Freitag , 23. Oktober 2020
Die Idee, die Pfähle an der Bahnhofstraße in Neetze zu umhäkeln, kam Ursula Puffahrt während der Fußball-WM. Die Pfosten tragen Mützchen in den Nationalfarben von Deutschland, Argentinien, Holland und Brasilien. Foto: t&w

Ringel, Ringel, Reihe

emi Neetze. Fröhliche Farbtupfer säumen die Bahnhofstraße in Neetze und sind zum beliebten Fotomotiv geworden: Mehr als 70 bunte „Häkelmützchen“ zieren die Holzpfosten entlang der Kreisstraße 5. „Guerilla-Knitting“ nennt sich das heimliche Bestricken oder Behäkeln von Gegenständen im öffentlichen Raum, das auch in Lüneburg seine Anhänger hat. „Eigentlich sollte das Ganze ja geheimnisvoll sein, als ob die Heinzelmännchen am Werk gewesen wären“, sagt Ursula Puffahrt. Aber nun gibt sich die 72-Jährige doch als eine der Macherinnen zu erkennen. Gemeinsam mit ihrer Nachbarin „umgarnte“ die Rentnerin Pfahl um Pfahl: „Denn wir fanden die so hässlich“, erzählt die Rentnerin lachend.

Die Idee dazu kam Ursula Puffahrt während der jüngsten Fußball-Weltmeisterschaft, als viele Autos mit Fähnchen und geschmückten Spiegeln auf der Straße fuhren. Zunächst häkelte die 72-Jährige einen einzelnen Überzug in Schwarz-Rot-Gold. Nach und nach kamen Mützchen in den Nationalfarben der anderen WM-Teilnehmer dazu. „Man kann an einer Stelle sogar die Platzierung der letzten vier ablesen“, sagt Puffahrt.

Besonders freute sich die Rentnerin darüber, dass Tag für Tag, wie von Zauberhand, mehr Mützchen hinzukamen. „Wir wissen nicht, wer das gemacht hat, aber wir finden es toll.“ Andere Menschen versorgten die fleißigen Nachbarinnen zudem mit Wollresten. „Wir haben nur positive Reaktionen bekommen.“

Die Aktion hatte aber noch einen weiteren, schönen Nebeneffekt: „Normalerweise rasen die Autofahrer auf dieser Strecke“, berichtet Ursula Puffahrt. „Jetzt fahren sie langsamer, um zu gucken.“