wird nach der Fertigstellung erfolgen“, sagt Uni-Sprecher Zühlsdorff. Bis dahin solle der Betrieb der Maschinenhalle in Volgershall uneingeschränkt stattfinden.

Oder gibt es doch ganz andere Ideen? Skeptiker fürchten, dass das Ingenieursstudium in Lüneburg ein Auslaufmodell ist und ein ähnliches Schicksal erleidet wie vor Jahren der Ingenieurs-Standort Suderburg: Erst im Jahr 2009 hatte die Leuphana ihr zweites technisches Standbein in Suderburg abgestoßen. Als Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften ging der Campus, rund 40 Kilometer von Lüneburg entfernt, damals über in die Hand der Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel.

Auslöser für die Befürchtungen sind auch die Aktivitäten der Leuphana in Celle. Wie berichtet, plant die Leuphana dort eine Zweigstelle. Ab dem Wintersemester 2017 soll nach derzeitigem Stand ein berufsbegleitender Studiengang für Meister und qualifizierte Fachkräfte etabliert werden. In Celle ist obendrein die Technische Universität Clausthal aktiv, errichtet dort ein Zentrum für Tiefbohrforschung. Das brachte auch Professoren in Lüneburg ins Grübeln, ob der TU Standort Celle womöglich eine Alternative für den technischen Lehrstuhl wird. Nachfragen dazu bei der Uni-Leitung seien bisher aber stets verneint worden, heißt es aus Volgershall.

Behandelt wurde das Thema jüngst auch im Landtag. Anlass war der Besuch von Leuphana-Vize Holm Keller beim Celler Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende. Vorgestellt wurden die Pläne für eine Kooperation im Bereich der berufsbegleitenden Ausbildung. Am nächsten Tag berichtete die Cellesche Zeitung, das Land habe dem Antrag schon formal zugestimmt. Daraufhin wollten Thomas Adasch (CDU) und Jörg Bode (FDP) von der rot-grünen Regierung erfahren, ob nun ein Uni-Campus der Leuphana nach Celle kommt.

Das Ministerium rudert in der Antwort zurück: „Die Landesregierung plant angesichts der demografischen Entwicklung und der begrenzten Finanzmittel zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine neuen Universitätsstandorte. Ihr Ziel ist es vielmehr, die bestehenden Standorte zu festigen und sie in ihren Stärken zu unterstützen“, heißt es.