Dienstag , 20. Oktober 2020
13 Jahre war Heinz A. Kleiske Obermeister der Innung für Informationstechnik. Jetzt wurde sie mangels Mitglieder aufgelöst. Foto: A/be

Eine Innung meldet sich nach 57 Jahren ab

kre Melbeck/Lüneburg. Die kleinen, Inhaber geführten Fernseh- und Radiofachgeschäfte sind schon lange aus dem Stadtbild verschwunden. Seit dem 31. Dezember ist nun auch die Innung für Informationstechnik endgültig Geschichte. Beschlossen worden war ihre Auflösung von der Mitgliederversammlung bereits im März 2014 zum Jahresende haben wir das Buch nun endgültig zugeklappt“, sagt der letzte Obermeister der Innung, der Melbecker Heinz-Arthur Kleiske, der 13 Jahre das Ehrenamt innehatte.

Obwohl die Innung Betriebe aus sechs Landkreisen vertrat, litt ihre Mitgliederzahl in den vergangenen Jahren zusehends unter akuter Schwindsucht. ,,Zum Schluss waren wir nur noch zehn Mitgliedsbetriebe“, rekapituliert Kleiske. Zu wenig, um die Aufgaben einer Innung mit Leben zu füllen.

Dabei ist es auf den ersten Blick eigentlich paradox, dass in Zeiten modernster Informations- und Kommunikationstechnik ausgerechnet die Innung für Informationstechnik die Segel streichen musste. Schuld daran hat letztlich wohl auch die Geiz-ist-Geil-Mentalität der Verbraucher. Getreu dem Werbeslogan ,,Ich bin doch nicht blöd“ stürmen die lieber die Elektronikgroßmärkte auf der Jagd nach vermeintlichen Schnäppchen. Da wird auch nicht mehr groß repariert. Da wird, sofern die Gewährleistungsfrist noch nicht abgelaufen ist, ,,das Gerät getauscht, beziehungsweise gleich ein Neues gekauft“, beobachtet der ehemalige Innungs-Obermeister. Ob dieses Kundenverhalten nachhaltig, sinnvoll und ressourcenschonend ist, steht auf einem anderen Blatt.

Im Konzert der Großen konnten und können viele kleine Geschäfte da jedenfalls nicht mehr mithalten. In der Chronik der aufgelösten Innung heißt es dazu unter anderem, dass Betriebe ,,sich aufgrund der für das eigentliche Handwerk immer ungünstiger werdenden Wettbewerbssituation aus dem Markt zurückziehen mussten“. Und das in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum: ,,Im Jahr 2000 zählten wir in der Innung noch mehr als 50 Mitgliedsbetriebe“, erinnert Kleiske.

Und so, wie sich die Zahl der Betriebe minimiert hat, ist zwangsläufig auch die Zahl der Lehrlinge im Informationstechniker-Handwerk zurückgegangen von bundesweit ehemals 7200 im Jahr 1997 auf zuletzt weniger als 2300 im Jahr 2013.

Doch in jedem Ende steckt bekanntlich auch ein Neuanfang: Das trifft auch auf die nach 57 Jahren aufgelöste Innung zu. ,,Wir wollen nicht jammern“, sagt Kleiske. ,,Die Entwicklung ist halt so, wie sie ist, das lässt sich nicht mehr ändern.“ Für die Zukunft aber wollen die verbliebenen Informationstechniker-Betriebe neue Wege beschreiten und sich der Innung für Elektrotechnik anschließen. Für Kleiske macht das Sinn. Denn längst hat die Informationstechnik die Gebäude und Wohnungen erobert, lassen sich Heizungen, Licht und Rolläden über Smartphone steuern, der Inhalt des Kühlschranks auf dem Rechner überprüfen und die Photovoltaikanlage aus der Ferne kontrollieren. Ein vielfältiges Aufgabengebiet für Energie- und Gebäudetechniker, genauso, wie für Informationselektroniker mit dem Schwerpunkt Geräte- und Systemtechnik.