Samstag , 24. Oktober 2020
Uni-Vizepräsident Holm Keller, hier bei einem Semesterauftakt, hatte für das KIC-Projekt namhafte Unternehmen und Forschungseinrichtungen geworben. Foto: t&w

Leuphana geht leer aus – Uni-Pleite bei Milliarden-Projekt

mm Lüneburg. KIC. Diese drei Buchstaben verzauberten über Monate die Uni-Leitung in Lüneburg, es sollte der nächste große Coup an der Leuphana werden dieses Mal war der Geldtopf milliardenschwer, es ging nicht nur um 100 Millionen wie beim Innovationsinkubator. Die Leuphana hatte sich in einem Verbund mit 64 Partnern für eine Wissens- und Innovationsgemeinschaft (kurz KIC genannt) im Gesundheitssektor beim Europäischen Institut für Innovation und Technologie (EIT) beworben. Was Rang und Namen hatte, war dabei. Doch es gab europaweit drei weitere Anträge. Dienstag fiel die Entscheidung in Budapest. Und das von der Leuphana angeführte Konsortium ging leer aus.

Für die Uni ein schwerer Schlag, schließlich laufen Mitte 2015 wichtige von der EU geförderte Inkubator-Projekte aus, für viele Wissenschaftler auf Zeit wird es vermutlich keine Anschlussverträge geben.

In Budapest konnte dafür das Konsortium InnoLife jubeln. Es wird nun das großangelegte EU-Vorhaben mit dem Titel „Gesund leben und aktiv altern“ mit mehr als 140 Partnern aus der Wirtschaft sowie von Forschungseinrichtungen und Universitäten umsetzen. Die Partner kommen aus 14 EU-Ländern. Mit darunter sind der spanische Ableger des US-amerikanischen Pharma­riesen Abbott Laboratories, aus Frankreich das Nationalinstitut für Gesundheit und Medizinische Forschung und die englische Universität Oxford. Bis 2018 will das InnoLife-Konsortium, so hieß es in Budapest, pro Jahr unter anderem 70 neue Start-up-Unternehmen in der Gesundheitsbranche anschieben. Zudem sollen 2016 bis zu 80 Geschäftsideen entwickelt werden, 2018 dann schon 140.

Auch die Leuphana sah sich eigentlich gut gerüstet für diesen großen Wettbewerb, hatte namhafte Unternehmen und Forschungseinrichtungen im Verbund. Zu den Partnern gehörten unter anderen die Harvard Universität, das MIT Media Lab, die chinesische Sun Yat Sen Universität oder auch Kroatien und die Republik Malta. Von Seiten der Unternehmen schlossen sich beispielsweise die Impfstoffhersteller Novartis Vaccines und Sanofi-Pasteur an. Über zwei Jahre arbeitete das Konsortium an dem KIC-Antrag, federführend die Leuphana in Person von Holm Keller, der bei einem Erfolg auch der Chef der neu zu gründenden Gesellschaft werden wollte.

Doch der Uni-Vizepräsident gibt sich nicht niedergeschlagen, er sieht in der KIC-Pleite auch eine Chance: „Für die Leuphana hat die Entwicklung dieses internationalen Netzwerks vielfältige Potenziale für zukünftige Partnerschaften eröffnet“, erklärte er. Und weiter: „Diese Partnerschaften gilt es nun zu befördern und zum Nutzen der Universität weiterzuentwickeln.“ Allerdings ohne EU-Gelder.

Die erhält aber das Konsortium InnoLife. Das EIT stellt als Startkapital bis zu vier Millionen Euro bereit. Nach Unterzeichnung des Partnerschaftsabkommens 2015 könnten bis zu 400 Millionen Euro in einem Zeitraum von sieben Jahren fließen. Doch es geht noch um mehr. Erwartet wird, dass durch das KIC ein Investitionsvolumen von 1,2 Milliarden Euro ausgelöst wird.

Hoch war mit 100 Millionen Euro auch das Finanzvolumen für den EU-Innovationsinkubators an der Leuphana ­ der läuft im Juni 2015 aus. Rund 170 Forscher seien derzeit in den drei Themengebieten Digitale Medien, Nachhaltige Energie und Gesundheit beschäftigt, heißt es auf der Internetseite der Leuphana. Darüber hinaus gibt es aber auch eigene Inkubator-Stellen in der Uni-Verwaltung. Offen ist, ob und wenn ja, wie diese Posten nach Auslaufen des Innovationsinkubators fortgeführt werden. „Eine Bilanz soll Anfang nächsten Jahres gezogen werden“, sagt Uni-Pressesprecher Henning Zühlsdorff.

Die nächsten Aufrufe für KIC-Anträge startet das EIT übrigens 2016, dann unter anderem für den Bereich Ernährung.