Dienstag , 20. Oktober 2020
Das Ende der Grundschulzeit naht, auch für die Viertklässler (v.l.) Emma, Luk, Inga, Niklas und Victoria von der Hermann-Löns-Schule in Lüneburg heißt es Abschied nehmen von vielen Klassenkameraden. Foto: t&w

Ansturm auf die Gymnasien

ahe Lüneburg. Die Lüneburger Gymnasien stehen einmal mehr vor einem Problem: Es wollen in diesem Sommer so viele Grundschüler zu ihnen, dass schlicht der Platz fehlt, um alle unterzubringen. Am deutlichsten wird das Problem der Beliebtheit am Gymnasium Oedeme: „Von der angestrebten Sechszügigkeit sind wir dramatisch weit entfernt“, sagt Direktor Dieter Stephan. Bei sechs 5.Klassen könnten unter Berücksichtigung von Sitzenbleibern und Umzüglern 29 Schüler pro Klasse, insgesamt also 174 Kinder, aufgenommen werden. Aktuell liegen aber Anmeldungen von 231 Kindern vor genug für acht 5. Klassen.

„Prinzipiell freuen wir uns natürlich über das Vertrauen, das uns von Eltern entgegengebracht wird“, sagt Stephan. Doch die Attraktivität bringt ihn auch in die Bredouille: Wo sollen die 57 zusätzlichen Kinder hin? In den vergangenen Jahren konnten Schüler häufig noch an andere Gymnasien umverteilt werden, die nicht so stark angewählt wurden. In zahlreichen Elterngesprächen mussten die Schulleiter Überzeugungsarbeit leisten nicht immer mit Erfolg. Deshalb entschieden Stadt und Kreis als Schulträger auch schon mal, Container an einzelnen Standorten aufzustellen, um nicht so viele Eltern enttäuschen zu müssen. Doch in diesem Jahr haben auch die anderen Gymnasien im Stadtgebiet nur wenige freie Kapazitäten. Die Herderschule etwa hat ebenfalls eher zu viele als zu wenige Anfragen, 168 Anmeldungen liegen vor, das würde eine Sechszügigkeit bedeuten. Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck sagt: „Unser Ziel ist eine Fünfzügigkeit.“

Um die Kapazitätsprobleme zu lösen, setzen sich die Schulleiter stets zusammen, auch die Schulträger sind dann dabei. Am vorigen Freitag gab es die seit langem geplante Runde ohne Lösung für das aktuelle Problem. Stephan sagt: „Wir haben alle Möglichkeiten ausgelotet, aber sehen im Moment keine wirklich praktikable Lösung. Sollen wir die Plätze etwa willkürlich auslosen und damit womöglich beste Freunde auseinanderreißen? Oder als Oedemer Schule die Kinder aus unserem Stadtteil ablehnen?“ Das sei beides nicht sinnvoll. Was ihn und seine Kollegen wurmt: Obwohl der Termin lange bekannt war, sei von der Stadt kein Vertreter da gewesen, der Entscheidungen hätte treffen können. Wird die Wilhelm-Raabe-Schule fünf- statt vierzügig? Richtet das Johanneum in seiner Außenstelle im Schulzentrum Kaltenmoor eine weitere fünfte Klasse ein? Ungeklärt. Nun treffen sich die Direktoren heute noch einmal, hoffen diesmal auf eine Führungskraft aus der Verwaltung.

Beim zweiten Treffen dabei ist dann auch die Landesschulbehörde ein langgehegter Wunsch der Schulleiter, denn sie ist die Behörde, die Einsprüche von Eltern bearbeitet, die sich gegen eine Abweisung ihres Sprösslings wehren. Und das komme nicht selten vor. Stephan verdeutlicht: „Wir sind in der Sache ständig rechtlich in Bedrängnis. Mir wurde gar schon ein Disziplinarverfahren angedroht. Als Schulleiter fühlen wir uns mit dem Verfahren, wie wir mit den Schülerströmen umgehen, manchmal ein wenig allein gelassen.“ Eine Möglichkeit, Schülerströme zu lenken, wären Schulbezirke. Die aber will im Grunde niemand. Eine denkbare Alternative wäre aus Sicht von Stephan eine weitere Gesamtschule im Stadtgebiet, durch die die Gymnasien entlastet würden.

Denn auch die Integrierte Gesamtschule Lüneburg (IGS) kann erneut nicht alle angemeldeten Schüler aufnehmen. 150 Plätze stehen zur Verfügung, 207 Viertklässler sollten dorthin wechseln. Wie in den Vorjahren wurde gelost, wer einen Platz bekommt. Dabei wurde neben gesetzlich verankerten Regelungen zu Geschwisterkindern berücksichtigt, dass die gesamte Leistungsstärke vertreten ist. Schulleiter Klaus-Peter Hummes sagt: „Wir nehmen 70 leistungsstarke Kinder und 20 eher leistungsschwache Schüler auf, die übrigen sind dem mittleren Bereich zuzuordnen. Oben und unten passte es ganz gut, aber viele Kinder mit Realschulempfehlung haben leider keinen Platz bekommen.“ Bei jenen Kindern, die kein Losglück hatten, zieht im Regelfall der angegebene Zweitwunsch.

Für seine Schule sagt Stephan: „Es läuft wohl auf eine Siebenzügigkeit raus, Kapazitäten wären im Schulzentrum vorhanden, aber dafür bräuchten wir die Unterstützung des Kreises als Schulträger.“ Für den Landkreis verweist Sprecherin Katrin Holzmann auf die zweite Gesprächsrunde: „Dort soll das geklärt werden. Aber achtzügig werden soll Oedeme auf keinen Fall.“ Und weglotsen müsste Stephan selbst bei einer Siebenzügigkeit immer noch eine komplette Klasse. Eine Patentlösung hat auch die Stadt noch nicht. Suzanne Moenck sagt: „Es gibt noch ganz viel Gesprächsbedarf.“

Anmeldungen

Anmeldungen: Mehr als 1700 Viertklässler wechseln in diesem Sommer auf eine weiterführende Schule in Stadt und Kreis, jeden Zweiten zieht es zum Gymnasium. Die einzig verbliebene reine Hauptschule in Bleckede verzeichnet 25 Anmeldungen, auf die dortige Realschule, ebenfalls die Letzte ihrer Art, wechseln 39 Kinder. Die anderen vorläufigen Anmeldezahlen (inklusive Schüler, also solche mit speziellem Förderbedarf, belegen rechnerisch je zwei Plätze):

Gymnasien: Oedeme: 231,  Herderschule: 168,  Bernhard-Riemann-Gymnasium: 147,  Johanneum: 125,  Wilhelm-Raabe-Schule: 101,  Bleckede: 66

Oberschulen: Schule am Schiffshebewerk: 114, Hanseschule Oedeme: 87,  Stadtmitte (nach Losverfahren): 77,  Christianischule: 74,  Hugo-Friedrich-Hartmann-Schule: 63,  Dahlenburg: 49,  Schule am Katzenberg: 46, Neuhaus: 14

Gesamtschulen: Lüneburg (nach Losverfahren): 148,  Embsen: 131