Samstag , 31. Oktober 2020
Maulwürfe sind dieser Tage wieder fleißig am Werk. Besonders im Kurpark haben sie ganze Arbeit geleistet, die kleinen Erdhügel stehen dort dicht an dicht. Ein Anblick, der viele Menschen verwundert oder verärgert. Foto: be

Maulwürfe machen Kurpark zur Kraterlandschaft

jdr Lüneburg. Erdhügel wohin das Auge blickt Talpa europaea, der in unseren Gefilden beheimatete Europäische Maulwurf, hat den Lüneburger Kurpark fleißig untertunnelt und eine erstaunliche Kraterlandschaft hinterlassen. „Der ganze Rasen ist umgepflügt“, ärgert sich der Lüneburger Herbert Klement und findet: „Das ist kein schöner Anblick.“ Der ehemalige Naturbeauftragte der früheren Bezirksregierung stört sich an der Kulisse, die das ausdrücklich per Gesetz geschützte Tier hinterlassen hat. Zwar sind die kleinen Haufen immer mal wieder in Lüneburgs schönster Grünanlage zu sehen, doch seiner Einschätzung nach „gab es noch nie so viele Maulwürfe, alle 40 Zentimeter ist ein Erdhügel zu sehen“. Ästhetikfreund Klement sei zwar bewusst, dass man nicht gegen das Tier vorgehen darf, wohl aber am Erscheinungsbild der Grünflächen feilen kann. „Ich habe kein Rezept, aber ich wünsche mir, dass etwas gegen die Haufenflut unternommen wird.“

Für Thomas Mitschke, Vorsitzender des Naturschutzbundes Lüneburg, ist die Wahrnehmung der Maulwurfs-Überpopulation subjektiv. „Unsere Natur funktioniert so das Problem liegt hier eindeutig beim Menschen, beim falschen Verständnis von Ordnung und Sauberkeit“, findet der Naturschützer. Dass der Maulwurf in dieser Jahreszeit aktiver ist, führt Mitschke auf die Futtersuche der Tiere zurück. Die aktuell eher feuchte und lockere Erde ermögliche es ihnen, anders als bei trockenem oder hartem Boden auch oberflächennah auf Beutejagd zu gehen. „Zudem ist der Maulwurf ein sehr geräuschempfindliches Tier, und momentan ist im Kurpark einfach weniger los, kaum Erschütterung, das nutzt er natürlich aus“, erläutert der Experte.

Bei der städtischen Tochtergesellschaft Abwasser, Grün & Lüneburger Service GmbH, die für die Pflege der öffentlichen Grünanlagen in der Hansestadt zuständig ist, versichert Frank Stanowski, kommissarischer Leiter des Betriebshofes: „Wir machen das, was in unserer Macht steht: die Flächen abharken, sie damit glätten und den Boden durch Tritte wieder verdichten. Mitunter werden hier und dort auch Rasensamen nachgesät.“ Das werde beizeiten geschehen, noch vor der Mähsaison. Stanowski stellt aber klar: „Wir stellen keineswegs Fallen auf oder lauern den Tieren sonst irgendwie auf der Maulwurf ist streng geschützt, denn er ist ein für die Bodenstruktur nützliches Tier.“