Mittwoch , 21. Oktober 2020
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Universität will Millionen sparen

pm Hannover/Lüneburg. Die Universität Lüneburg will die Kosten für den Libeskind-Bau um einige Millionen abspecken. Nach entsprechenden Einsparvorschlägen etwa bei der technischen Gebäudeausstattung dürfte einer Freigabe der Landesmittel für das Prestigeprojekt nichts mehr im Wege stehen. Der Haushaltsausschuss des Niedersächsischen Landtags soll am Mittwoch, 21. Mai, den aktualisierten Zuwendungsbescheid bewilligen.

Eine lange Liste mit diversen Einsparpotenzialen hat die Uni-Spitze kürzlich an das Wissenschaftsministerium in Hannover geliefert. Es handele sich um „Vorschläge in Millionenhöhe“, bestätigte gestern ein Uni-Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung. „Diese betreffen zum Beispiel Haustechnik und Außenanlagen.“ Nähere Einzelheiten werde die Leuphana „nach der Sitzung des Landtagsausschusses bekanntgeben“. Dem Vernehmen nach soll sich die Uni unter anderem zu Abstrichen bei der Lüftung und der Veranstaltungstechnik bereit erklärt haben. Die Summe aller vorgeschlagenen Maßnahmen beläuft sich nach Informationen unserer Zeitung auf 3,7 Millionen Euro.

Mittwoch wird Uni-Vize-Präsident Holm Keller noch einmal ,,uni intern“ über den ganzen Komplex Zentralgebäude informieren. Gestern war das Lüneburger Libeskind-Modell auf Seite 1 der International New York Times als Hingucker für einen Beitrag über grüne Technologie und Energiewende in Deutschland zu finden, in dem ausführlich Leuphana-Professor Dr. Thomas Schomerus zitiert wird.

Ursprünglich sollte das nach Entwürfen des Architekten Daniel Libeskind geplante Zentralgebäude 57,7 Millionen Euro kosten. Im Herbst 2013 legte Leuphana dann Ministerium und Landtag eine neue Rechnung über 76,055 Millionen Euro vor. Begründet wurde das mit allgemeinen Preissteigerungen in der Baubranche, unvorhergesehenen Verzögerungen und zusätzlichen energetischen Investitionen.

Durch die neue Einsparliste sinkt dieser Betrag jetzt immerhin wieder etwas: auf 72,355Millionen Euro. Nicht berücksichtigt sind darin allerdings mögliche Kostenrisiken. Diese gibt die Uni selbst mit rund acht Millionen Euro an. Oberfinanzdirektion und Landesrechnungshof gehen dagegen von mindestens 16 Millionen Euro aus und taxieren die Gesamtkosten des Libeskind-Baus dadurch auf 92 Millionen Euro.

Grundlage für die neue Zuwendungsunterlage Bau (Z-Bau) des Ministeriums, über die der Haushaltsausschuss in der nächsten Woche zu befinden hat, sind jedoch die 72 Millionen Euro ohne Risikozuschlag. „Die jetzt von der Leuphana Universität Lüneburg vorgelegte Kostenreduktion wird in der Nachtrags-Z-Bau Berücksichtigung finden“, erklärt Ministeriumssprecher Werner Nording. Ressortchefin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) hatte von der Uni-Leitung immer wieder einen eigenen Beitrag zum Sparen gefordert. Alles andere als ein positives Votum des Ministeriums und der rot-grünen Mehrheit im Ausschuss für den neuen Kostenplan wäre daher eine Überraschung. Durch die Bewilligung der neuen Z-Bau werden die Landesmittel für das Audimax in Höhe von 21 Millionen Euro freigegeben.

Zeit zum Durchatmen sieht Gabriele Heinen-Kljajic nicht. „Bei dem Bau besteht nach wie vor ein enorm hoher Termindruck“, sagt Ministeriumssprecher Nording. Die Zuschüsse der EU von 14 Millionen Euro seien nur gesichert, wenn bis zum 31. Dezember 2015 rund 60 Millionen Euro der gesamten Bausumme ausgezahlt würden. „Das bleibt weiterhin ein ambitioniertes Vorhaben.“ Die Gesamtfertigstellung des Gebäudes müsse die Uni im Hinblick auf die EU-Vorgaben der vergangenen Förderperiode bis Anfang 2017 realisieren.

Fotogalerie: Der Bau des neuen Zentralgebäudes in Bildern