Samstag , 31. Oktober 2020
Vier Vorrangflächen für Windkraft im Kreis Lüneburg hat der Rotmilan zuletzt bereits verhindert, nun könnte auch die Elbmarsch-Fläche im Kreis Harbug dazukommen. Foto: Angela Kraft

Verhindert er den nächsten Windpark?

off Artlenburg. Der Protest hat in Artlenburg noch nicht einmal richtig begonnen, da könnte der geplante Bürgerwindpark in der Elbmarsch schon wieder vom Tisch sein. „Nach unseren Erkenntnissen lebt in dem Gebiet der Rotmilan“, sagt Lüneburgs Kreissprecherin Katrin Holzmann. Ein Kriterium, das im Landkreis Lüneburg schon für mehrere geplante Windvorrangflächen das Aus bedeutet hat. Zuständig ist dieses Mal allerdings nicht die Lüneburger, sondern die Harburger Kreisverwaltung. Und dort ist über die Zukunft der geplanten Vorrangfläche zwischen Avendorf und Bütlingen endgültig noch nicht entschieden worden.

Wie berichtet, plant der Landkreis Harburg die Ausweisung von zwei Teilarealen für Windenergie an der Kreisgrenze zu Lüneburg rund 1000 Meter westlich von Artlenburg. Realisieren will das Vorhaben die „Bürgerwind Samtgemeinde Elbmarsch GmbH & Co. KG“, auf den Flächen zwischen fünf und sechs Anlagen mit einer Gesamthöhe von 180 bis 200 Meter errichten. Nun könnte der Rotmilan das Vorhaben kippen, denn grundsätzlich hat der Artenschutz Vorrang vor Windkraftanlagen.

Im Kreis Lüneburg sind wegen nachgewiesener Nist- und Brutplätze des Greifvogels bereits Flächen bei Raven, Vögelsen, Kirch- und Westergellersen aus der weiteren Windkraftplanung gestrichen worden. Auch der Landkreis Harburg hat ein Vogelschutzgutachten erstellen lassen, „doch noch liegen die ausgewerteten Ergebnisse nicht vor“, sagt Kreissprecher Bernhard Frosdorfer.

Neu ist das Vorkommen des Rotmilans den Harburgern allerdings auch nicht. „Wir wissen, dass es an der Kreisgrenze zu Lüneburg einen Horst des Rotmilans gibt“, sagt Frosdorfer, „doch wenn der nicht direkt auf der geplanten Windkraftfläche liegt, muss das nicht unbedingt das Aus für das Areal bedeuten.“ Das wäre nur dann der Fall, wenn der Brutplatz der Vögel im Umkreis von ein bis anderthalb Kilometer um die geplante Windkraftfläche liegen würde. „Liegt der Horst dort, wo wir ihn bisher vermuten“, so Frosdorfer, „würde das allenfalls eine Verkleinerung der Vorrangfläche bedeuten.“ Klarheit werden in Kürze die Prüfungsergebnisse bringen.

Weiter skeptisch steht den Plänen indes der Landkreis Lüneburg gegenüber. „Wir haben dem Kreis Harburg eine kritische Stellungnahme zu der geplanten Fläche geschickt“, sagt Sprecherin Katrin Holzmann. Bei seiner Planung von Windvorrangflächen hat der Landkreis Lüneburg die Elbmarsch und das Biosphärenreservat grundsätzlich frei gehalten von Windkraftanlagen eben weil die Regionen besonders wertvoll für Vogelwelt und Artenschutz sind.