Montag , 28. September 2020
Stefan Bartscht (r). und Thomas Mitschke appellieren an die Besucher im Naturschutzgebiet, sich an die Regeln zu halten. Zum Wohle aller Besucher und der Natur- und Pflanzenwelt.

Paddler stören beim Fischen

kre Lüneburg. Was ist den Menschen eine intakte Natur wert? Offenbar wenig bis nichts! Dieser Eindruck drängt sich Thomas Mitschke immer mehr auf. Spätestens dann, wenn der Vorsitzende des Naturschutzbundes Lüneburg (Nabu) mal wieder an der llmenau unterwegs ist. Ein Naturschutzgebiet unter anderem Heimat des Eisvogels, des Fischotters, der vom Aussterben bedrohten Sandbiene oder auch der Bachmuschel. Doch diese seltenen Tierarten und ihr Lebensraum sind zusehends bedroht: Von Jugendlichen, die offenbar Spaß daran finden, ihre leeren Flaschen in die Bruthöhlen des Eisvogels zu stopfen. Durch Reiter, die abseits der ausgewiesenen Reitwege unterwegs sind. Durch Paddelbootfahrer und Kanuten, die an jeder Flussbiegung ans Ufer fahren und Fauna und Flora niedertreten. Und von Hundehaltern, die ihre vierbeinigen Lieblinge auch in der Brut- und Setzzeit frei laufen lassen. Vor allem jetzt zu ,,Vatertag“ und eine Woche später zu Pfingsten fürchten Mitschke und seine Mitstreiter das Schlimmste noch mehr illegale Feuerstellen im Naturschutzgebiet entlang der Ilmenau. Noch mehr achtlos weggeworfener Müll und Unrat und noch mehr Störungen der Tierwelt. ,,Offensichtlich haben viele Menschen den Bezug zur Natur verloren“, stellt der Nabu-Vorsitzende enttäuscht fest.

Auch Hinweis- und Verbotsschilder und selbst ein Zaun halten manche Zeitgenossen nicht davon ab, sich im Naturschutzgebiet wie die Vandalen zu benehmen: ,,Bei manchen Ilmenau-Anwohnern kursiert schon der Spruch, dass man an den Wochenenden nur einen Käscher in das Wasser halten muss, um innerhalb kürzester Zeit drei Kästen Leergut aus dem Wasser zu fischen“, berichtet Anneken Roschke von der Unteren Naturschutzbehörde. Die Ilmenau als illegale Müllhalde alleine der Gedanke daran lässt bei Stefan Bartscht, Fachdienstleiter Umwelt bei der Unteren Naturschutzbehörde, die Zornesader schwellen. ,,Wer gegen die Regelungen des Naturschutzgesetzes verstößt, dem drohen empfindliche Strafen, die in schwerwiegenden Fällen bis hin zur Freiheitsstrafe gehen können“, stellt der Kreisbeamte unmissverständlich klar.

Leicht geschwungen schlängelt sich die Ilmenau zwischen Melbeck und Deutsch Evern durch die Aue keine Frage: Hier zeigt sich der Fluss, der auch Namensgeber für die Samtgemeinde ist, von seiner schönsten Seite. Das haben auch die erkannt, die Naturschutzgebiet hin, Naturschutzgebiet her am liebsten dort grillen, Party machen und in die Ilmenau springen, wo auch der seltene Eisvogel sein Zuhause hat. Papiermüll, Kippen, Feuerstellen, Essensreste, leere Flaschen zuweilen gleicht das verschwiegene Plätzchen einer Müllhalde.

Doch damit nicht genug. Thomas Mitschke hat auch schon erlebt, dass Jugendliche ihre ,,Gettoblaster“, große mobile CD-Player mit leistungsstarken Lautsprechern, direkt unter der Steilwand positionierten und damit stundenlang die Tierwelt beschallten. ,,Die haben sich einfach nichts dabei gedacht“, staunt der Nabu-Vorsitzende, ,,statt ein Herz für die Natur zu zeigen, regiert offenbar nur noch Oberflächlichkeit und Egoismus.“

Der Landkreis hat zwar reagiert und die Steilwand eingezäunt, um die Brutplätze des Eisvogels zu schützen, ,,doch an den Seiten ist diese Absperrung schon wieder niedergetrampelt“, hat Thomas Mitschke beobachtet.

Immer wieder in die Kritik geraten auch Paddler und Kanuwanderer, die außerhalb der ausgewiesenen Ein- und Ausstiegsstellen die Boote verlassen. Stefan Barschts Tipp: ,,Informieren Sie sich beim Kanuverleiher oder buchen Sie eine geführte Tour. Nur so lässt sich verhindern, dass Flüsse wie die Ilmenau im schlimmsten Fall wegen Übernutzung gesperrt werden müssen.“ Abschließend kündigt der Fachdienstleiter an: ,,Gerade an Pfingsten werden wir besonders darauf achten, dass sich Besucher an Naturschutzgesetze halten.“

Verhaltensregeln

Darauf müssen Besucher im Naturschutzgebiet ,,Lüneburger Ilmenauniederung“ achten:

Hunde sind ganzjährig an der Leine zu führen.

Moutainbiker und Reiter dürfen die vorgeschriebenen Wege nicht verlassen.

Grillen, Lagerfeuer sowie das achtlose Wegwerfen von Abfällen ist verboten.

Paddler und Kanuwanderer dürfen nur an den ausgewiesenen Ein- und Ausstiegsstellen anlegen. Welche das sind, steht in den Info-Karten für Kanuwanderer, die bei den Bootsverleihern ausliegen.

Weitere Informationen unter www.landkreis-lueneburg.de