Freitag , 7. August 2020
Foto: A./boldt

Kaltenmoor: Auch ein Stück Heimat +++ Ein Plädoyer

von Dirk Hartkopf

Meine Eltern haben sich ihren Traum verwirklicht. 1969 parkte der VW Käfer in der neuen Garage, unmittelbar vor dem Eckreihenhaus an der Erwin-Von-Witzleben-Straße. Dort verbrachte ich meine Kindheit und Jugendzeit. Wir gingen Schwimmen im Sommer im Freibad Hagen, und im Winter rodelten wir den Berg dahinter hinunter. Ich lernte an der Anne-Frank-Schule und später an der Kopernikusschule. Meine damalige Welt bestand aus maximal einem Kilometer Radius. Es war alles in der Nähe. Eine kleine, glückliche, ausgeglichene Welt.

Mit 14 Jahren erweiterte sich mein Radius dann auf die ganze Stadt. In Oedeme spielte ich Fußball, in der Goseburg ging ich in die Disco, am Marktplatz kaufte ich meine Jeans. Auf die Frage, wo ich wohne, sagte ich zunächst „Kaltenmoor“, später „Kaltenmoor, linke Seite, aber wo die Reihenhäuser sind“. Irgendwann hieß es nur noch „in der Nähe von Hagen“.

Ich sagte das nicht, weil ich mich für meinen Stadtteil schämte. Ich sagte es, weil ich es leid war, mich für etwas zu entschuldigen, für das ich oder viele andere in diesem Stadtteil nicht verantwortlich waren. Für die Taten Einzelner.

Kaltenmoor gehört zu Lüneburg, genauso wie Wilschenbruch oder das Rote Feld. Nur hier wird bewusster Integration gelebt, und die stößt manchmal an schmerzhafte Grenzen. Aber gerade dann und besonders jetzt sollte man diesen Stadtteil nicht aufgeben. Es ist immer noch ein großes Stück Heimat für viele Lüneburger. Auch 45 Jahre später werden dort immer noch Träume geboren und ziehen Eltern ihre Kinder groß.