Montag , 28. September 2020

Das Ende einer alten Villa

An der Lessingstarße im Roten Feld rollt der Bagger – der Abriss der Ibus-Villa hat heute Nachmittag begonnen. Wie berichtet soll dort eine neue Wohnanlage enstehen. Lesen Sie hier Archiv-Artikel zu diesem Thema: 

Bericht vom 01.11.2014

ca Lüneburg. Die Ibus-Villa an der Lessingstraße im Roten Feld soll verschwinden, ein Investor will einen größeren Neubau aufs Grundstück setzen. Das gefällt Nachbarn wie Dr. Rolf Johannes nicht, sie wünschen sich, dass am besten alles so bleibt, wie es ist. Das Rote Feld ist kein Einzelfall. Nachdem Anwohner kürzlich vor dem Gebäude protestiert haben, hätten sich auch Bürger aus anderen Stadtteilen gemeldet, vom Bockelsberg zum Beispiel. Auch dort stünden unliebsame Veränderungen an, berichtet Johannes. Gemeinsam laden sie zu einer Bürgerversammlung ein, um zu beraten, wie Interessen gegenüber Politik und Stadt deutlich gemacht werden können.

Wenn rückwärtige Gärten bebaut werden sollen, wie an der Friedenstraße, oder eben in Wohngebieten Häuser für Neubauten abgebrochen werden sollen, dann setzt es Kritik. Stadtbaurätin Heike Gundermann und ihre Mitarbeiter, der Stadtplaner Matthias Eberhard und die Juristin Yvonne Hobro, haben damit häufiger zu tun. Zum Beispiel in den vergangenen Jahren, als an der Uelzener Straße Villen und Hotels abgerissen und durch moderne Bauten ersetzt wurden.

Sie weisen auf unterschiedliche Interessen hin: Was die Anwohner ärgern mag, ist andererseits ein Ziel der Politik: Innen- geht vor Außenbebauung. Das meint: Baulücken sollen geschlossen werden, statt vor der Stadt großflächig Landschaft mit neuen Häusern zu bebauen. Yvonne Hobro sagt es so: In der Stadt haben nur wenige etwas vom Grün im Nachbargarten, doch vom Grün vor der Stadt profitieren alle. Überdies ist es nicht nur ein politischer Wunsch, sondern auch juristisch festgezurrt, so zu verfahren. Das Baugesetzbuch gibt diese Linie vor.

Mitten in der Stadt verfügt die Verwaltung über andere Instrumente. Denkmalschutz, historische Parzellenstrukturen und möglicherweise eine Lage im Senkungsgebiet sichern der Verwaltung ein weitreichendes Mitspracherecht für Projekte zu.

Für Teile des Roten Feldes, einen Bereich zwischen Feld- und Lessingstraße hingegen, gilt lediglich eine Erhaltungssatzung. Die nicht denkmalgeschützte Ibus-Villa allerdings steht auf der anderen Seite dieser Begrenzung, eben außerhalb des Schutzgebietes. Das Regelwerk, so erklärt es die Stadtbaurätin, schützt vor allem die Grünflächen, wie sie zwischen Gebäuden an der Schiller- und Gravenhorststraße liegen.

Doch für Häuser ist das anders. Für die gelten Baugesetzbuch und Bebauungsplan, der hier relativ wenige Einschränkungen vorgibt. Der Grundansatz will Bauen ermöglichen und nicht verhindern. Konkret bedeutet dies zum Beispiel, dass Häuser im Roten Feld durchaus durch Neubauten ersetzt werden dürfen. Im Maßstab orientieren sie sich am größten Gebäude, das an der jeweiligen Straße steht. Das heißt aus einem Einfamilien- kann auch ein Vierfamilienhaus werden. Vorgaben gibt es unter anderem bei der Geschosszahl und der Dachform. Auch Abstand zu anderen Gebäuden spielt dann eine Rolle.

Was im Roten Feld gilt, gibt nach Auskunft der Bauverwaltung auch die Linie für den Bockelsberg vor. Letztlich könnten die Villen aus den vergangenen Jahrzehnten durch die Moderne abgelöst werden.

Zahlreiche Beispiele zeigen aber, dass hintere Bebauung von Anwohnern akzeptiert wird, am Zeltberg, im Moorfeld und am Ebensberg. Dort erhielten Siedler nach dem Krieg große Grundstücke mit der Auflage, sich durch Gartenbau selbst versorgen zu können. Das ist Geschichte. Inzwischen wurden und werden Flächen geteilt, da unter anderem Kinder der Hausbesitzer dort bauen. Die Erfahrung im Bauamt: Wenn Anwohner A diesen Weg geht, akzeptiert er, wenn B ihn auch einschlägt.

Generell machen die Stadtbaurätin und ihre Mitarbeiter darauf aufmerksam, dass eine Verschärfung der Vorschriften wenn sie denn überhaupt möglich wäre natürlich auch die träfe, die sie heute fordern. Wer später einmal sein Grundstück verkaufen will, hat eben dann auch die neuen Regeln zu tragen, nach denen ein größeres Haus nicht gebaut werden dürfte. Das wiederum hat Auswirkungen auf den Verkaufspreis.

Auch wenn die Bauverwaltung Neubauten im Zweifel nicht verhindern kann, so sieht sie Einflussmöglichkeiten. Im Gespräch mit Bauherrn und Architekten setzt sie darauf, mit ihnen über Baumaterialien wie Stein und Holz sowie Farbe zu sprechen. Meistens sei man da ganz erfolgreich, sagt Heike Gundermann: „Aber anordnen können wir nichts.“

LZ-Bericht vom 20.11.2014 

LZ-Bericht vom 02.10.2014