Dienstag , 20. Oktober 2020
Fast 500 Menschen demonstrierten gestern in Uelzen gegen Alternativen zur Y-Trasse. In der Stadthalle stellte die Bahn die Pläne vor. Foto: phs

Initiativen entfesseln Proteststurm

dth Uelzen. Offenbar hatten die Vertreter der Deutschen Bahn gehofft, die Sache wäre mit der Info-Veranstaltung in Soltau Ende Juli für sie ausgestanden gewesen. Dort hatten sie als Abschluss ihrer „Road­show“, die zunächst für Amts- und Mandatsträger gedacht war, erstmals für interessierte Bürger öffentlich ihre Alternativ-Pläne zur Y-Trasse vorgestellt. Auf Druck des Landkreises Uelzen aber sagten sie nun einem weiteren Info-Abend in der Uelzener Stadthalle zu und begegneten erstmals dem Sturm der Entrüstung jüngst gegründeter Bürgerinitiativen und Aktionsbündnisse gegen die möglichen Neubautrassen durch die Landkreise Harburg, Lüneburg und Uelzen. Für Unmut sorgt außerdem, dass das vom Land moderierte Dialogverfahren, auf das die Bahn bisher immer fleißig hingewiesen hat, nicht wie geplant starten wird.

Nach Polizeiangaben rollten gestern Nachmittag rund 120 Traktoren durch die Uelzener Innenstadt, um mit einem drei Kilometer langen Korso gegen die Pläne der Deutschen Bahn zu demonstrieren. Ihnen schlossen sich zunächst mehr als 500 Demonstranten mit Plakaten und Transparenten an. Insgesamt versammelten sich aber deutlich mehr Menschen vor der Uelzener Stadthalle. Rund 1000 Zuhörer wurden zur Info-Veranstaltung reingelassen, bevor die Halle wegen Überfüllung geschlossen wurde, Hunderte mussten draußen bleiben.

Friedrich-Karl Bodin, Vorstandsmitglied des Aktionsbündnisses für die Ostheide, das zur Demo aufgerufen hatte, freute sich über die Resonanz: „Das ist überwältigend.“ Seine Mitstreiter rief er auf, bei aller Gegnerschaft zu den Neubautrassen-Plänen nicht die Menschen an der alten Y-Trasse zu vergessen und sich solidarisch zu zeigen. Nur gemeinsam könne der „Bahnwahnsinn“ gestoppt werden.

Mit einem Pfeifkonzert empfingen schließlich die Demonstranten die DB-Vertreter, die ebenfalls mit einem solchen Ansturm nicht gerechnet hatten, vor der Halle. Bei der Veranstaltung selbst verwies Michael Baufeld, DB-Sprecher Großprojekte, abermals auf den Dialogprozess des Landes, bei dem sich die Bürger einbringen können.

Die Auseinandersetzung mit den betroffenen Kommunen und Bürgern soll das Land organisieren. Aber: Das Dialogverfahren zu den geplanten Varianten der Y-Trasse wird nicht wie vorgesehen am 1. Oktober starten. Das bestätigte auf LZ-Nachfrage Sabine Schlemmer-Kaune vom Niedersächsischen Verkehrsministerium. „Wir gehen davon, dass der Prozess Ende des Jahres beziehungsweise Anfang kommenden Jahres beginnt.“ Die Ausschreibung für den externen Moderator, den das Land dafür beauftragen will, läuft noch bis zirka Anfang November. Zu der Verzögerung sei es auch aufgrund mangelnder Absprachen zwischen Bund und Bahn gekommen, sagt Schlemmer-Kaune. „Bisher haben wir noch keine genauen Verkehrsprognosen für die verschiedenen Trassenvarianten erhalten.“ Auch liege bisher keine Kosten-Nutzen-Analyse für die vorgeschlagenen Trassen vor. Zu den fehlenden Angaben zu Kosten-Nutzen und Verkehrsaufkommen sagte Baufeld in Uelzen: „Da muss man beim Bundesverkehrsministerium nachfragen, die bearbeiten das.“

Unterdessen hofft die Ministeriumssprecherin, dass die fehlenden Unterlagen im Oktober vorgelegt werden und geht davon aus, dass das Dialogverfahren, das rund ein Jahr dauern soll, 2015 dennoch erfolgreich abgeschlossen werden könne.

Am Ende des Dialogverfahrens, das vor allem in einem rund 80-köpfigen Gremium geführt werden soll, soll schließlich eine Vorzugsvariante benannt werden. Zur Zusammensetzung des geplanten Dialogforums sagte Schlemmer-Kaune: „Wir haben die Landräte der betroffenen Landkreise angeschrieben, uns mögliche Vertreter für das Forum zu benennen. Wir wollen, dass möglichst alle Interessengruppen in dem Gremium vertreten sind.“