Freitag , 2. Oktober 2020
Von 19.30 Uhr an hat die Polizei die Anwohner des Evakuierungsgebietes aufgefordert, ihre Häuser und Wohnungen zu verlassen. Seit 21.58 Uhr können die Menschen nun wieder zurück. Foto: t&w

Um 21.58 Uhr ist der Spuk vorbei

ca Lüneburg. Inzwischen ist es schon Routine. Erst vergangenen Mittwoch waren der stellvertretende DRK-Kreisbereitschaftsführer Holger Pilch und seine Mitstreiter im Einsatz, um zu helfen, Senioren und Kranke aus ihren Wohnungen zu begleiten und in Sammelunterkünfte, Heime oder Kliniken zu bringen. Am Nachmittag war im Baugebiet Wittenberger Bahn wieder eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Die dritte seit Mai 2013. Polizei und Stadt fuhren ihr Evakuierungsprogramm an.
Und so hat Pilch gestern Abend 50 Rotkreuzler und 17 Fahrzeuge vorm Gemeindezentrum in St. Stephanus in Kaltenmoor in Bereitschaft. Auf Anforderung der Polizei rücken Besatzungen aus. Auch eine Küche hat das DRK beim Kreisverband eingerichtet, dort kochen Helfer 300 Portionen Goulaschsuppe für evakuierte Anwohner und Helfer. Pilch und Zugführer Marcel Stürmer bleiben gelassen: „Es läuft.“
So sieht es auch Andreas Stolze. Der Pastor und seine Crew in Stephanus haben ein paar Mal gezeigt, dass sie das „warme Herz von Kaltenmoor“ sind. Bei Bränden und nun das zweite Mal bei einer Bombenentschärfung wurde die Kirche zur Unterkunft. Auch in der St.-Ursula-Schule, dem zweiten Sammelpunkt, geht es ruhig zu. Nur ein paar Menschen sitzen dort, werden vom ASB versorgt. Stadtsprecher Daniel Steinmeier ist vor Ort: „Etwa 650 Menschen müssen wegen der Bombenräumung ihr Zuhause verlassen. Von Polizei, DRK, ASB, Kirchen, KVG, AGL und Hansestadt sind etwa 230 Kräfte im Einsatz, um die Maßnahmen auf den verschiedenen Positionen zu begleiten. In den beiden Ausweichquartieren sind derzeit etwa 80 Menschen untergekommen.“
Um 20.47 Uhr heißt es: „Alles geräumt.“ Sprengmeister Michael Tillschneider macht sich sich ans Werk. Es ist unklar, ob er, der schon vergangenen Mittwoch im Einsatz war, die Bombe sprengen muss oder ob er sie entschärfen kann. Bei dem Sprengkörper, der zwanzig Meter neben dem ersten Fundplatz entdeckt wurde, handelt es sich wieder um eine amerikanische 70-Kilo-Bombe mit Aufschlagzünder. Und erneut muss Tillschneider sprengen, Entschärfen unmöglich. Um 21.58 Uhr ist alles vorbei. Nebenbei hat die Polizei eine mutmaßliche Einbrecherin geschnappt. Beamte nahmen eine per Haftbefehl gesuchte Drogenkonsumentin um 19.45 Uhr Vor dem Roten Tore fest. Die 32-Jährige hatte einen sicheren Platz – im Knast.

 

+++ Stand: 22.00 Uhr: 

Der Blindgänger wurde um 21.58 Uhr erfolgreich gesprengt. Alle Anwohner können zurück in ihre Häuser und Wohnungen.

+++ Stand: 21.16 Uhr: 

Die Sprengexperten schauen sich nun den Blindgänger genauer an. Noch ist unklar, ob die Fliegerbombe entschärft oder gesprengt wird.

 

+++ Stand: 20.47 Uhr: 

Die Polizei meldet, dass sich niemand mehr im Evakuierungsgebiet aufhält. Ab sofort sind die Bahnstrecken in Richtung Hamburg und in Richtung Hannover gesperrt. Der Sprengmeister beginnt nun mit seiner Arbeit.

 

+++ Stand: 17.30 Uhr: 

Ab 19.30 Uhr werden folgende Straßen gesperrt:

– die Willy-Brandt-Straße zwischen Scharff-Kreuzung und Amselbrücke inklusive aller Einfahrten aus dem Roten Feld auf die Willy-Brandt-Straße

– von der Konrad-Adenauer-Straße Ecke Deutsch-Evern-Weg Richtung Friedrich-Ebert-Brücke/stadteinwärts

– stadtauswärts auf der Dahlenburger Landstraße die ersten fünf Straßen, die nach rechts abzweigen

– sowie zahlreiche kleinere Straßen direkt innerhalb des Evakuierungsgebietes.

Alle Autofahrer werden darum gebeten, den Evakuierungsbereich weiträumig zu umfahren.

+++ Stand: 17.00 Uhr: 

Die Stadt hat Shuttlebusse zu den Ausweichquartieren eingerichtet. Es fährt ein Bus zwischen dem Aldi-Parkplatz an der Feldstraße und dem Quartier in der St.Ursula-Schule hin und her. Östlich der Ilmenau pendelt ein Bus zwischen der Bushaltestelle Blümchensaal Ecke Am Kaltenmoor und dem Gemeindehaus St. Stephanus. Die Busse starten um 18:30 Uhr und sind dann ständig zwischen den beiden Punkten unterwegs. Wer also am Startpunkt ankommt und dort dann kein Bus steht, der wartet bitte ein wenig.

Die Polizei bittet darum, dass alle, die ihre Wohnungen und Häuser verlassen müssen, dieses frühzeitig und selbstständig tun und nicht auf die Polizisten warten, die in den betroffenen Straßen ab 20 Uhr an den Türen klingeln. Die Ausweichquartiere sind schon ab 18:30 Uhr geöffnet. Denn je eher der Bereich menschenleer ist, desto früher kann der Entschärfer mit seiner Arbeit beginnen.

 

+++ Stand: 16.30 Uhr: 

Die Bahnstrecken Richtung Hamburg und Richtung Hannover bleiben so lange offen, bis die Entschärfung wirklich beginnen kann. Die Sperrung erfolgt also erst unmittelbar vor der Räumung, damit die Einschränkungen so gering wie möglich bleiben.

Die Polizei berichtet:

Auch die Montagmorgen bei Sondierungsarbeiten im Baugebiet Wittenberger Bahn entdeckte amerikanische Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg konnte in den Abendstunden durch Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes erfolgreich gesprengt werden.   Ein Entschärfen der Bombe war nach ersten Versuchen nicht möglich, Sprengmeister Michael Tillschneider und sein Team vom
Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) aus Hannover sprengten die Fliegerbombe (ca. 70 kg) mit Aufschlagzünder vor Ort gegen 21:58 Uhr kontrolliert. Zu Sachschäden kam es nach ersten Ermittlungen nicht.

In Absprache mit der Hansestadt Lüneburg, Feuerwehr und Polizei evakuierten die Einsatzkräfte betroffene Bewohner in einem Sicherheitsbereich mit Radius von 500 Metern um die Fundstelle.
Betroffen davon waren wieder gut 650 Lüneburger, für die durch die Hansestadt Lüneburg Notunterkünfte eingerichtet wurden.

Für die Zeit der Entschärfung wurde auch der Bahnverkehr zwischen Lüneburg und Uelzen für gut 75 Minuten in beide Richtungen voll gesperrt.

Im Rahmen der Räumung waren gut 230 Einsatzkräfte von u.a. Feuerwehr, ASB, DRK, Hansestadt Lüneburg und Polizei im Einsatz, die einen reibungslosen Ablauf gewährleisteten. Aufgrund des zeitlichen
Vorlaufs und der Verfügbarkeit konnte die Polizei im Gegensatz zum Räumung in der Vorwoche mehr Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei aus Lüneburg und Braunschweig in den Einsatz bringen, so dass die
Anzahl der ehrenamtliche Kräfte stark reduziert werden konnte.

Im Rahmen der Sperr- und Schutzmaßnahmen konnte die Polizei gegen 19:45 Uhr im Bereich der Straße Vor dem Roten Tore auch eine mögliche Straftäterin vorläufig festnehmen. Die 32-Jährige aus dem Landkreis
Lüneburg hatte sich an Polizeikräften vorbei in einen bereits evakuierten Bereich „geschlichen“, um möglicherweise Einbrüche zu begehen. Bei der unter Drogen stehenden Frau stellten die Beamten u.a. Drogen fest. Darüber hinaus war sie zur Festnahme ausgeschrieben. Sie wurde in die Justizvollzugsanstalt Lüneburg gebracht.

Betroffen von der Evakuierung waren unter anderem die Bewohner folgender Straßen:

– Am Schwalbenberg 14, 16, 18

– Am Schierbrunnen 2, 4

– Blümchensaal komplett

– Am Kaltenmoor 1 – 21

– Kurt-Schumacher-Straße 1 – 15

– Bülowstraße komplett

– Brahmbusch 1 – 6, 16 – 20

– Deutsch-Evern-Weg 10 – 12

– Friedrich-Ebert-Brücke 1

– An der Roten Bleiche 8 – 9

– Rotenbleicher Weg komplett

– Feldstraße 2a

– Willy-Brandt-Straße 10

– Stresemannstraße 2 – 8

– Vor dem Roten Tore 37 – 63, 38 – 72

Das Altenheim (Domizil) in der Feldstraße ist nicht von den Maßnahmen betroffen.

Die Stadt hat für die Bewohner Räumlichkeiten in der St. Ursula-Schule, St. Ursula-Weg, und im Gemeindezentrum St. Stephanus in Kaltenmoor, ab 18:30 Uhr als Notunterkunft eingerichtet. Parallel wird die Stadt Lüneburg in Kürze unter der Telefonnummer 04131-3093-100 eine Hotline schalten.

Neben den Hauptverkehrsadern Friedrich-Ebert-Brücke und Willy-Brandt-Straße wird für die eigentliche Entschärfung auch die Bahnverkehr Lüneburg – Uelzen durch eine Sperrung betroffen sein.

In einem Radius von 500 Metern um den Fundort der Bombe werden die Anwohner ab heute Abend 19.30 Uhr evakuiert.
In einem Radius von 500 Metern um den Fundort der Bombe werden die Anwohner ab heute Abend 19.30 Uhr evakuiert.